Connect with us

Unterhaltung

„Zahnloser Tiger“: Bundesregierung will Warn-App nach Kritik verbessern

Veröffentlicht

auf


Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Deutschland fordern Gesundheitspolitiker der Großen Koalition zügig Nachbesserungen bei der Corona-Warn-App. Dabei steht dabei auch zur Debatte, die strengen Datenschutzvorgaben zugunsten einer besseren Nachverfolgung von Infektionen zu lockern.

„Die App könnte uns noch besser helfen, wenn die Gesundheitsämter punktuell einen Datenzugang erhalten würden“, sagte der Bundestagsabgeordnete Tino Sorge (CDU) dem Nachrichtenmagazin FOCUS. Denkbar wäre demnach eine freiwillige Option für App-Nutzer, ein positives Corona-Testergebnis direkt an das lokale Gesundheitsamt weiterzugeben. „Dadurch könnten die Behörden bei der Ermittlung von Infektionsketten spürbar entlastet werden und Kontaktpersonen schneller warnen“, erklärte Sorge.

„Ich würde mir zentralere Funktionen und Anbindungen wünschen“

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, fordert Verbesserungen. „Natürlich muss die Corona-Warn-App stetig weiterentwickelt werden, so wie kürzlich geschehen mit der Erweiterung der Kompatibilität mit anderen EU-Staaten. Allein aus medizinischer Sicht würde ich mir persönlich zentralere Funktionen und Anbindungen wünschen, hier spielt aber der Datenschutz eine übergeordnete Rolle“, sagte Dittmar dem FOCUS. Zugleich rief die SPD-Politikerin die Bevölkerung dazu auf, die Corona-Warn-App zu nutzen und positive Testergebnisse zu teilen. Nur so könne die App wirksam sein und andere Menschen schützen.

Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach plädiert für eine Aufrüstung der App mit Zusatzfunktionen wie einem digitalen Kontakttagebuch. Zudem schlägt er vor, die Zahl der registrierten Kontakte zwischen App-Nutzern zu messen. „Damit könnten wir größere Cluster-Infektionsherde schneller erkennen und bekämpfen“, erklärte Lauterbach dem FOCUS.

Bundesregierung und Entwickler bereiten Änderungen vor

Für eine Generalüberholung der App sieht Stephan Pilsinger, CSU-Bundestagsabgeordneter und Arzt, hingegen keinen Grund. „Die Corona-Warn-App leistet einen sehr wichtigen Beitrag zur Unterbrechung der Infektionsketten und damit zur Eindämmung der anhaltenden Pandemie“, sagte Pilsinger dem FOCUS. Alleine mit mehr als 2,4 Milllionen übermittelten Testergebnissen sei die App in den vergangenen Monaten zu einer unverzichtbaren Unterstützung für die Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern geworden. Pilsinger betonte, dass die deutsche App m internationalen Vergleich ein Erfolgsmodell sei.

Die Bundesregierung bereitet in Kooperation mit den Entwicklern SAP und Deutsche Telekom unterdessen bereits technische Änderungen vor. Die Corona-Warn-App solle “kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert“ werden, sagte eine Sprecherin des Bundesministeriums für Gesundheit dem FOCUS. Zusätzliche Funktionen dürften dabei aber nicht im Widerspruch zum Grundsatz der Freiwilligkeit stehen. Derzeit seien Updates für die App geplant, um ihre Messqualität zu erhöhen und den Warnprozess zu verbessern, heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

CSU-Chef Söder: Warn-App ist „zahnloser Tiger“

Die deutsche Corona-Warn-App ist seit Mitte Juni verfügbar und wurde seitdem mehr als 21 Millionen Mal heruntergeladen. Die App gilt als wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung, weil sie Nutzer frühzeitig auf Kontakte mit Corona-Infizierten hinweisen soll. Zuletzt wurde jedoch Kritik laut. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die App jüngst als „zahnlosen Tiger“. Nach Regierungsangaben haben bislang etwa 38 000 Nutzer ein positives Testergebnis über die App geteilt. Das entspricht nur einem Bruchteil aller gemeldeten Infektionen. Wie viele Menschen insgesamt über Risikokontakte informiert wurden, ist nicht bekannt, weil die Daten dezentral gespeichert werden.



Quelle

Weiterlesen
Klicken Sie hier, um einen Kommentar abzugeben

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Unterhaltung

US-Präsidentschaftswahl: Wann sich das Rennen entscheidet – alle Informationen

Veröffentlicht

auf

Durch


In fast allen US-Bundesstaaten werden aktuell noch Stimmen ausgezählt. Das liegt zum Großteil an der Briefwahl, denn auch Stimmen, die nach dem 3. November eingegangen sind, werden in vielen Staaten noch gezählt. Sie müssen lediglich den Poststempel des Wahltages tragen.

Wann geben die letzten Staaten ihre Ergebnisse bekannt?

Im „Battleground State“ Pennsylvania gilt die Frist bis zum 6. November, in Nevada und Minnesota bis zum 10. und in North Carolina sogar bis zum 12. November. Auch, wenn es in den meisten Bundesstaaten bereits klare Ergebnisse gibt, werden diese erst in den Wochen nach der Wahl zertifiziert. New York und Kalifornien bestätigen ihre Resultate beispielsweise erst Anfang Dezember.

Aktuell steht die Entscheidung für Trump oder Biden noch in 6 Regionen aus:

  • Alaska
  • Arizona
  • Georgia
  • Nevada
  • North Carolina
  • Pennsylvania

US-Wahl: Der weitere Zeitplan – wann fällt die Entscheidung?

Arizona

Aus Arizona werden am Freitagmorgen noch neue Zahlen erwartet. Hier liegt Joe Biden momentan knapp vor Donald Trump. 47.000 Stimmen Vorsprung bringt er aus der Nacht mit. Wie die „Washington Post“ berichtet, müssen hier noch mehr als 300.000 Wahlzettel ausgewertet werden. Vor allem aus Maricopa County (mit der Großstadt Phoenix) müssen noch viele Stimmen ausgezählt werden.

Pennsylvania

In Pennsylvania sind es noch 281.00 Stimmen, die ausgezählt werden müssen. Bisher rechneten Experten damit, dass auch in der US-Nacht (also am Morgen deutscher Zeit) weiter Ergebnis hereintrudeln. Einen klaren Termin, wann ein Zwischenergebnis bzw. das finale Ergebnisse verkündet werden, gibt es bisher jedoch nicht. Jedoch könnte im Laufe des Freitags der Sieger im besonders umkämpften Bundesstaat bekannt gegeben werden.

Wahlleiterin Kathy Boockvar sagte im Sender CNN, das sei „definitiv“ möglich. Mit einem Sieg in Pennsylvania (20 Wahlleute), würde Biden auch die US-Wahl gewinnen. Derzeit führt Trump in dem Staat (49,5 zu 49,2 Prozent). Biden liegt nach 95 Prozent der ausgezählten Stimmen nur noch 22.500 Stimmen zurück.

Georgia

In Georgia liegen die beiden Kontrahenten quasi gleichauf. Trump hat noch 1700 Stimmen Vorsprung. Die Zahl der noch nicht ausgezählten Stimmen liegt allerdings auch nur noch bei rund 14.000. Hier kommen aktuell immer wieder kleine Chargen von ausgezählten Stimmen rein.

Wichtig hier: Sollte ein Kandidat am Ende einen kleinen Vorsprung haben, so ist das Endergebnis weiter ungewiss. Denn es werden auch in den kommenden Tagen immer noch Briefwahlstimmen angenommen – zum Beispiel von Militärmitgliedern aus Übersee.

Nevada

Nevada meldete am Donnerstag für kurze Zeit Zahlen, doch im Laufe der Nacht kamen keine weiteren Ergebnisse. Damit ist erst am Freitagmorgen US-Westküsten-Zeit zu rechnen, also am Nachmittag in Deutschland. Aktuell hat Biden einen Vorsprung von rund 11.400 Stimmen auf Trump. 89 Prozent aller Stimmen sind ausgezählt worden.

Alaska und North Carolina

Bleiben noch Alaska und North Carolina: In ersterem Bundesstaat sind gerade erst etwas mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt worden. Trotzdem gilt es als sicher, dass der Bundesstaat Donald Trump zugesprochen wird.

Auch in North Carolina führt der amtierende Präsident nach der Auszählung von rund 95 Prozent der Stimmen knapp. Da in dem Bundesstaat aber noch bis zu neun Tage nach der Wahl Stimmzettel empfangen werden können und der Abstand zwischen Biden und Trump klein ist, könnte es noch länger dauern, bis eine klare Tendenz verkündet wird.

Was passiert nach der Präsidentschaftswahl?

Am 3. November war Wahltag in den USA, aber bis der Präsident offiziell im Amt ist, vergehen Monate.

Der Fahrplan nach der Wahl gliedert sich in drei Phasen:

  • 41 Tage später, also am 14. Dezember, stimmen die Wahlmänner und -frauen ab
  • Am 6. Januar werden ihre Stimmen ausgezählt und das Ergebnis verkündet
  • Am 20. Januar kommt der gewählte Präsident ins Amt. Der Präsident leistet dann um 12 Uhr seinen Amtseid und hält eine Antrittsrede.
 

Kann Trump bei einer Niederlage vor den Supreme Court ziehen?

Eigentlich wird der neue US-Präsident am 20. Januar vereidigt. Doch US-Präsident Donald Trump reichte bereits in diversen Bundesstaaten Klagen ein und drohte damit, sich den Wahlsieg vor dem Supreme Court zu erstreiten.

Die aktuellen Verfahren in Michigan, Pennsylvania, Wisconsin und Georgia finden zwar zunächst auf Ebene der Bundesstaaten und nicht vor dem Obersten Gerichtshof der USA statt. Dass es zum Rechtsstreit zwischen Biden und Trump vor dem Supreme Court kommt, ist dennoch nicht völlig auszuschließen. Denn eine ähnliche Situation gab es in der Vergangenheit bereits.

2000, als sich die US-Amerikaner zwischen George W. Bush und seinem Kontrahenten Al Gore entscheiden mussten, kam es zu einem denkbar knappen Sieg Bushs. Gore zweifelte das Wahlergebnis im US-Bundesstaat Florida an, ein bitterer Rechtsstreit folgte. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA mischte sich der Supreme Court ein, letztlich entschieden die Richter zu Bushs Gunsten. Noch heute gilt das Urteil vom 12. Dezember 2000 als höchst umstritten. Trotz des Rechtsstreits wurde Bush am 20. Januar vereidigt – seit 1933 wird jeder neue US-Präsident an diesem Tag inauguriert.

Ob Trump tatsächlich vor dem Supreme Court klagen wird, ist aktuell völlig offen. Fest steht aber: So einfach wie er es darstellt, ist es nicht.

Alle rechtlichen Fragen müssten erst die Gerichtsbarkeit der Bundesstaaten durchlaufen, schilderte Bruce Ackerman, Verfassungsexperte und Professor an der Yale Law School, der „Deutschen Welle“. Das Portal zitiert ihn mit den Worten: „Nicht nur in einem Staat, sondern in sechs bis acht Bundesstaaten wird es hart umkämpfte Wahlen geben. Es wäre für den Obersten Gerichtshof ziemlich unmöglich, in sechs bis acht Staaten einzugreifen.“

Und auch Samuel Moyn, der als Professor für Jura und Geschichte an der Eliteuniversität Yale arbeitet, sagte dem „Spiegel“: „Nach jetzigem Stand sind die Aussichten schlecht, dass es einer der beiden Kandidaten schafft, die Wahl vor den Supreme Court zu bringen.“

Die US-Wahl 2020 auf FOCUS Online

News, Hintergründe und Grafiken auf einer Seite.



Quelle

Weiterlesen

Unterhaltung

Neue Kriterien für Corona-Tests sollen Labore entlasten

Veröffentlicht

auf

Durch


Besonderes Augenmerk liegt jetzt auf den Symptomen und deren Schwere: Mit den geänderten Empfehlungen für den Einsatz von Corona-Tests hoffen die bundesweit am Limit arbeitenden medizinischen Labore auf Entlastung. Man sei überzeugt, dass die aufgebauten Kapazitäten mit dem nun gewählten Fokus auf medizinisch begründete Tests ausreichen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Verbands der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), Jan Kramer, der Deutschen Presse-Agentur. Voraussetzung sei, dass die neuen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) an Ärzte eingehalten werden.

„Was wir nicht schaffen können in den medizinischen Laboren, ist, wenn jegliche Erkältungssymptomatik abgeklärt wird“, sagte der Internist und Laborarzt. Kramer schilderte, dass Tests gemäß RKI-Empfehlung etwa angezeigt seien bei schweren Symptomen der Atemwege – also bei akuter Bronchitis, Lungenentzündung, Atemnot und Fieber – sowie bei Störungen von Geruchs- und Geschmackssinn, bei Symptomen nach direktem Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall oder bei akuter Verschlechterung des Krankheitsbildes. Mit einem Test abgeklärt werden sollten demnach auch akute Atemwegsprobleme bei Risikogruppen und bei Menschen, die in medizinischen Einrichtungen und in der Pflege arbeiten.

Bei weiterer Überlastung droht Personal- und Geräteausfall

Auch die Wahrscheinlichkeit, dem Virus ausgesetzt gewesen zu sein, spielt laut RKI eine Rolle. Im Sommer waren auch Reiserückkehrer auf Sars-CoV-2 getestet worden – viele Laborexperten werteten dies als anlasslos. RKI-Vizechef Lars Schaade sagte kürzlich, dass Menschen, die nun trotz Symptomen nicht getestet werden könnten, weitere Ansteckungen verhindern sollten: „Sie sollten sich bitte fünf Tage isolieren und ihre Isolation danach erst beenden, wenn sie weitere 48 Stunden ohne Symptome waren.“ Im Fall einer Verschlechterung der Krankheitsanzeichen solle man sich testen lassen. Wie bisher sollen Menschen ohne Symptome laut Nationaler Teststrategie getestet werden, wenn sie zum Beispiel engen Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten.

Der Verband ALM hatte in dieser Woche auf Basis von Daten aus 162 Laboren berichtet, die Testkapazität sei bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgereizt. Bei Fortsetzung einer solchen Überflutung mit Proben oder einem möglichen Geräte- oder Personalausfall drohe ein Zusammenbruch der Versorgung. Kramer sagte, eine Zielgröße für eine tragbare Auslastung wäre bei 65 bis 85 Prozent: „Wenn man darüber kommt, dann laufen die Lager für Reagenzien und Verbrauchsmaterialien, die wir für diese Teste benötigen, leer.“ Die wegen der Pandemie international gefragten Materialien würden rationiert an Labore abgegeben.

Wie Kramer schilderte, bemühen sich die medizinischen Labore um Laufzeiten von 24 bis 48 Stunden bei medizinischen Proben. Gerade bei anlasslosen Testungen könne es aber passieren, dass Menschen drei oder vier Tage auf ihr Testergebnis warten müssen.

Derweil hat der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann vorgeschlagen, Corona-Tests auch in tierärztlichen Laboren auszuwerten. „Wir sollten auch Veterinärlabore für die Tests nutzen“, sagte er der Rhein-Neckar-Zeitung. Der Infektiologe warf der Bundesregierung vor, zu spät auf die Krise reagiert zu haben. „Man hätte schon im Frühsommer die Systeme widerstandsfähig machen müssen.“ Es werde nur von Woche zu Woche geplant. „Es fehlt die Langzeitstrategie“, sagte Ullmann. Dass es jetzt zu Engpässen komme, sei nicht überraschend.



Quelle

Weiterlesen

Unterhaltung

Kylie Minogue mit „Disco“ auf dem Weg in die Musikgeschichte

Veröffentlicht

auf

Durch



Berlin (dpa) – Kylie Minogue könnte sich mit ihrer neuen Platte in die Annalen des Pop einschreiben. Sollte sich „Disco“ nach der Veröffentlichung an die Spitze der britischen Charts setzen, hätte der Megastar in seiner Wahlheimat in fünf aufeinanderfolgenden Jahrzehnten jeweils ein Nummer-eins-Album veröffentlicht. Das ist bisher noch keiner Solo-Künstlerin im Mutterland des Pop geglückt.

+++ Aktuelle Promi-News +++

„Ich bin froh, dass mir das nicht bewusst war, als ich das Album gemacht habe“, sagt die 52-Jährige im Zoom-Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, „denn dann hätte ich mich unter Druck gesetzt gefühlt. Ich versuche auch jetzt nicht, darüber nachzudenken. Aber klar, wenn ich das schaffen könnte, wäre das unglaublich.“

Was auf ihrer mittlerweile 15. Platte draufsteht, das ist eben einfach auch drin. Mit „Disco“ schlägt Australiens Pop-Export Nummer eins einen Bogen über den Dancefloor-Sound ihrer eigenen Karriere – und weit darüber hinaus.

Besonders raffiniert ist ihre Single „Say Something“. Kylies melodisch-klarer Gesang bietet einen feinen Kontrapunkt zu knirschenden Gitarrenlicks, anstachelndem Funk-Beat und massigen Chor-Kaskaden. Dieser wohl beste Song auf der Platte ist ein wirklich modern treibender Disco-Hit, der schwer wieder aus den Gehörgängen verschwindet.

Die Single „I Love It“ hängt sich unverwechselbar an den Bee-Gees-Sound der 1970er an, mit „Dance Floor Darling“ schwelgt Kylie in der Ära des Nachtclubs „Studio 54“. Die legendäre New Yorker Diskothek habe sie zu dem Album inspiriert, auch wenn sie den berühmten Tanztempel, der 1986 geschlossen wurde, selbst nie betreten hat. „Die Bilder und die Disco-Songs aus dieser Zeit sind so stark“, schwärmt die Sängerin. Die Single „Magic“ erinnert im Arrangement an Giorgio Moroders „Sound of Munich“.

„Das kommt alles aus meinem Inneren, es sind Songs, die ich schon so lange kenne, Lieder die wir alle lieben und auf jeder Party spielen“, sagt Kylie. Sie nennt Disco-Ikonen wie Chic, Gloria Gaynor, die Bee Gees und Abba. Bewusst habe sie sich aber an niemandem orientiert. „Man kann es ja nicht besser machen. Deshalb wäre es schwierig, sich diese tollen Songs zum Vorbild zu nehmen. Dann macht man bloß eine schlechtere Version von einem großartigen Lied.“

Nur gelegentlich griff die Sängerin auf alte Videos von Earth, Wind & Fire („Boogie Wonderland“) oder Ottawan („D.I.S.C.O.“) zurück. „Wenn wir beim Songwriting oder bei der Produktion zu sehr in Richtung Electronica oder eines urbaneren Sounds abgedriftet sind, dann hab ich gesagt: ‚Guckt euch das an, das ist die Stimmung'“, erzählt sie und lacht. „Es geht nicht um Schlaghosen und Plateauschuhe. Es geht einfach darum das Gefühl zu haben, durch die Dunkelheit zu tanzen, mit all den Farben und Bewegungen.“

Klar gibt es auch Schattenseiten: Das überflüssige Auto-Tune in „Supernova“ soll wohl an das eigene Werk der Jahrtausendwende erinnern, steht aber hinter damaligen Knallern wie „Your Disco Needs You“ zurück. Dahingestellt bleibt auch, warum Kylie einen zurecht vergessenen Teenie-Kaugummi-Pop in „Monday Blues“ aufwärmt.

Auf „Disco“ wiederholt sich, was sich leider schon auf den Vorgänger-Studioalben „Golden“ (2018) und „Kiss Me Once (2014) zeigte: Einen überragenden Superhit für mehr als einen Sommer oder Winter hat Kylie derzeit nicht in petto. Kein All-Time-Favourite wie „Spinning Around“, „All The Lovers“ oder „Slow“. Ganz zu schweigen von einem zweiten „Can’t Get You Out Of My Head“, mit dem sie schon vor zwei Jahrzehnten auf der Disco-Welle ritt.

Kylie hat auf „Disco“ an allen Songs mitgearbeitet. Auch ein Superstar muss sich in Corona-Zeiten umstellen. Für ihre neue Platte hat sie daheim in London ein eigenes Tonstudio eingerichtet, die Arbeit mit den Produzenten musste dieses Mal über die Distanz funktionieren. „Es hat uns allen gefehlt, gemeinsam im Studio zu sein“, räumt die Sängerin ein. „Keiner von uns hatte vorher von zuhause gearbeitet. Aber es hat nicht geschadet.“

Zwar kommt die Platte teils etwas schnulzig daher, sie ist aber dennoch auch mitreißend und träumerisch. Minogues durchgängig glitzerndes Plädoyer für Liebe und Zusammengehörigkeit mag überinszeniert sein. Aber vielleicht ist es gerade das, was dieser triste November braucht. Clubs geschlossen, Tanzflächen leer gefegt – wie lange, weiß keiner. „Disco“ bietet in der Hinsicht zwei Dinge: ein Versprechen und eine Sehnsucht.

Nach Angaben ihrer Plattenfirma hat Kylie bisher weltweit mehr als 80 Millionen Alben verkauft. Als die Grammy-Gewinnerin vergangenes Jahr als Headliner beim berühmten Glastonbury-Festival in England auftrat, bekam sie den sogenannten Legenden-Platz. „Ich weiß nicht so richtig, was ich davon halten soll“, sagte sie damals fast etwas überrascht. „Ich nehm das einfach mit. Aber es ist natürlich etwas komisch, wenn man sich selbst so bezeichnet.“



Quelle

Weiterlesen

Trending

We use cookies in order to give you the best possible experience on our website. By continuing to use this site, you agree to our use of cookies.
Accept