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Nina Queer und das Ende der Unschuld: Warum Humor ab sofort verboten ist

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Humor und Witze sind so alt wie die Geschichte der Menschen selbst. Es gibt sie als humoristische Höhlenmalereien bereits in der Steinzeit, im Mittelalter war ein Hofnarr das Must-have in jeder Saison. Bei den alten Griechen und Römern waren die Komödien in den Theatern am beliebtesten, und in asiatischen und arabischen Ländern erfreute man sich am Lebensgefühl der Travestie, die als besonders schwarzhumorig und zotig, aber auch als tiefgründig und erotisch galt.

Ach … irgendwie bin ich in der falschen Zeit geboren! Das wäre ja genau meins gewesen: erst verdorbene Witze erzählen und hinterher auf dem Chaiselongue dafür geknallt werden – ob zur Strafe oder als Belohnung.

Heute gefährdet das Internet die Freiheit und der Druck und die Intoleranz seiner User unseren Humor. Dragqueens sollen nur noch gut aussehen (Stichwort Influencer) und dabei doch bitte die ganze Zeit die Klappe halten. Nichts Soziales kritisieren und sich um Himmels willen nicht erlauben, einen Gag über irgendwas oder irgendwen zu machen.


Nina Queer protestiert gegen den Maulkorb, den ihr die Gesellschaft auferlegen willFoto: privat

Lip-Sync-Kunst ohne Schranken

Plötzlich wird einer Tradition, die Jahrtausende überlebt hat, verboten, lustig zu sein. Dabei ist das im Endeffekt das Einzige, was uns noch geblieben ist. Denn Facebook, Instagram, Youtube und Co. haben uns längst in die Schranken gewiesen und bestimmen, was moralisch okay ist und was nicht – wie wir zu leben haben! Man hat uns auch unserer Songs beklaut und die Kunstform der Travestie und des Vollplaybacks kriminalisiert, in dem man eine Straftat begeht, wenn man ein Video postet, in dem man einen Song aufführt, der nicht einem selbst gehört.

Damit wurde zukünftigen Generationen von queeren Künstlern jede Lebensgrundlage entzogen und der Anreiz, diese alte Kunstform weiter zu verfolgen, gestoppt. HORROR!


Nina Queer spricht offen über die Kriminalisierung des Vollplayback in sozialen Medien
Nina Queer spricht offen über die Kriminalisierung des Vollplayback in sozialen MedienFoto: privat

Travestie darf nicht mehr lustig sein

Achtung! Besonders krass geht auch die Gay-Community selbst mit Humor um! Während bei den Heteros die Comedians und Komiker aus der Erde schießen wie Pilze, soll es bei den Schwulen plötzlich humorlos bleiben. Transen sollen jetzt SCHÖN, aber NICHT mehr LUSTIG sein. SCHADE!

Waren die Homosexuellen und Dragqueens doch einmal der Urquell von Humor, Spaß, Lebensfreude und allem Tiefschwarzen. Doch weil wir es nicht gepflegt haben, wurde es uns weggenommen – wie damals die House-Musik.

Im Zweifelsfall ein Hasskommentar

Aber fangen wir doch mal bei uns selbst an: Wie hinterfotzig sind wir wirklich? Fordern Toleranz und scheißen im selben Augenblick das Internet mit Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen aller Art zu. Es fällt den meisten Menschen, besetzt von Vorurteilen und überzeugt davon, dass NUR ihre EIGENE MEINUNG die Wahre ist, schwer, Humor von Beleidigung zu unterscheiden. Wer keinen Humor hat oder zu dumm ist, ihn als solchen zu erkennen oder zu verstehen, setzt im Zweifelsfall lieber einen Hasskommentar ab.

Vor 15 Jahren, als ich Facebook beitrat, da konnte ich Sachen posten, die heute alle verboten sind. Und nicht nur das! Jeder hat meine Gags und Späße sofort als das verstanden, was sie waren – stellt euch das mal vor! Es gab mal eine Zeit, in der konnte man zu Playbacks singen und Witze erzählen, ohne das man als Nazi beschimpft wurde oder als Krimineller da stand. Verrückt, oder?


Promi-Dragqueen Nina Queer hat das Gefühl, nicht mehr sagen zu dürfen was sie denkt
Promi-Dragqueen Nina Queer hat das Gefühl, nicht mehr sagen zu dürfen, was sie denktFoto: Nina Queer

Humor ist ein schmaler Grad

Da kann man sich schon fragen, ob die Zeiten in denen wir leben, nun besser oder schlechter geworden sind? Die Leute sind dümmer. Das steht fest und ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. Fakt ist, dass jeder Einzelne von uns dazu aufgerufen ist, wieder mehr Spaß, Humor, Versautheit und politische Unkorrektheit in die Öffentlichkeit zu tragen.
BITTE NICHT MIT BESCHIMPFUNGEN VERWECHSELN!

Humor ist ein schmaler Grat. Seid böse, lustig und laut. Tut anderen weh, aber so, dass man darüber lachen kann. Lasst euch von der Öffentlichkeit und den Trollen im Netz nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Öffentlichkeit und Schwarmgemeinschaft herunterbrechen. Seid stark, mutig und individuell. Zeigt, dass ihr eine Meinung habt und dazu steht – auch wenn ihr niemand folgt. Rückgrat zu haben ist die härteste Währung unserer Zeit. Wenn der Humor stirbt, stirbt die Freiheit und somit der Geist des Menschen.
Euch allen eine besinnliche und vor allem lustige Weihnachtszeit!

Eure Nina Queer

* Der Text stellt die Sicht der Autorin dar, die nicht grundsätzlich der Meinung der Redaktion entsprechen muss.

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Das rote Miserere | ZEIT ONLINE

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Die Not mag kein Ende nehmen. Zu Wochenbeginn erreichte die Krise der Sozialdemokratie einen neuen Tiefpunkt. Angesichts des horrenden Schuldenberges (14,9 Millionen Euro) berieten die obersten Parteigremien, Präsidium und Vorstand, über ein Sparpaket, das helfen soll, das tiefrote Minus abzustottern. Die seit Monaten schwelende Führungskrise wurde bei dieser Gelegenheit gleich entsorgt. Zumindest der Versuch wurde unternommen.

Je stärker die Genossen ihre Einigkeit beschworen, desto offensichtlicher wurde, dass die Operation Sturz der Chefin keinesfalls abgesagt worden ist. Wie lange diese neuerliche Galgenfrist für das Führungsduo an der Parteispitze währt, ist allerdings höchst ungewiss.

Erst vor zwei Wochen war eine Palastrevolte kläglich gescheitert. Eingefädelt hatte sie wohl der niederösterreichische Landeschef Franz Schnabl, der sich gemeinsam mit den benachbarten Genossen in Oberösterreich bemühte, eine Länderfront gegen die Wiener Zentrale zu errichten (wie das seinerzeit Christian Kern beim Sturz seines Vorgängers Werner Faymann geglückt war). Allerdings war die Intrige derart plump und durchsichtig gesponnen, dass die Aktion scheitern musste. Vor allem wussten die Rebellen nicht, wen sie hätten als Alternative präsentieren können. Gerüchteweise raunte der Name Peter Kaiser durch die Reihen, doch der rote Landeshauptmann von Kärnten winkte postwendend ab. So stürzte, was am Donnerstag als Gewissheit die Runde machte, am Freitag Vormittag bereits wieder in sich zusammen.

Bei den Sitzungen zu Wochenbeginn ging nun die Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner mit ihren Kritikern hart ins Gericht, zeigte allerdings keinerlei Einsicht dafür, dass es ihre eigene mangelnde Führungsleistung war, welche die kritischen Geister auf den Plan rief.

Der Begriff Selbstkritik scheint der Parteichefin gänzlich fremd. „Die öffentliche Selbstbeschäftigung hat zu einer öffentlichen Selbstbeschädigung geführt“, beharrte sie trotzig darauf, keinen Anteil an der roten Misere zu haben. Gewiss, sie hatte von dem für eine Oppositionsrolle vollkommen ungeeigneten Christian Kern eine lädierte Partei übernommen, doch unter ihrer Führung schlingerte die Sozialdemokratie, außer Kontrolle geraten, durch schwere See. Drei Wahlen gingen unter dem Vorsitz von Rendi-Wagner hintereinander verloren, jeweils reichte es für die Partei nur zu dem jeweils schlechtesten Ergebnis in ihrer Geschichte. Gleichviel behauptete die Vorsitzende nach einer dieser Pleiten: „Die Richtung stimmt.“ Das Problem bei dieser Feststellung ist weniger, dass sie grundfalsch ist. Sondern: Die Partei, und noch weniger ihre Führung, steuert einen erkennbaren Kurs, vielmehr eiert sie herum.

Rendi-Wagner scheint einen hohen Verschleiß an Beratern zu haben, denen sie ihr Vertrauen schenkt und die sie zu beeinflussen vermögen. Zunächst setzte sie den Parteimanager Max Lercher, einen erdigen Steirer, den sie von Vorgänger Kern geerbt hatte, vor die Tür und löste ihn durch den ehemaligen Kulturminister Thomas Drozda ab. Bald stieg jedoch der externe Berater Nedeljko Bilalic, ein roter Karrierist der Slim-Fit-Generation, in ihrer Gunst und begann Drozda, einen Mann mit kostspieligen Vorlieben, vom Ohr der Vorsitzenden zu verdrängen. Nach der krachenden Niederlage vom 29. September musste Drozda seinen Platz räumen. An seine Stelle trat Christian Deutsch, ein Apparatschik der ganz alten Schule, der zuvor als Kampagnenchef den Wahlkampf ganz und gar vergurkt hatte. Derzeit gibt sich das powerless couple unzertrennlich. Tatsächlich verdankt der neue Parteimanager seine Position Doris Bures, der grauen Eminenz aus dem roten Liesinger Clan von Ex-Kanzler Faymann, die einen Aufpasser in der Zentrale wissen will. Die Zweite Nationalratspräsidentin ist auch die wichtigste Unterstützerin, die regelmäßig ihre Wiener Hausmacht ins Treffen führt, wenn die Chefin wieder mal ins Schwanken geraten ist. Gegenwärtig liefern die Sozialdemokraten ein beängstigendes Sittenbild rivalisierender Machtklüngel und politischer Zerrissenheit.

Kein Wunder, dass angesichts dieser Zerwürfnisse die Ergebnisse der Meinungsumfragen weiter nach unten rasseln. In manchem demoskopischen Befund rangiert die rote Wählerschaft in den Rohdaten (also bei der sogenannten Sonntagsfrage eins) gar nur mehr einstellig.

Die wachsende Schwäche macht die Landesparteien im Burgenland und vor allem in Wien, wo im nächsten Jahren bei den Wahlen rote Führungsrollen verteidigt werden sollen, zunehmend nervös. Während der Kurs von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, das Burgenland mit linker Sozial- und rechter Sicherheitspolitik zu regieren, gute Chancen auf Erfolg hat, ist die Situation in der Bundeshauptstadt prekärer. Vom Niedergang der Freiheitlichen profitiert vor allem die Volkspartei (die beiden Parteien sind zu kommunizierenden Gefäßen verschmolzen), während in den Bobo-Zonen der Städte die Grünen den Sozialdemokraten immer stärker den Rang streitig machen. Es kursieren Umfragen, in denen ein roter Albtraum in greifbare Nähe gerückt ist: Ein Zweckbündnis aus Grünen, Volkspartei und Neos zwingt zum ersten Mal bei freien Wahlen die Genossen, ihre Bastion im Rathaus zu räumen.

Im roten Schicksalsjahr 2020 steht damit nicht nur die weitere Existenz der Sozialdemokratie auf dem Spiel, sondern die Nachkriegs-Verfasstheit der Republik insgesamt. Dem politischen Schicksal von Pamela Rendi-Wagner gilt dabei wohl noch die allergeringste Sorge.



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