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Südkaukasus: Brüchige Waffenruhe in Bergkarabach

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Armenien und Aserbaidschan werfen sich im Konflikt um Bergkarabach gegenseitig einen Bruch der gestern vereinbarten Waffenruhe vor. In der Südkaukasus-Region soll es wieder zu Kämpfen gekommen sein.

Im Konflikt um die Region Bergkarabach haben sich Armenien und Aserbaidschan gegenseitig beschuldigt, die erst am Vorabend vereinbarte Waffenruhe gebrochen zu haben.

Die Feuerpause sollte um Mitternacht – 22.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit – in Kraft treten. Armenien und Aserbaidschan hatten sich bereits vor einer Woche unter Vermittlung Russlands auf eine Waffenruhe verständigt. Diese Vereinbarung war jedoch schon kurz nach Inkrafttreten gebrochen worden. Dafür gaben sich beide Länder gegenseitig die Schuld.

Schuldzuweisungen und Berichte über Beschuss

Beide Seiten warfen einander Verstöße gegen die Waffenruhe vor und berichteten über Kämpfe. Aserbaidschan beschuldigte am Samstag Armenien, bei dem Beschuss der Stadt Ganja 13 Zivilisten getötet zu haben, mehr als 50 weitere Menschen seien verletzt worden.

Armenien wiederum berichtete von Raketenangriffen der aserbaidschanischen Seite, darunter auf die Hauptstadt von Bergkarabach, Stepanakert. Dabei seien mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Die Angaben aus der Konfliktregion lassen sich unabhängig nicht überprüfen.

Appelle aus Moskau, Brüssel und Berlin

Russlands Außenminister Sergej Lawrow appellierte eindringlich an beide Seiten, sich an die vereinbarte Feuerpause zu halten. Er telefonierte dazu nach Angaben seines Ministeriums in Moskau erneut mit seinen Kollegen aus Aserbaidschan und Armenien, Jeyhun Bayramov und Sohrab Mnazakanjan. Dabei habe Lawrow daran erinnert, dass die Waffenruhe auch humanitären Gründen diene. Außerdem hätten beide Seiten ihre Bereitschaft zu „substanziellen Verhandlungen“ mit dem Ziel einer schnellstmöglichen Friedensregelung erklärt, hieß es.

Auch die EU forderte beide Seiten erneut zur Einhaltung der Waffenruhe auf. „Alle Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen müssen ein Ende haben“, sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Die Europäische Union bedauere den Beschuss der aserbaidschanischen Stadt Ganja.

Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte, beide Länder müssten „unverzüglich auf den Pfad für eine friedliche und dauerhafte Konfliktlösung zurückkehren“. Außerdem müssten die von dem Konflikt betroffenen Menschen nun Hilfe erhalten.

Drohende Ausweitung des Konflikts

In der Region Bergkarabach im Südkaukasus leben überwiegend christliche Armenier, die dortige Führung wird von der armenischen Regierung in Eriwan unterstützt. Völkerrechtlich gehört das Gebiet zum mehrheitlich islamischen Aserbaidschan, von dem es sich jedoch 1991 losgesagt hatte.

Da Armenien mit Russland verbündet ist und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wird, droht eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus mit weitreichenden Folgen auch für die Wirtschaft. Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines.

Die gegenwärtigen Kämpfe begannen am 27. September und sind die schwersten seit dem Krieg 1991 bis 1994, in dem rund 30.000 Menschen getötet wurden.






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Nach Berchtesgadener Land: Angst vor einem weiteren Lockdown

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Nach dem Lockdown im Berchtesgadener Land wachsen die Befürchtungen, anderswo ähnliche Maßnahmen verhängen zu müssen. Der Städte- und Gemeindebund schließt das auch für große Städte nicht aus. Eine Warnung kommt aus Berlin.

Seit gestern gelten die strengen Ausgangsbeschränkungen im Landkreis Berchtesgadener Land – und angesichts der Neuinfektionszahlen in Deutschland wachsen die Befürchtungen, dass andernorts ähnliche Maßnahmen nötig werden könnten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte im ZDF, dass das vom Infektionsgeschehen und dessen Eingrenzbarkeit abhänge. „Das kann dann tatsächlich eben auch in anderen Bereichen lokal, regional zu entsprechenden Maßnahmen kommen“, so der CDU-Politiker. „Das ist ja genau der Ansatz, den wir haben, nicht bundesweit einheitlich, sondern immer lageangepasst die Maßnahmen zu ergreifen. Und ich bin überzeugt, dann haben sie auch eine bessere Akzeptanz.“

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier schloss das nicht aus. „Die Lage ist ernst, wir haben ein äußerst dynamisches Geschehen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte: „Dinge wie in Berchtesgaden werden wir jetzt häufiger sehen. Wir können nur reagieren durch lokale Shutdowns, insofern sind die auch angemessen.“

Berliner Gesundheitssenatorin warnt vor Lockdown

Beim Städte- und Gemeindebund wird das auch für große Städte nicht ausgeschlossen. „Wenn die Zahlen so hochgehen wie jetzt im Berchtesgadener Land, dann kann ich mir das – leider – auch in größeren Städten vorstellen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Bild“. Zwar sei der Verwaltungsaufwand zur Durchsetzung in Großstadtbezirken wie etwa Berlin-Neukölln „deutlich höher“, aber zu bewältigen.

Auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci warnte vor einem Lockdown und verteidigte mit Blick darauf die verschärften Maßnahmen in der Hauptstadt. „Das Infektionsgeschehen ist diffus, ist nicht mehr Ausbrüchen eindeutig zuzuordnen – nur noch acht Prozent“, sagte sie im rbb. Daher bleibe nichts anderes übrig, als die allgemeinen Regeln stärker durchzusetzen. Dazu gehöre, die Kontakte zu minimieren, Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und Abstand zu halten. „Ehrlich gesagt, darüber hinaus haben wir nicht so viele Mittel, dann bleibt nur noch ein Lockdown.“ Ihre Strategie sei, einen solchen mit strengen Maßnahmen jetzt zu verhindern.

Söder: „Politisch-mentale“ Probleme bei Corona-Bekämpfung

Der bayerische Kreis Berchtesgaden liegt bei den Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen mit 236 bundesweit mit Abstand an der Spitze. Erstmals seit dem Frühjahr ist das Verlassen der eigenen Wohnung dort seit Dienstag nur noch mit triftigem Grund erlaubt. Schulen und Kitas wurden geschlossen. Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF stellte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hinter Landrat Bernhard Kern. Die Entscheidung vor Ort, das öffentliche Leben weitgehend herunterzufahren, sei notwendig und richtig gewesen, sagte er.

Zugleich wehrte sich Söder gegen den Vorwurf, der Freistaat sei nicht ausreichend auf die zweite Corona-Welle vorbereitet gewesen. Man brauche nun auch keine „Schulddebatte“, sagte er. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam die Pandemie zu bekämpfen, um nicht einen flächendeckenden Lockdown wie in anderen europäischen Ländern verhängen zu müssen. In Deutschland gebe es eigentlich „kein logistisches Problem“ bei der Pandemiebekämpfung, vielmehr sei es ein „politisch-mentales“. Die Pandemie und ihre Auswirkungen würden von vielen zunehmend kleingeredet. Man müsse „die Vernünftigen mitnehmen und den Unvernünftigen eine Leitplanke“ geben, so Söder.

Bayern insgesamt liegt inzwischen ebenfalls über dem bundesweit vereinbarten Warnwert von 50. Söder will heute im Landtag eine Regierungserklärung zu seiner Strategie im Kampf gegen das Virus abgeben. Er fährt einen vorsichtigen und eher reglementierenden Kurs, wird dafür aber zunehmend auch kritisiert. Andererseits weiß er sich mit einer Mehrheit der Bürger einig, die laut bundesweiten Umfragen die Maßnahmen im Großen und Ganzen richtig finden.

Angemessene Warnungen oder Drohkulisse?

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Carsten Linnemann (CDU) wandte sich dagegen, durch „immer größere Drohkulissen“ und immer mehr „Daumenschrauben“ im Kampf gegen die Pandemie „ein ganzes Land für die Verfehlungen einiger weniger in Geiselhaft zu nehmen“, wie er in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte. „Wir hören zu oft die allerschärfsten Mahnungen von der politischen Spitze, aber zu wenig Differenzierung.“ 95 Prozent der Bürger hielten sich an die Regeln. Gehindert werden müssten diejenigen, „die immer noch mit mehreren hundert Familienmitgliedern Hochzeiten feiern“. Allerdings ist die Ausbreitung des Virus vielerorts gerade nicht mehr auf einzelne Ereignisse zurückzuverfolgen – wie etwa in Berlin.

Über die angemessene Tonlage in der Diskussion ist sich selbst die Ärzteschaft nicht einig. Wie der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, warnte auch der Vizechef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, vor Angstmache: „Wir glauben, dass etwas mehr Ruhe und Sachlichkeit und etwas weniger Bedrohlichkeit vielleicht helfen könnten, die nächsten eineinhalb Jahre auch noch zu überstehen“, sagte er der dpa. Dagegen hält die Chefin der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, die Warnung von Kanzlerin Angela Merkel vor einem Kontrollverlust durchaus für berechtigt. „Es ist richtig, ein klares Lagebild zu zeichnen und auf Konsequenzen hinzuweisen, sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“.




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Nach Berchtesgadener Land: Angst vor einem weiteren Lockdown

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Nach dem Lockdown im Berchtesgadener Land wachsen die Befürchtungen, anderswo ähnliche Maßnahmen verhängen zu müssen. Der Städte- und Gemeindebund schließt das auch für große Städte nicht aus. Eine Warnung kommt aus Berlin.

Seit gestern gelten die strengen Ausgangsbeschränkungen im Landkreis Berchtesgadener Land – und angesichts der Neuinfektionszahlen in Deutschland wachsen die Befürchtungen, dass andernorts ähnliche Maßnahmen nötig werden könnten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte im ZDF, dass das vom Infektionsgeschehen und dessen Eingrenzbarkeit abhänge. „Das kann dann tatsächlich eben auch in anderen Bereichen lokal, regional zu entsprechenden Maßnahmen kommen“, so der CDU-Politiker. „Das ist ja genau der Ansatz, den wir haben, nicht bundesweit einheitlich, sondern immer lageangepasst die Maßnahmen zu ergreifen. Und ich bin überzeugt, dann haben sie auch eine bessere Akzeptanz.“

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier schloss das nicht aus. „Die Lage ist ernst, wir haben ein äußerst dynamisches Geschehen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte: „Dinge wie in Berchtesgaden werden wir jetzt häufiger sehen. Wir können nur reagieren durch lokale Shutdowns, insofern sind die auch angemessen.“

Berliner Gesundheitssenatorin warnt vor Lockdown

Beim Städte- und Gemeindebund wird das auch für große Städte nicht ausgeschlossen. „Wenn die Zahlen so hochgehen wie jetzt im Berchtesgadener Land, dann kann ich mir das – leider – auch in größeren Städten vorstellen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Bild“. Zwar sei der Verwaltungsaufwand zur Durchsetzung in Großstadtbezirken wie etwa Berlin-Neukölln „deutlich höher“, aber zu bewältigen.

Auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci warnte vor einem Lockdown und verteidigte mit Blick darauf die verschärften Maßnahmen in der Hauptstadt. „Das Infektionsgeschehen ist diffus, ist nicht mehr Ausbrüchen eindeutig zuzuordnen – nur noch acht Prozent“, sagte sie im rbb. Daher bleibe nichts anderes übrig, als die allgemeinen Regeln stärker durchzusetzen. Dazu gehöre, die Kontakte zu minimieren, Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und Abstand zu halten. „Ehrlich gesagt, darüber hinaus haben wir nicht so viele Mittel, dann bleibt nur noch ein Lockdown.“ Ihre Strategie sei, einen solchen mit strengen Maßnahmen jetzt zu verhindern.

Söder: „Politisch-mentale“ Probleme bei Corona-Bekämpfung

Der bayerische Kreis Berchtesgaden liegt bei den Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen mit 236 bundesweit mit Abstand an der Spitze. Erstmals seit dem Frühjahr ist das Verlassen der eigenen Wohnung dort seit Dienstag nur noch mit triftigem Grund erlaubt. Schulen und Kitas wurden geschlossen. Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF stellte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hinter Landrat Bernhard Kern. Die Entscheidung vor Ort, das öffentliche Leben weitgehend herunterzufahren, sei notwendig und richtig gewesen, sagte er.

Zugleich wehrte sich Söder gegen den Vorwurf, der Freistaat sei nicht ausreichend auf die zweite Corona-Welle vorbereitet gewesen. Man brauche nun auch keine „Schulddebatte“, sagte er. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam die Pandemie zu bekämpfen, um nicht einen flächendeckenden Lockdown wie in anderen europäischen Ländern verhängen zu müssen. In Deutschland gebe es eigentlich „kein logistisches Problem“ bei der Pandemiebekämpfung, vielmehr sei es ein „politisch-mentales“. Die Pandemie und ihre Auswirkungen würden von vielen zunehmend kleingeredet. Man müsse „die Vernünftigen mitnehmen und den Unvernünftigen eine Leitplanke“ geben, so Söder.

Bayern insgesamt liegt inzwischen ebenfalls über dem bundesweit vereinbarten Warnwert von 50. Söder will heute im Landtag eine Regierungserklärung zu seiner Strategie im Kampf gegen das Virus abgeben. Er fährt einen vorsichtigen und eher reglementierenden Kurs, wird dafür aber zunehmend auch kritisiert. Andererseits weiß er sich mit einer Mehrheit der Bürger einig, die laut bundesweiten Umfragen die Maßnahmen im Großen und Ganzen richtig finden.

Angemessene Warnungen oder Drohkulisse?

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Carsten Linnemann (CDU) wandte sich dagegen, durch „immer größere Drohkulissen“ und immer mehr „Daumenschrauben“ im Kampf gegen die Pandemie „ein ganzes Land für die Verfehlungen einiger weniger in Geiselhaft zu nehmen“, wie er in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte. „Wir hören zu oft die allerschärfsten Mahnungen von der politischen Spitze, aber zu wenig Differenzierung.“ 95 Prozent der Bürger hielten sich an die Regeln. Gehindert werden müssten diejenigen, „die immer noch mit mehreren hundert Familienmitgliedern Hochzeiten feiern“. Allerdings ist die Ausbreitung des Virus vielerorts gerade nicht mehr auf einzelne Ereignisse zurückzuverfolgen – wie etwa in Berlin.

Über die angemessene Tonlage in der Diskussion ist sich selbst die Ärzteschaft nicht einig. Wie der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, warnte auch der Vizechef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, vor Angstmache: „Wir glauben, dass etwas mehr Ruhe und Sachlichkeit und etwas weniger Bedrohlichkeit vielleicht helfen könnten, die nächsten eineinhalb Jahre auch noch zu überstehen“, sagte er der dpa. Dagegen hält die Chefin der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, die Warnung von Kanzlerin Angela Merkel vor einem Kontrollverlust durchaus für berechtigt. „Es ist richtig, ein klares Lagebild zu zeichnen und auf Konsequenzen hinzuweisen, sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“.




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Streaming-Markt : Hat Netflix ausgeboomt?

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Nach dem Abo-Boom im ersten Halbjahr hat der Kundenandrang bei Netflix im dritten Quartal stark nachgelassen. Wie kommt’s? Eine Spurensuche bei dem Streaming-König.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Cineastische Glücksgefühle? Fehlanzeige! Groß war die Enttäuschung der Anleger, als Netflix am Dienstagabend nach US-Börsenschluss seine Zahlen zum dritten Quartal präsentierte. Wie gewöhnlich standen dabei besonders die Abo-Zahlen des Streaming-Marktführers im Fokus, geben sie doch Aufschluss über die Wachstumsmöglichkeiten des Konzerns.

In den drei Monaten bis Ende September kamen unterm Strich allerdings lediglich 2,2 Millionen Bezahl-Abos dazu. Damit verfehlte Netflix seine eigene Prognose von 2,5 Millionen Neu-Zugängen. Das Analyseunternehmen FactSet hatte sogar mit rund 3,6 Millionen neuen Streaming-Kunden gerechnet. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal konnte Netflix noch 6,8 Millionen neue zahlende Kunden begrüßen.

Doch nicht nur mit der bei Netflix wohl wichtigsten Unternehmenskennziffer verfehlte das an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Unternehmen die Erwartungen: Auch beim Gewinn je Aktie blieb man mit 1,74 Dollar deutlich hinter den prognostizierten 2,21 Dollar zurück.

Ein Chef, eine Erklärung

Entsprechend enttäuscht reagierten denn auch die Anleger: Die Netflix-Aktie rauschte im nachbörslichen US-Handel um rund fünf Prozent in die Tiefe. Dabei dürfte es sich auch um Gewinnmitnahmen handeln. Seit Jahresbeginn waren Netflix-Papiere fast 70 Prozent in die Höhe geklettert.

Weitere Kursinformationen zu Netflix

Doch ist die Enttäuschung der Anleger gerechtfertigt? Schließlich hielt Netflix-Chef Reed Hastings selbst eine auf den ersten Blick ganz plausible Erklärung für den Einbruch der Abo-Kundenzahl parat. Er wies darauf hin, dass das nachlassende Kundenwachstum eine logische Folge der Rekordzahlen des ersten Halbjahres gewesen sei nach dem Motto: Im dritten Quartal waren einfach weniger übrig, die noch Netflix-Kunden werden konnten.

In den ersten beiden Quartalen des Jahres konnte Netflix 15,8 Millionen beziehungsweise 10,1 Millionen neue Nutzer begrüßen. Damit beläuft sich die Zahl der neuen Abo-Kunden in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 auf 28,1 Millionen – das ist weit mehr als im gesamten Jahr 2019.

Das Momentum ist weg

Tatsächlich rücken diese Zahlen den vermeintlich heftigen Abo-Einbruch bei Netflix in ein etwas anderes Licht. Doch über eines kann auch Hastings nicht hinwegtäuschen: Das starke Momentum ist weg, das krasse Wachstum aus den Anfangszeiten der Corona-Krise hat deutlich nachgelassen.

Das liegt nicht zuletzt auch an der wachsenden Konkurrenz: Amazon Prime Video hat sich für Netflix zu einem überaus lästigen Störenfried entwickelt. Erst vor kurzem kündigte Unterhaltungsriese Disney an, sich künftig auf seinen Streamingdienst Disney+ zu fokussieren. In den USA ist überdies HBO Max mit seinen herausragenden Eigenproduktionen stark auf dem Vormarsch.

Heiß begehrter Streaming-Kuchen

Apple TV+ läuft vielleicht bislang noch unter ferner liefen, doch auch hier werden enorme Anstrengungen unternommen. All diese Konzerne wollen ein Stück von dem immer größer werdenden Kuchen des Streamingmarktes.

2018 belief sich der globale Wert des Streamingmarktes auf 8 Milliarden Dollar – bis 2027 soll er auf knapp 19 Milliarden Dollar steigen, das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 13,2 Prozent.

Ein Vorteil weniger

Netflix mag in den vergangenen Jahren einen Wettbewerbsvorteil gehabt haben, weil es als erstes in den Streaming-Markt vordrang und sich als Pionier große Marktanteile sichern konnte.

Doch angesichts der niedrigen Einstiegshürden in diesen Markt dürfte es für Netflix künftig immer schwerer werden, so rasant zu wachsen wie noch im ersten Halbjahr 2020. Der Vorteil des „First Mover“ verfliegt zusehends.

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Netflix: Vom Video-Verleih zum Weltkonzern

Visionär Reed Hastings
Netflix gibt es schon seit 1997. Damals war es noch üblich, sich Filme in einer Videothek auszuleihen. Reed Hastings, ein Software-Programmierer und Geschäftsmann, kam die Idee einer bequemeren Alternative: Ein Online-Filmverleih, über den man Videokassetten und DVDs ausleiht, ohne in den Laden gehen zu müssen.

Quelle: boerse.ard.de




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