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Mode

Regisseur Marc Munden über die Dreharbeiten zu „Der geheime Garten“

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Guten Morgen Herr Munden, Sie führen dieses Zoom-Gespräch von zu Hause aus?

Oh ja, ich bin zu Hause in Nordlondon.

In Deutschland sind Sie für „Utopia“ bekannt, eine Thriller-Serie mit schwarzem Humor.

Echt? Ich sitze hier direkt neben einem Poster davon. (Er deutet auf die Wand neben seinem Schreibtisch, an der das gelbe Plakat der Serie hängt.)

Was hat Sie dazu bewogen, jetzt ein Kinderbuch auf die Leinwand zu bringen?

Jack Thorne, der Drehbuchautor, ist daran Schuld. Ich habe mit ihm zuletzt für „National Treasure“ zusammengearbeitet, eine Fernsehserie über einen Komiker, dem mehrere Frauen Vergewaltigung vorwerfen – auch ein hartes Thema. Aber es war sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten, das Drehbuch war großartig. Als er mir erzählte, dass er „Der geheime Garten“ adaptiert, war ich Feuer und Flamme.

Haben Sie es als Kind gelesen?

Nein, aber ich hab den Film von Agnieszka Holland aus dem Jahr 1993 gesehen. Der gefiel mir damals sehr gut. Und als ich nun das Drehbuch von Thorne dazu las, war es so komplett anders. Mir gefiel die Idee, dass es um vernachlässigte Kinder geht, um diejenigen, die nicht dazugehören. Es geht um Erlösung, darum, Freundschaften und Liebe in den Beziehungen zueinander zu finden. Und mir gefiel sehr gut, dass er die Kinder mit der gleichen Intelligenz geschrieben hat, wie sie den Erwachsenen Figuren zukommt. Sie müssen sich genauso durch ihre Erlebnisse arbeiten, wie es sonst die Erwachsenen müssen. Und es geht darum, was wir von den Kindern lernen können. All das macht die Geschichte auch heute noch interessant.

Das Buch erschien 1911 zum ersten Mal und erzählt die Geschichte der kleinen Mary, die nach dem Tod ihrer Eltern von Indien zu ihrem Onkel nach England ziehen muss. Sie verlegen den Film ins Jahr 1947, warum?

Das Buch verweist immer wieder auf Trauma und 1947 ist für Indien, wo die Geschichte unserer Protagonistin Mary beginnt, ein wichtiges Jahr. Es ist die Zeit der Abspaltung von Pakistan, es gab einen Exodus, viele Menschen versuchten über die neuen Grenzen zu kommen. Und vor diesem Hintergrund lässt sich die Geschichte noch plausibler erzählen. Es geht ja um traumatische Erlebnisse und deren Bewältigung.

Lassen Sie uns ein wenig über den titelgebenden Garten sprechen. Sie haben hier kaum auf digitale Nachbearbeitung gesetzt, die meisten Aufnahmen sind an Originalschauplätzen entstanden – was man kaum glauben kann.

Oh, es gibt durchaus ein paar CGI-Szenen, also computerbearbeitete Aufnahmen. Wenn die Kinder durch den Garten rennen und die Blätter der Bäume und Pflanzen auf ihre Stimmung reagieren etwa. Doch davon abgesehen, sind die anderen Aufnahmen in echten Gärten entstanden, die im Schnitt zu einem einzigen Schauplatz zusammengeführt werden. Wir haben dafür eine Vielzahl von großen Gärten in den unterschiedlichen Regionen Großbritanniens besucht. Es gibt da zum Beispiel diesen subtropischen Garten in Cornwall, an der Südküste dort herrscht ein Mikroklima, dass es tropischen Pflanzen erlaubt zu gedeihen. Der Teil mit dem Bergbach ist im Snowdonia Nationalpark in Nordwales aufgenommen. Und die Moore haben wir in der Gegend von Yorkshire gefunden, die sehr hoch liegt und kalt und karg ist. Einige Aufnahmen sind in einer alten römischen Eisenerzmine entstanden, wo seit 2000 Jahren kein Erz mehr geschürft wurde und sich die Natur seitdem ihren Lebensraum zurückerobert hat. Die Idee war, das alles zu einem grenzenlosen Garten zusammenzusetzen. Das steht zwar etwas dem Garten hinter den engen Mauern entgegen, von dem das Buch spricht und den frühere Verfilmungen zeigen, aber wir wollten den Garten als Teil von Marys Phantasie zeigen.

Es gibt eine Szene, in der die Kinder unter übergroßen Rhabarberblättern hindurchlaufen wie durch einen Wald. Ist das echt?

Das sind echte Mammutblatt-Pflanzen. Und wir hatten Glück, dass Dixie Egerickx, die die Hauptrolle in „Der geheime Garten“ spielt, noch so zierlich war.  Mittlerweile ist sie eine junge Erwachsene, aber zur Zeit des Drehs hat sie noch unter die Blätter gepasst. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir diesen Teil ganz naturalistisch drehen könnten, denn ich hatte gleich am Anfang das Bild im Kopf, wie sie unter den Blättern hindurchläuft. Und das hat geklappt.

Klingt, als hätten Sie eine Kinderphantasie festgehalten.

Und es war gar nicht so einfach. Diese Stengel sind ganz schön hart und stachelig, ein bisschen wie die Durionfrucht.

War es schwer für diese Rolle die richtige Kinderdarstellerin zu finden, das Drehbuch verlangt ja, dass die Kinder sehr erwachsen spielen.  

Ich vergesse immer die genaue Zahl, aber die Castingmitarbeiter hatten mehr als 1000 Kinder angesehen. Ich habe dann immer noch die Mitschnitte von hunderten Kinderdarstellern gesichtet und am Ende noch einmal ungefähr 70 eingeladen für die finale Entscheidung. Dixie war ein seltsames Amalgam, sie hatte noch das verspielte Kindliche, aber man konnte mit ihr wie mit einer Erwachsenen reden. Das machte die Regiearbeit sehr einfach. Wenn sie über die Rolle sprach, redete sie von Mary in der dritten Person. Obwohl sie damals gerade einmal zwölf Jahre alt war, konnte sie bereits bewusst entscheiden, sich in den Charakter, den sie spielt, zu begeben. Ein unfassbar waches, aufmerksames Mädchen.

Eine kleine Abweichung zum Buch haben Sie sich erlaubt. Sie haben statt eines Fuchses, der Mary den Weg zum Garten weist, einen Hund genommen. Warum?

Haben Sie mal versucht, einen Fuchs zu trainieren? Wir haben darüber nachgedacht, einen zu besorgen, der die Erfordernisse der Rolle erfüllen würde. Aber das war zu umständlich. Und der Hund konnte bereits alle Tricks, die wir brauchten. Er kam ans Set gehumpelt, obwohl er nichts hatte, wie sein Trainer uns dann versicherte. Er beherrschte es einfach, so zu tun, als wäre sein Bein verletzt. Das ist für die Szene ja sehr wichtig. Also haben wir ihn auf der Stelle gecastet.



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François Demachy, Chefparfümeur von Dior über Düfte nach der Pandemie

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Mode

Stylistin Julia von Boehm über Mode für die Golden Globes und ihre Ratschläge an Klientin Nicole Kidman

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Frau von Boehm, herzlichen Glückwunsch! Nicole Kidman, die Sie in Kleiderfragen beraten, wurde für einen Golden Globe nominiert, als beste Schauspielerin in einer Fernsehserie für ihre Rolle in „The Undoing“. Heute Abend werden die Preise vergeben.

Alfons Kaiser

Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

Danke. Ja, sie hat mich gleich aus Aus­tralien angerufen, wo sie jetzt während der Pandemie lebt und dreht, auch weil sie dort vor Corona sicherer ist. Ich freue mich natürlich schon deshalb, weil wir über die Arbeit zu Freundinnen geworden sind. Denn das Styling ist eine intime Angelegenheit, da kommt man sich nahe und kennt sich gut.

Und Sie arbeiten schon seit sieben Jahren für sie.

Genau. Die erste Saison war Cannes 2014, als ihr Film „Grace of Monaco“ zur Eröffnung des Festivals lief. Damals trug sie ein mehrlagiges schulterfreies blaues Kleid aus Spitze von Armani Privé.

Das stach so heraus, dass Kidman damals „Prinzessin von Cannes“ genannt wurde. Wäre ein solcher Look auch für die Golden-Globe-Verleihung an diesem Sonntag passend?

Ich denke nicht. Denn in Zeiten der Pandemie ist die Frage: Was kann oder sollte man jetzt anziehen? Ich habe ihr schon ein kleines Moodboard mit Eindrücken und Anregungen geschickt. Und ohne zu viel zu verraten: Es wird vermutlich kein Kleid mit einem Papagei auf der Schulter, sondern ein zurückgenommener Look. In diesen Zeiten ist Schlichtheit angesagt. Das Virus hat mich extrem demütig gemacht. Aber mein Stil war ohnehin nie so richtig laut, sondern eher subtil.

Für die Golden Globes würde das also bedeuten: eher Dior als Dolce & Gabbana, eher Armani als Gucci?

Ach, das sehen wir dann!

Jedenfalls sind die Celebrity-Abteilungen der Marken mit guten Ideen auf Sie zugekommen.

Ja, klar. Aber ich weiß meist schon so, was ich will. Ich habe meinen eigenen Kopf.

Wie wichtig sind dabei die aktuellen Modetrends?

Dem Trend folge ich nicht. Ich schaue mir an, was in der Welt los ist, wo die Schauspielerin im Leben steht, was in dem Film passiert. Zum Beispiel trug Nicole für die Premiere von „Die Verführten“ in Cannes 2017 kein schulterfreies Kleid, sondern ein hochgeschlossenes mit langen Fransen von Michael Kors. Das war ein kleiner Hinweis auf die Kostüme des Films, der im amerikanischen Bürgerkrieg spielt.

Man muss also alles im Blick haben: Person, Anlass und Film.

Ja, aber die Entscheidung treffe ich instinktiv.

Und wie haben Sie ihr jetzt ein Kleid ausgesucht?

Per Zoom. Sie bekommt Pakete von Modemarken zugeschickt, und dann schauen wir gemeinsam. Ein Schneider ist bei ihr zum Anpassen und Abstecken. Das geht überraschend gut.

Preisverleihungen finden während der Pandemie

Es ist leichter. Wenn die Schauspielerinnen bei einer Gala zwei Stunden sitzen und dann aufs Podium gehen, sind die Kleider längst verknittert. Auch das Licht und das Blitzlicht sind oft ungnädig. So etwas erspart man sich, wenn man zu Hause sitzt.

Die Mode ist im Lockdown entspannter geworden. Der Trend zur Loungewear, schon vorher zu sehen, hat sich nun richtig durchgesetzt.

Ja, aber Sweatpants kann ich nicht mehr sehen. Selbst wenn ich hier zu Hause in meinem Gartenhäuschen sitze, wo ich mir mein Büro eingerichtet habe, bin ich richtig angezogen. Dabei sieht es hier recht unkonventionell aus: Ich habe einen kleinen Heizofen, einen Tisch, den ich für 99 Dollar gekauft habe, einen Computer mit Drucker und einen Teppich, das war’s.

Nicole Kidman im Jahr 2014 in Cannes, bei ihrem ersten Auftritt unter modischer Beratungvon Julia von Boehm.


Nicole Kidman im Jahr 2014 in Cannes, bei ihrem ersten Auftritt unter modischer Beratungvon Julia von Boehm.
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Bild: AFP

Da stehen überhaupt keine Kleiderständer?

Nein. Ich mache das jetzt alles aus der Ferne. Auch viele Büros der Modemarken sind noch geschlossen.

Für Styling-Aufträge müssten Sie also in Zukunft eigentlich gar nicht mehr persönlich in Los Angeles sein.

So ist es. Ich bin früher oft nur für ein paar Stunden nach Los Angeles geflogen, für Anproben, auch weil die Marken das so am liebsten hatten. Das war eigentlich schon immer Blödsinn. Aber in Zeiten des Klimawandels erkennt man es endlich als solchen.

Sie sind auch Modechefin der amerikanischen „Instyle“. Könnten sich auch die Magazine stärker zurücknehmen? Müssen Modeshootings für deutsche Zeitschriften zum Beispiel in New York im Studio stattfinden, oder geht das auch in München?

Geht auch. Die Modeszene musste dringend auf den Boden geholt werden, und das passiert jetzt. Wir müssen nun kreativer werden, wenn wir uns neue Geschichten ausdenken. Spätestens meine Töchter erinnern mich daran, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Saft in einer Plastikflasche darf ich nicht mehr kaufen.

Meinen Sie, die Modeleute nehmen den Wandel ernst? Wird nicht bald alles wie immer sein?



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Handykordel: Smartphone stylisch angeleint

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Wer hat’s erfunden? Zumindest das kann man in diesem Fall mit großer Sicherheit sagen: kein Schweizer. Und auch das scheint recht klar: Die Berlinerin Yara Jentzsch Dib war eine der ersten, damals im Jahr 2016. Bevor sie anfing, an der Markenbildung zu arbeiten, saß sie schon am Küchentisch und bastelte Handykordeln. Fünf Jahre später hängt ihre Handykordel in Rostrot mit farblich passendem Band, nun unter dem Label Xouxou, nicht mehr allein um den Hals unseres Models.

Jennifer Wiebking

Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Das nennt man wohl To-go-Kultur: Geld, Schlüssel, Maske, Handy, Handykordel – nicht weniger und nicht mehr scheint der moderne Mensch heute zu brauchen, wenn er das Haus verlässt. Oder sollte man, genderkorrekt, sagen: sie? Denn wer sich ein Smartphone-Case quer um den Oberkörper schlingt, ist meist weiblich.

Teenager können beruhigt sein, denn so ist das Handy griffbereit, wenn die Situation für ein Update des Profilfotos günstig ist. Junge Mütter haben die Hände frei fürs Kind, und das andere Baby, also das Handy, bleibt trotzdem in nächster Nähe. Ältere Damen müssen mit Kordel um den Körper nur noch nach der Lesebrille suchen.

Schmückendes Provisorium

An der Schnur ist uns das Handy noch näher, und die Welt da draußen nur einen Wisch entfernt. Riechen, schmecken, sehen, fühlen, am Handy daddeln. Wenn das digitale Endgerät mittel- bis langfristig ohnehin am oder gar im Körper befestigt wird, sind die Umhängekordeln in der Zwischenzeit ein schönes Provisorium. Und sie schmücken ja wirklich ein bisschen, wie der Strang mit aufgefädelten Perlen an dem Gehäuse von Studionooks (weiße Hülle). Siehe auch das Gehäuse, das kaum da zu sein scheint, aber dessen Kordel mit dicken Quasten versehen ist, von Etuui (durchsichtige Hülle mit rosa Band).

Was unser Model noch trägt? Ein Hemd aus dem Onlinestore Mytheresa von Plan C, der jungen Marke von Carolina Castiglioni, deren Familie einst die Modemarke Marni gründete.

Und unser Model trägt, neben einer Kordel mit robustem Riemen von Jalouza (schwarz), noch einen Beweis dafür, dass das Zeitalter der großen Erfindungen nicht so schnell vorbei sein wird. Denn auch der To-go-Kaffeebecher lässt sich an eine hübsche Leine namens Joyuma (grauer Becher mit grünem Band) legen. Wer’s erfunden hat? Natürlich jemand in Berlin.



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