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Unterhaltung

Nordart in Büdelsdorf öffnet wieder und zeigt eine große wilde Mischung

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In Halle 1 trifft Chrom auf Holz, altrussische Anmutung auf Surreales. „Barocke Stimmung“ nennt Chefkurator Wolfgang Gramm den Raum, in dem Gemälde, Fotografie und Skulptur eine wilde Mischung eingehen. Liu Ruowang, Schöpfer der monumentalen Menschenaffen, die im Park der Carlshütte stehen, hat diesmal eine Reihe chromblitzender Dodos beigesteuert: Schätze, Relikte, Wiedergänger. Dahinter geht der Blick auf ein eindrucksvolles Breitwandformat – ein mongolisches Szenario zwischen Reiterepos, Naturschilderung und Sci-Fi, dessen Pinselduktus das Bild wie einen Gobelin wirken lässt.

Gegenüber strahlen Jan de Weryhas schrundige Holzflächen und -türme einfach Ruhe aus. Und Elena Kambina aus Usbekistan zeigt eine Serie gesichtsloser Ikonen – verlorene Identität oder geraubte Vergangenheit; alles ist möglich.

Kunst aus Osteuropa und Zentralasien auf der 22. Nordart

So bunt sind die ersten Eindrücke beim Rundgang durch die NordArt im Kunstwerk Carlshütte in Büdelsdorf, die nach der corona-bedingten Pause 2020 nun wieder ihre Tore öffnet. Und dass sie Besucherin und Besucher erst mal mit ihrer schieren Masse, mit spektakulär grellem Bunt und monumentaler Größe zu überwältigen droht, gehört dabei zum Programm der Ausstellung, die immer auch etwas Messeatmosphäre atmet.

200 Künstlerinnen und Künstler haben die Kuratoren um Wolfgang Gramm und Inga Aru aus über 3000 Bewerbungen herausgefiltert und dabei den Fokus auf Kunst aus Osteuropa, China und Zentralasien weiter verfolgt. 

Alles soll ineinander fließen

„Wir stellen die Kunstwerke so zusammen, dass alles ineinanderfließt und sie eine Geschichte ergeben“, sagt Inga Aru. „Die Besucherinnen und Besucher können sich dann hineinträumen.“ Oberstes Gebot für die Auswahl: „Die Kunst darf nicht langweilig sein.“ Rund 1000 Kunstwerke sind in den Hallen und der Remise (22.000 Quadratmeter) und draußen im Park (80.000 Quadratmeter) zu entdecken. Da darf sich jeder seinen Weg durch den Kunstdschungel suchen.

Unter dem Titel Identität etwa finden acht Künstler aus Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan zusammen, vorwiegend Malerei. Und in der lassen sich wie bei Elena Kambina oder Timur D’vatz nicht nur ferne Welten entdecken, sondern auch, wie sie Versatzstücke ihres kulturellen Erbes in abendländische Popphänomene hineinflechten.

Der Weg zur 22. NordArt

Wo? Kunstwerk Carlshütte, Vorwerkallee in Büdelsdorf. 

Wann? 5. Juni bis 10. Oktober, Di-So 11-19 Uhr.

Wie? Bis zu 700 Gäste täglich können die Ausstellung nach den derzeit gültigen Corona-Regen zunächst besuchen. Für den Besuch in den Hallen sind Zeitfenster buchbar: vormittags (11-14.45 Uhr) oder nachmittags (15.15-19 Uhr), zunächst nur für die kommenden 10 Tage. Der Park ist damit ganztägig begehbar. Ein aktueller Test ist nicht mehr nötig, aber in den Innenräumen gilt Maskenpflicht.

Karten? Nur über den Online-Shop

Eingang? Von der Hollerstraße oder vom Rondo durch den Fußgängertunnel zur ACO Thormannhalle

Monumente und Malerei

Es gibt Glanz und aufgeblasenen Kunststoff mit Anklängen an Jeff Koons oder eine bizarr verstörende Ameiseninvasion aus China. Eine neue Großskulptur von Jörg Plickat, für die eigens ein Schwimmbecken gebaut wurde, und eine Gruppe großformatiger Flugwesen aus Drahtgewebe. Ein heterogenes Miteinander, in dessen Zwischenräumen die Malerei in vielfacher Form ihren Platz behauptet. Von fotorealistisch über surreal bis zu den Porträts der Finnin Maria Wolfram, die die Menschen in extreme Hochformate einsperrt wie Schmetterlinge in Schaukästen.

Und manchmal entpuppen sich die vermeintlichen Gemälde wie bei Katerina Belkina auch als Fotografien, die die Zeit zwischen heutigen Gesichtern und früher Porträtkunst verfließen lassen. 

Identitätsfragen

„Wir haben festgestellt, dass viele Künstler Fragen umtreiben wie diese: Was ist es wert, zu erhalten? Was macht unsere Identität aus“, sagt Inga Aru und Wolfgang Gramm ergänzt: „So etwas weiß man aber nicht vorher. Solche roten Fäden ergeben sich beim Aufbauen.“

Das gilt auch für den Ukraine-Schwerpunkt, der 25 Künstler präsentiert. Vielfältig von Installation bis Kugelschreiberkunst und teils politisch wie der 70-jährige Vazhil Bazhay mit seiner Installation bemalter Leinwände, die grausam wie Schlachtvieh von der Decke hängen. Oder mit der kontemplativ-nachdenklichen Erinnerungswand aus kachelgroßen Papieren, die die 30-jährige Olha Kuzyura aus kachelgroßen Papieren zusammengepuzzelt. Mit Abdrücken von Mauerresten, Klingelschildern und Emblemen von zerstörten Häusern und Grenzzäunen, das von der Unzuverlässigkeit der Erinnerung erzählt.

Internationale Kunst auf der 22. NordArt

Wunderliche Wesen und alte Geschichten

Viel wunderliches Getier von der wieselköpfigen Nixe bis zum halben Pferd findet sich in der Remise unter dem Titel „Wundersame Wesen“ versammelt, darunter auch das von Hieronymus Bosch inspirierte, seltsam berührende Panoptikum der Kieler Bildhauerin Uschi Koch. 

Es gibt alte Bekannte wie den Tschechen David Cerny, mit seinem Trabi auf vier Beinen 2019 einer der Publikumsgewinner. Und der Turm zu Babel von Xi Jianjun, ein weiterer Publikumsliebling 2019, steht nun im Dialog mit der eindrücklichen Installation des Franzosen Gilles T. Lacombe. Wer in dessen Kabinett tritt, taucht ein in das Wogen und Rauschen unzähliger Stimmen – 80 Männer und Frauen, die in 40 Sprachen von Kreolisch bis Aramäisch, von brasilianischem Portugiesisch bis Soussou fließen. Seltsam beruhigend. Ebenso wie die riesigen Lava-Brocken, die der Isländer Gudmundur R. Ludviksson ausgelegt hat. Rau, moosig und in jeder Sedimentschicht eine Geschichte von Dauer und Vergänglichkeit. Irgendwo dazwischen kann hier jeder fündig werden.



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Auszeichnung: Deutscher Schauspielpreis künftig geschlechterübergreifend

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Berlin (dpa) – Der Deutsche Schauspielpreis entscheidet künftig bei den Auszeichnungen nicht mehr zwischen Männern und Frauen.

+++ Aktuelle Promi-News +++

„Schauspieler*innen sind vielfältig, leben von Vielfalt und sollen nicht aufgrund ihrer Genderzugehörigkeit von der Möglichkeit ausgeschlossen sein, nominiert zu werden“, teilte der Bundesverband Schauspiel als Veranstalter mit. Dennoch werde keines der Geschlechter fürchten müssen, weniger Chancen auf eine Nominierung zu haben. Der Kreis der Nominierten und Preisträger werde erweitert. Der Verband trage damit dem Bedürfnis seiner Mitglieder Rechnung.

Eine ähnliche Änderung hatte es zuvor bei der Berlinale gegeben. Als eines der ersten großen Filmfestivals zeichnet sie die schauspielerische Leistung nicht mehr getrennt nach Geschlecht aus.

keine gültigen Elemente gefunden!

Neu ist die Kategorie „Duo“

Eine weitere Neuheit beim Deutschen Schauspielpreis ist die Kategorie „Duo“: Mit diesem Preis soll die Bedeutung hervorgehoben werden, die das Spiel miteinander hat. Einige Sparten werden umbenannt. „Wir wollen nicht die besten, sondern die inspirierendsten Kolleg*innen feiern“, erklärte Hans-Werner Meyer, Vorstandsmitglied des Bundesverbands, zu der Neuaufstellung.

Der 2006 gegründete Verband hat nach eigenen Angaben 3800 Mitglieder aus der Film-, Fernseh- und Theaterlandschaft. Die Verleihung des Deutschen Schauspielpreises findet seit 2012 jährlich in Berlin statt, in diesem Jahr ist sie am 9. September geplant.



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„Licorice Pizza“: eine hinreißende Kinoromanze

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Ein grandioser Fall von Selbstüberschätzung muss hier vorliegen. Oder wie sonst soll man diese unwahrscheinliche Anmache interpretieren? Pickelig, mit pomadiger Stirntolle und ein wenig pummelig steht das Jüngelchen in der Warteschlange. Federnden Schrittes kommt ihm die junge Frau im Minirock entgegen, einen Spiegel in der Hand. Alana (Alana Haim) ist die Assistentin des Schulfotografen, Gary (Cooper Hoffman) ist einer jener zu fotografierenden Pennäler.

Gary stoppt die junge Frau. Aber es geht ihm nicht um einen letzten Kontrollblick in den Spiegel, den Alana allen Wartenden hinhält. Mit seinen Pickeln hat er sich gerade schon vor dem Toilettenspiegel konfrontiert. Er nutzt die Gunst der Sekunde, um Alana mal eben zum Abendessen einzuladen.

Ungläubige Amüsiertheit breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Und doch: Die galante Dreistigkeit des 15-Jährigen scheint der um zehn Jahre Älteren zu imponieren. Leisten kann Gary sich zu ihrer Überraschung die Einladung auch: Als Kinderschauspieler und Geschäftsmann – nun ja: Geschäftsjüngling – mit lauter verrückten Ideen verfügt er schon über ein Einkommen.

So beginnt Paul Thomas Andersons Romanze „Licorice Pizza“ – und diese bietet mehr als die übliche Teenie-Liebelei. Auch wenn die Behauptung im Januar verwegen klingen mag: Es handelt sich um einen der schönsten Liebesfilme des Kinojahres 2022.

Ungewöhnliches Paar

Im Zentrum steht ein ungewöhnliches Paar, verkörpert vom Sohn des 2014 verstorbenen Oscarpreisträgers Philip Seymour Hoffman, einst ein Anderson-Stammschauspieler, und einer Musikerin, bekannt aus der Rockband Haim mit den drei Schwestern Alana, Danielle und Este Haim. Die beiden Protagonisten entsprechen so gar nicht dem üblichen Liebesfilmpersonal, wirken durchschnittlich und doch besonders. Vielleicht macht gerade das ihren Reiz aus.

Der Ausnahmeregisseur Anderson ist zurückgekehrt ins San Fernando Valley, jenen Talkessel im Einzugsgebiet von Los Angeles, den er so gut kennt wie kaum ein anderer. Hier ist Anderson aufgewachsen, hier begann seine Karriere mit „Boogie Nights“(1997), einer Familiengeschichte aus der Pornobranche. Auch sein Meisterwerk „Magnolia“ (1999) war hier angesiedelt, ebenso die bittersüße Liebesgeschichte „Punch-Drunk Love“ (2002).

Tom Cruise als Penisfetischist

Wer sich nicht mehr an „Magnolia“ erinnert: Das war der Film, in dem Superstar Tom Cruise als wild gewordener Penisfetischist auf einer Bühne herumsprang und in dem es Frösche vom Himmel regnete. Zuletzt hatte Anderson in England 2017 „Der seidene Faden“ mit Daniel Day-Lewis als besessenem Schneider gedreht.

Gegen diese epischen Werke – dazu gehört unbedingt noch das kapitalismuskritische Ölbohrerdrama „There will be Blood“ (2007), ebenfalls mit Day Lewis – mutet „Licorice Pizza“ bescheiden an. Doch eines verbindet die Filme: Auch im aktuellen bettet der US-Regisseur seine unangestrengte Geschichte liebevoll in ihre Zeit ein. Wir schreiben das Jahr 1973. Das wissen wir, weil in den Lichtspielhäusern von Los Angeles der James-Bond-Film „Leben und sterben lassen“ läuft.

Bald bringt die Ölkrise alle Räder zum Stehen. An einer Tankstelle steht: „Benzin ist alle, leih dir ein Fahrrad!“ Auch das Impeachment gegen US-Präident Richard Nixon bahnt sich schon an.

Manches davon erhaschen wir im Vorbeilaufen. Denn auch wenn nicht viel passiert, ist das womöglich künftige Liebespaar doch oft im Sprint im San Fernando Valley unterwegs, vom Regisseur gefilmt in seinen berühmten, langen Plansequenzen, also ohne jeden Schnitt.

Mancher Erwachsene operiert an der Grenze des Wahnsinns – und wird von echter Hollywoodprominenz gespielt: Sean Penn gibt eine beklagenswerte Version des von vergangenem Ruhm zehrenden Schauspielers William Holden, Bradley Cooper den schrillen Barbra-Streisand-Geliebten Jon Peters.

Doch sie sind nur Randfiguren. Die episodenhafte Geschichte gehört dem Nachwuchs. Alana und Gery kommen sich näher und entfernen sich wieder voneinander, lernen die Eifersucht kennen und suchen ihren Platz im Leben. Letzteres trifft zuerst auf Alana zu. Um Gery muss sich niemand Sorgen machen. Man vergisst schnell, sich darüber zu wundern, was er in seinem Alter alles so anpackt.

Bald schon trägt Gery mit Unterstützung seiner Eltern dazu bei, die neuesten Freizeiterrungenschaften an Mann und Frau zu bringen: Wasserbetten und Flipperautomaten. In der Schule sieht man ihn fortan nicht mehr, dafür bei absonderlichen Fernsehevents mit Alana.

Regisseur Anderson bringt es fertig, in diesem ganz eigenen Paargeplänkel ein wenig Romantik unterzubringen. Beine berühren sich unter einem Tisch, zwei Münder nähern sich versuchsweise zum Kuss.

Gewissermaßen hat der Regisseur ein neues Subgenre erfunden: eine Teenieromanze für erwachsene Zuschauer.

„Licorice Pizza“, Regie: Paul Thomas Anderson, mit Alana Haim, Cooper Hoffman, Sean Penn, Bradley Cooper, Tom Waits, 133 Minuten, FSK 12



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„Licorice Pizza“: eine hinreißende Kinoromanze

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Ein grandioser Fall von Selbstüberschätzung muss hier vorliegen. Oder wie sonst soll man diese unwahrscheinliche Anmache interpretieren? Pickelig, mit pomadiger Stirntolle und ein wenig pummelig steht das Jüngelchen in der Warteschlange. Federnden Schrittes kommt ihm die junge Frau im Minirock entgegen, einen Spiegel in der Hand. Alana (Alana Haim) ist die Assistentin des Schulfotografen, Gary (Cooper Hoffman) ist einer jener zu fotografierenden Pennäler.

Gary stoppt die junge Frau. Aber es geht ihm nicht um einen letzten Kontrollblick in den Spiegel, den Alana allen Wartenden hinhält. Mit seinen Pickeln hat er sich gerade schon vor dem Toilettenspiegel konfrontiert. Er nutzt die Gunst der Sekunde, um Alana mal eben zum Abendessen einzuladen.

Ungläubige Amüsiertheit breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Und doch: Die galante Dreistigkeit des 15-Jährigen scheint der um zehn Jahre Älteren zu imponieren. Leisten kann Gary sich zu ihrer Überraschung die Einladung auch: Als Kinderschauspieler und Geschäftsmann – nun ja: Geschäftsjüngling – mit lauter verrückten Ideen verfügt er schon über ein Einkommen.

So beginnt Paul Thomas Andersons Romanze „Licorice Pizza“ – und diese bietet mehr als die übliche Teenie-Liebelei. Auch wenn die Behauptung im Januar verwegen klingen mag: Es handelt sich um einen der schönsten Liebesfilme des Kinojahres 2022.

Ungewöhnliches Paar

Im Zentrum steht ein ungewöhnliches Paar, verkörpert vom Sohn des 2014 verstorbenen Oscarpreisträgers Philip Seymour Hoffman, einst ein Anderson-Stammschauspieler, und einer Musikerin, bekannt aus der Rockband Haim mit den drei Schwestern Alana, Danielle und Este Haim. Die beiden Protagonisten entsprechen so gar nicht dem üblichen Liebesfilmpersonal, wirken durchschnittlich und doch besonders. Vielleicht macht gerade das ihren Reiz aus.

Der Ausnahmeregisseur Anderson ist zurückgekehrt ins San Fernando Valley, jenen Talkessel im Einzugsgebiet von Los Angeles, den er so gut kennt wie kaum ein anderer. Hier ist Anderson aufgewachsen, hier begann seine Karriere mit „Boogie Nights“(1997), einer Familiengeschichte aus der Pornobranche. Auch sein Meisterwerk „Magnolia“ (1999) war hier angesiedelt, ebenso die bittersüße Liebesgeschichte „Punch-Drunk Love“ (2002).

Tom Cruise als Penisfetischist

Wer sich nicht mehr an „Magnolia“ erinnert: Das war der Film, in dem Superstar Tom Cruise als wild gewordener Penisfetischist auf einer Bühne herumsprang und in dem es Frösche vom Himmel regnete. Zuletzt hatte Anderson in England 2017 „Der seidene Faden“ mit Daniel Day-Lewis als besessenem Schneider gedreht.

Gegen diese epischen Werke – dazu gehört unbedingt noch das kapitalismuskritische Ölbohrerdrama „There will be Blood“ (2007), ebenfalls mit Day Lewis – mutet „Licorice Pizza“ bescheiden an. Doch eines verbindet die Filme: Auch im aktuellen bettet der US-Regisseur seine unangestrengte Geschichte liebevoll in ihre Zeit ein. Wir schreiben das Jahr 1973. Das wissen wir, weil in den Lichtspielhäusern von Los Angeles der James-Bond-Film „Leben und sterben lassen“ läuft.

Bald bringt die Ölkrise alle Räder zum Stehen. An einer Tankstelle steht: „Benzin ist alle, leih dir ein Fahrrad!“ Auch das Impeachment gegen US-Präident Richard Nixon bahnt sich schon an.

Manches davon erhaschen wir im Vorbeilaufen. Denn auch wenn nicht viel passiert, ist das womöglich künftige Liebespaar doch oft im Sprint im San Fernando Valley unterwegs, vom Regisseur gefilmt in seinen berühmten, langen Plansequenzen, also ohne jeden Schnitt.

Mancher Erwachsene operiert an der Grenze des Wahnsinns – und wird von echter Hollywoodprominenz gespielt: Sean Penn gibt eine beklagenswerte Version des von vergangenem Ruhm zehrenden Schauspielers William Holden, Bradley Cooper den schrillen Barbra-Streisand-Geliebten Jon Peters.

Doch sie sind nur Randfiguren. Die episodenhafte Geschichte gehört dem Nachwuchs. Alana und Gery kommen sich näher und entfernen sich wieder voneinander, lernen die Eifersucht kennen und suchen ihren Platz im Leben. Letzteres trifft zuerst auf Alana zu. Um Gery muss sich niemand Sorgen machen. Man vergisst schnell, sich darüber zu wundern, was er in seinem Alter alles so anpackt.

Bald schon trägt Gery mit Unterstützung seiner Eltern dazu bei, die neuesten Freizeiterrungenschaften an Mann und Frau zu bringen: Wasserbetten und Flipperautomaten. In der Schule sieht man ihn fortan nicht mehr, dafür bei absonderlichen Fernsehevents mit Alana.

Regisseur Anderson bringt es fertig, in diesem ganz eigenen Paargeplänkel ein wenig Romantik unterzubringen. Beine berühren sich unter einem Tisch, zwei Münder nähern sich versuchsweise zum Kuss.

Gewissermaßen hat der Regisseur ein neues Subgenre erfunden: eine Teenieromanze für erwachsene Zuschauer.

„Licorice Pizza“, Regie: Paul Thomas Anderson, mit Alana Haim, Cooper Hoffman, Sean Penn, Bradley Cooper, Tom Waits, 133 Minuten, FSK 12



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