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Berlin

Neues Buch von Peer Martin „Hope“: Glückskind auf der Flucht

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Immer wieder möchte man bei der Lektüre dieses Buches wie im Kino an einer besonders grausigen Stelle die Hände vor die Augen schlagen und nur vorsichtig durch die Spalten zwischen den Fingern schauen – jederzeit bereit, wieder blind zu werden. Will sich beruhigen mit den Worten: Das ist doch nur ein Buch! Doch die Geschichte des titelgebenden „Hope“ und seines Begleiters Mathis ist nicht „nur ein Buch“.

Peer Martin, 1968 in Hannover geboren und 2016 für sein Debüt „Sommer unter schwarzen Flügeln“ von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, hat sie zwar erfunden, doch spielt sich alles, was darin geschieht, da draußen in der Welt ab. Martin erinnert daran auf den vielen Faktenseiten über Drogen, Wasser, Bananen, Zuckerrohr, Schnittblumen, Erdöl und was das alles mit Kriegen, Hunger, Klimawandel und Flucht zu tun hat.

„Hope“: Ein aufrüttelnder, spannender Roman

Und dass wegzusehen, aus – verständlicher – Angst vor der Wahrheit, die Welt und damit uns alle nur weiter an den Rand des Abgrunds bringt. Stattdessen gilt es, so die Botschaft dieses so aufrüttelnden wie spannenden Romans, die Hoffnung auf ein besseres Leben für alle nicht aufzugeben. Und zu handeln.

Peer Martin: Hope
546 S., 20 Euro. Ab 16

Auch Mathis, 19 Jahre alt und angehender Journalist, ahnt schon bald, dass sein Plan, das somalische Kind Hope auf seiner Flucht von Südafrika in die USA zu begleiten, sich nicht in einer ruhmbringenden Reportage erschöpfen wird. Denn um abzubilden, muss man begreifen – und aushalten. „Er zuckte leicht. Er träumte. Ich hätte seine Träume gern fotografiert. Aber ich hatte auch Angst vor ihnen.“ Als er das zugibt, sind die beiden noch ganz am Anfang ihrer Reise durch Brasilien, Kolumbien, Panama, Costa Rica, Nicaragua, Guatemala und Mexiko. Mathis hat zwar gesehen, dass Hope ein Ohr fehlt, aber noch keinen Begriff davon, was diesem Kind noch angetan wurde. Und er ahnt nicht, welches Ausmaß an Gewalt, Ohnmacht, Erschöpfung, Hunger und Hoffnungslosigkeit ihnen noch begegnen wird – in Gestalt der vielen Menschen, die sie treffen, gegen die sie kämpfen, die sie lieb gewinnen, und auch am eigenen Leib.

„Die Leute erzählen ihre Geschichten nicht so, wie sie passiert sind (…) Wenn sie so erzählen würden, wie sie passiert sind, würde niemand sie glauben.“ Das erklärt Hope seinem älteren Freund gleich zu Beginn des Buches, und deutet an, was immer klarer wird: Dieses zwölfjährige Kind hat mehr erlebt und verstanden als viele Erwachsene. Dennoch kann er, dem Grauen noch lange nicht entkommen und noch tausende Kilometer und zig bewachte Grenzen von seinem Ziel entfernt ist, sagen „Ich bin auch ein Glückskind (…) ich meine, ich bin hier. Raus aus Afrika.“

Nicht selten tröstet Hope Mathis und erstaunt und beglückt viele andere Erwachsene durch seinen klaren Blick, seine Kraft und seinen Glauben in eine hellere Zukunft. Für alle. Er ist damit fast eine biblische Figur, jenseits aller Religionen, und der Grund, warum dieses Buch seinen Titel zu Recht trägt. Wie gut, dass Hopes Geschichte erzählt wurde. Man will sie glauben.





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Berlin

Vorräte auf Rettungsschiff „Ocean Viking“ schrumpfen: Seenotretter schlagen Alarm

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Rom –

Für das Rettungsschiff „Ocean Viking“ und 356 gerettete Migranten ist immer noch kein Hafen in Europa in Sicht. 13 Tage nach der Rettung der ersten Menschen im Mittelmeer vor Libyen schlugen die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée am Donnerstag Alarm.

„Jeden Tag verschlechtert sich die Situation“, sagte der Arzt an Bord, Luca Pigozzi, laut einer Mitteilung. Die normalen Essensrationen reichten nur noch für fünf Tage. Zudem gebe es die Befürchtung, dass sich der Zustand einiger Migranten rapide verschlechtern könnte.

Die „Ocean Viking“ harrt in internationalen Gewässern zwischen Malta und Italien aus. Die beiden Mittelmeer-Anrainer verweigern Hilfsorganisationen und ihren Rettungsschiffen immer wieder das Anlegen. Die Odyssee des spanischen Schiffs „Open Arms“ war erst in der Nacht zum Mittwoch nach fast drei Wochen dramatisch zu Ende gegangen. Das Schiff wurde vorläufig beschlagnahmt. (dpa)





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Berlin

Fahrer umfuhr Schranke: Auto stößt an Bahnübergang gegen EC-Lok – Fahrer tot

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Prösen –

Seine Ungeduld hat ein Autofahrer in Brandenburg mit dem Tod bezahlt: An einem Bahnübergang bei Prösen (Landkreis Elbe-Elster) ist dessen Wagen mit einer Lok kollidiert. Der Autofahrer erlitt bei dem Unfall am Donnerstagmorgen an der Grenze zu Sachsen schwerste Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Er starb noch am Unfallort. Der Lokführer blieb unverletzt. Der Regionalverkehr war zwischen den Bahnhöfen Elsterwerda und Frauenhain unterbrochen, der Eurocity zwischen Berlin und Prag wurde umgeleitet.

Ersten Erkenntnissen zufolge umfuhr der Autofahrer gegen 6.00 Uhr die geschlossene Halbschranke. Auf den Gleisen kam es zum Zusammenstoß. Das Auto des Fahrers kam auf dem Dach zu liegen. Wieso der Mann die Schranken umfuhr, war zunächst unklar. Für einen Suizid gebe es keine Anhaltspunkte. Auch die Identität des Mannes stand noch nicht fest.

Nach Angaben der Bahn war die Strecke vier Stunden lang gesperrt. Der Regionalverkehr war unterbrochen, es fuhren Ersatzbusse. Fernverkehrszüge zwischen Prag und Berlin wurden über Falkenberg umgeleitet, der Halt in Elsterwerda entfiel. Fahrgäste sollten sich auf Verspätungen von 30 Minuten einstellen. Am Nachmittag fuhren die Züge wieder nach Plan, berichtete eine Sprecherin. (dpa/BK)





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Berlin

Protest in Berlin: Fußgänger demonstrieren gegen Fahrräder und E-Scooter auf Gehwegen

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Berlin –

Diese Demonstration sei lange überfällig, sagt Dietmar Scheffler. „Und sie ist dringend nötig“, meint der Charlottenburger. „Im Straßenverkehr sind wir Fußgänger das mit Abstand schwächste Glied in der Kette. Wir werden an den Rand gedrängt.“ Um diesen Missstand geht es bei der Demonstration, die am kommenden Mittwoch um 16 Uhr in Mitte beginnt. „Gehwege für die, die gehen – Rad ab!“ lautet das Motto der Protestaktion, zu der die Fußgängerlobby und andere Verbände auf den Alexanderplatz eingeladen haben.

Dietmar Scheffler ist oft in seinem Wohnviertel unterwegs. „Ich kenne Nachbarn, die sich nur noch ungern auf die Straße trauen, weil sie Angst haben“, berichtet der 77-Jährige. Sie fürchten sich vor den Radfahrern, die sich die Bürgersteige aneignen, als ob das selbstverständlich wäre.

Scheffler wohnt nicht weit vom Theodor-Heuss-Platz entfernt. „Dort wird gerade gebaut, Radfahrer weichen auf die Gehwege aus – verbotenerweise“, erzählt der Ruheständler. „Wenn ich mich beschwere, werden mir Prügel angedroht, oder Radfahrerinnen zeigen mir den Mittelfinger.“

Höhere Bußgelder für Gehwegradler gefordert

Ihn nerven aber auch die Kraftfahrer: „Bei uns gibt es kaum eine Kreuzung, auf der nicht falsch geparkt wird.“ Anstatt den vorgeschriebenen Fünf-Meter-Abstand einzuhalten, stellen sie Knotenpunkte mit ihren Autos zu.

Das verschlechtert nicht nur die Sicht und erhöht die Unfallgefahr: „Fußgänger mit Kinderwagen oder Rollatoren haben Mühe, zwischen den Autos auf die Straße zu gelangen“, klagt Scheffler. „Autos müssen raus aus der Stadt!“ Immer öfter werde auch auf Gehwegen geparkt: In seinem Viertel sind es vor allem Motorräder, die den Raum einengen.

Dass Radfahrer für mehr Platz auf den Straßen demonstrieren, kommt verhältnismäßig häufig vor. Fußgängerprotest ist dagegen eine Ausnahmeerscheinung – jedenfalls bislang. Dabei wird rund ein Drittel aller Wege in der Hauptstadt zu Fuß bewältigt. Dieser Anteil ist deutlich höher als beim Auto oder dem Fahrrad.

Unterstützt wird die Fußgänger-Demonstration am 28. August vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverband, vom Sozialverband Deutschland, vom Seniorenbeirat Mitte und von dem Verband Changing Cities. Organisator ist der Fachverband Fußverkehr Deutschland, kurz FUSS. Der Verband geht neuerdings vermehrt an die Öffentlichkeit.

„Wir alle sind auf Sicherheit und Raum beim Gehen angewiesen. Davon wird uns aber immer mehr genommen“, sagt Verbandsvorstand Roland Stimpel. „Auf den Gehwegen wird unerlaubt Fahrrad und neuerdings E-Roller gefahren, die Fahrzeuge stehen und liegen kreuz und quer. Falsch geparkte Fahrzeuge stehen auf Gehwegen und an Straßenecken. Viele von uns werden behindert und bedroht. An diesem Tag holen wir uns unsere Wege zurück.“ Gehwege dürften nicht länger zu „Rumpelräumen und Rennpisten verkommen, fordert Stimpel.

Bei dem „Demonstrations-Spaziergang“ gehe es um vier Forderungen: Gehwege sind zum Gehen da, nicht für schnellere und abgestellte Fahrzeuge. Falsch parken und fahren wird strenger bestraft. Leihfahrzeuge stehen nur noch am Fahrbahnrand. Und: „Ampelgrün für Fußgänger kommt eher, läuft länger und wird weniger durch Abbieger gefährdet.“

Auch Elektrokleinstfahrzeuge machen Fußgängern den Platz streitig – illegal. Obwohl elektrische Tretroller Radwege oder Straßen nutzen müssen, sind sie auch auf Gehwegen unterwegs – sehr zum Ärger vieler Passanten. Seit Mitte Juni dürfen solche Mini-Zweiräder auch für deutsche Straßen zugelassen werden. Dagegen sind Kleinstfahrzeuge ohne Lenk- oder Haltestange weiter illegal. Das soll sich ändern, fordert der Branchenverband Electric Empire – und ruft für den 21. September um 12.30 Uhr zu einer Demonstration in Berlin auf. Sie führt rund 15 Kilometer weit vom Stuttgarter Platz über den Kurfürstendamm zum Tempelhofer Feld.

Elektro-Skateboards, Onewheels, Monowheels – das sind drei Beispiele für die Vehikel, um die es bei dieser Protestaktion geht. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) habe angekündigt, dass er Fahrzeuge ohne Lenk- oder Haltestange testweise zulassen will, sagte der Vorstandsvorsitzende Lars Zemke. Doch seitdem der Bundesrat dies am 17. Mai abgelehnt hatte, weil er ein „Mindestniveau für die Sicherheit“ herstellen wollte, fühlten sich die Aktivisten vergessen. Zemke: „Wir spüren vielerorts eine immense Ablehnung.“

Eine Wutwelle rollt

Mit der Demonstration sollen die Politiker daran erinnert werden, die bislang nur für E-Tretroller geltende Verordnung zu ergänzen. „Außerdem wollen wir zeigen, dass wir diese Fahrzeuge beherrschen, dass wir keine Rowdies sind“, sagte der Verbandschef. Anders als bei Rollern muss das Fahren erlernt und trainiert we rden – das sei der große Unterschied. Doch wie andere Fahrzeuge dieser Art sollten auch diese Vehikel nicht auf Gehwegen fahren dürfen.

„E-Roller richten schon genug Chaos an. Jetzt auch noch kleine Fahr-Spielzeuge wie Einräder, motorisierte Rollschuhe und Hoverboards zuzulassen, würde das Ganze noch verschlimmern“, entgegnete Roland Stimpel. Er könne nur hoffen, dass Scheuer diese Fahrzeuge nicht auch noch zulässt. „Eine Fußgänger-Wutwelle ist spürbar“, so FUSS. Die Demonstration soll sie kanalisieren.

Dietmar Scheffler hofft, dass die Fußgänger am 28. August in Mitte ein Zeichen setzen. „Wir sind viele“, sagt er.  





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