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Myanmars Generäle geben Macht nicht an Aung San Suu Kyi zurück

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Myanmars Albtraum wird verlängert: Die Rohingya könnten davon profitieren, sagt ein Schweizer Entwicklungshelfer

Die Junta will die Macht sechs Monate nach dem Putsch nicht wieder hergeben. Die ethnischen Minderheiten im Land aber hat der brutal durchgesetzte Ausnahmezustand geeint wie nie zuvor.

Die Demonstranten in Rangun haben ihr Ziel nicht erreicht. Die Generäle geben die Macht vorläufig nicht mehr her.

Bild: Yan Naing/Getty

Reden will in Rangun gerade niemand. «Zu gefährlich» sei die Situation noch immer, sagen die angefragten Gesprächspartner in der burmesischen Metropole. Da wolle man lieber nicht auffallen. Und gefährlich bleibt es im 54-Millionen-Land auch sechs Monate nach dem Militärputsch am 1. Februar. Gestern verkündete Min Aung Hlaing, der Chef der Militär-Junta und selbst ernannte Ministerpräsident, dass der Ausnahmezustand bis im August 2023 verlängert werde. Bis dahin würden er und seine Generäle das Land regieren.

Das wäre eigentlich die Aufgabe der demokratisch gewählten Aung San Suu Kyi. Sie hatte das Land seit 2016 als Regierungschefin angeführt und gewann die Wahlen im vergangenen Jahr deutlich. Doch Myanmars Generäle, die bis 2011 fast 50 Jahre lang an den Machthebeln der Republik sassen, hatten genug vom demokratischen Kurs der Friedensnobelpreisträgerin.

Aung San Suu Kyi, 76, hatte ihr Land auf einen demokratischen Weg lenken wollen.

Aung San Suu Kyi, 76, hatte ihr Land auf einen demokratischen Weg lenken wollen.

AP

Sie setzten Suu Kyi unter Hausarrest und deckten sie mit allerlei Vorwürfen ein. Sie soll nicht nur die Wahlen gefälscht, sondern auch illegal Walkie-Talkies ins Land eingeführt haben.

Keine Impfung aus Protest gegen die Regierung

Im burmesischen Hinterland toben derweil die Kämpfe zwischen Suu Kyis Anhängern und der Armee. Mehr als 900 Menschen wurden seit dem Putsch umgebracht. Es gibt Videos und Berichte von verstümmelten Leichen in geplünderten Dörfern, die gefesselt im Busch liegen; von eingekesselten Demonstranten in Provinzstädtchen, die sich vor den Scharfschützen der Armee wegducken – und von völlig überforderten Spitälern, in denen Covid-Patienten ohne Sauerstoff vor sich hinsiechen.

Knappes Gut: In Myanmars Spitälern geht allmählich der Sauerstoff aus.

Knappes Gut: In Myanmars Spitälern geht allmählich der Sauerstoff aus.

AP

Die UNO schätzt, dass drei Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind und dass bald mehr als die Hälfte aller Burmesen unter die Armutsgrenze rutscht. Die «Regierung der Nationalen Einheit», bestehend aus ins Exil geflüchteten Volksvertretern, kann wenig gegen die Junta unternehmen.

Das Land sei in einer gefährlichen Patt-Situation, sagt Peter Schmidt, der die vergangenen viereinhalb Jahre als Programmdirektor der Entwicklungsorganisation Helvetas in Myanmar gelebt hat. Die Junta habe die militärische Übermacht, doch die pro-demokratische Protestbewegung sei nicht bereit, von ihrer Position abzurücken. «Myanmar hat keine Erfahrung damit, Kompromisse zu schliessen. Eine Lösung liegt in weiter Ferne», erklärt Schmidt.

Beim Gespräch in Zürich kurz nach seiner Rückkehr aus Rangun wirkt er wenig zuversichtlich. Der Widerstand gegen die Junta bleibe auch sechs Monate nach dem Putsch radikal. «Eltern schicken ihre Kinder aus Angst vor Gehirnwäsche nicht mehr in die Schule. Und neun von zehn meiner Mitarbeiter erklärten mir, sie liessen sich nicht vom Regierungsprogramm gegen Covid impfen.»

Touristen könnten helfen, doch sie bleiben fern

Einen kleinen Lichtblick bietet die Situation für die ethnischen Minderheiten im Vielvölkerstaat Myanmar. «Der Putsch hat unter ihnen eine Einigkeit geschaffen, die vorher nicht möglich gewesen wäre», erzählt Peter Schmidt. Eine Mehrheit der ethnischen Milizen hätte sich auf die Seite der Demokratie-Bewegung gestellt. Und für die brutal unterdrückte Minderheit der Rohingya im Norden des Landes biete die Situation einen Hoffnungsschimmer.

«Beide Konfliktparteien sind nach dem Putsch zumindest in ihrer Rhetorik moderater geworden gegenüber den Rohingya, weil sie sich um ihre internationale Wahrnehmung sorgen.»

Gelöst aber sei das Rohingya-Problem noch lange nicht. Der Aufforderung an die hunderttausenden Vertriebenen, aus den Flüchtlingslagern in Bangladesch in ihre oft komplett zerstörten Dörfer zurückzukehren, leiste kaum jemand Folge.

Peter Schmidt, Ex-Landesdirektor der Helvetas in Myanmar.

Peter Schmidt, Ex-Landesdirektor der Helvetas in Myanmar.

Helvetas

Die Arbeit der Helvetas, sagt Peter Schmidt, sei durch die Pandemie und den Putsch natürlich nicht einfacher geworden, aber nach wie vor möglich. «Internationale Hilfsorganisationen sind bislang kaum aktiv verfolgt worden.»

Definitiv vorbei aber sei der burmesische Tourismus-Boom, der nach der Öffnung 2012 eingesetzt hatte. Nach der Rohingya-Krise seien zuerst die westlichen Touristen weggeblieben, nach Ausbruch der Pandemie dann auch die chinesischen Gruppenreisen.

Wann das Land wieder zur Ruhe kommt, wagt Schmidt nicht zu prophezeien. Dass die Junta ihr Versprechen ausgerechnet diesmal hält und in zwei Jahren faire Wahlen abhalten lässt, daran glaubt aber kaum ein Beobachter. Myanmars Albtraum wurde gestern wohl nicht zum letzten Mal verlängert.



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FC Bayern hadert mit Sieg: Lewandowski wird Rekord vom Fuß geklaut

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FC Bayern hadert mit Sieg

Lewandowski wird Rekord vom Fuß geklaut

Der FC Bayern gewinnt auch das fünfte Spiel der Fußball-Bundesliga in Serie. Doch beim Aufsteiger Greuther Fürth ist das mitnichten so einfach wie vielleicht gedacht. Der Tabellenführer tut sich schwer, hadert anschließend – und muss auch noch einen knapp nicht treffenden Robert Lewandowski trösten.

Dass dieses Spiel kein normales werden würde, das war schon klar, als der Bus des FC Bayern nach der Kriechfahrt durch den Laubenweg im Fürther Stadtteil Ronhof hinter der Haupttribüne des gleichnamigen Stadions parkte: Sofort bildete sich eine Menschentraube, Handys wurden gezückt – es waren Szenen und eine Stimmung wie für gewöhnlich im DFB-Pokal, wenn der kleine Amateurklub das große Los gezogen hat.

Und so ging es dann weiter: Der David spielte mutig und giftig, der Goliath bisweilen arg schlampig, er musste stets auf der Hut sein, erst recht, weil er nach der berechtigten Roten Karte für Benjamin Pavard (48./grobes Foulspiel) in Unterzahl war. “Wir sind glücklich über die drei Punkte, Fürth hat uns schon einiges abverlangt”, sagte Trainer Julian Nagelsmann nach dem etwas mühsamen, aber auch ungefährdeten 3:1 (2:0).

Die Fürther zeigten ihr bestes Saisonspiel, ihre Anhänger feierten jede halbwegs gelungene Aktion, und als Angreifer Cedric Itten kurz vor Schluss auch noch Manuel Neuer per Kopfball überwand (88.), sangen sie voller Inbrunst: “Deutscher Meister wird nur das Kleeblatt Fürth.” Und so war es auf der anderen Seite auch verständlich, dass sich die Münchner nach diesem ungewöhnlichen Härtetest gerne selbst lobten. Und zu Recht.

“Keine Glanzleistung”

Es sei nun “keine Glanzleistung” gewesen, sagte Joshua Kimmich, aber: “Wir hatten das Spiel im Griff, auch in Unterzahl”, nicht zuletzt, weil “der Charakter der Mannschaft super ist”. Ja, gab Thomas Müller zu, die Bayern hätten “manchmal zu schlampig gespielt” und die Positionen nicht immer wie vorgesehen besetzt, aber: “Das ist Meckern auf hohem Niveau”, denn “wenn du trotz Unterzahl das 3:0 machst, gibt dir das ein gutes Gefühl”.

Dieses 3:0 erzielte nach Treffern von Müller (10.) und Kimmich (31.) Sebastian Griesbeck (68./Eigentor): Der Mittelfeldspieler hatte vor dem einschussbereiten Robert Lewandowski klären wollen, nun “klaute” er dem Weltfußballer einen Rekord. In 15 Bundesligaspielen in Serie hatte der Pole mindestens einmal getroffen, die Bestmarke von Gerd Müller (16) verfehlte er nun. Mehr als ein Lattentreffer (40.) war nicht drin.

Lewandowski schien dann auch ein wenig unglücklich zu sein. “Wir wissen ja, dass er sehr gierig ist, Tore schießen will, aber auch mehr Bälle möchte im Spiel”, erläuterte Nagelsmann. Nur: Die Bälle kamen diesmal nicht. “Er wird hoffentlich am Mittwoch treffen, und dann sind wir alle wieder zufrieden”, sagte der Trainer. Am Mittwoch (21 Uhr/DAZN und im ntv.de-Liveticker) wird Dynamo Kiew zum zweiten Gruppenspiel in der Champions League vorstellig.

Die Bayern und ihr Torjäger könnten wahrlich schlechter dastehen, unter Nagelsmann sind sie in den nunmehr neun Pflichtspielen in dieser Saison ungeschlagen, die vergangenen acht haben sie gewonnen. “Momentan sind wir gut drauf”, sagte auch Kimmich, doch er wäre nicht Joshua Kimmich, hätte er nicht auch noch ergänzt: “Wir haben bisher nicht alle Spiele souverän gestaltet.”



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Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sinkt erneut

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Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland sinkt erneut. Das Robert Koch-Institut gibt den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 60,6 an. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 7211 Neuinfektionen.



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Ryder Cup an Tag eins deutlich: Trotz Garcia-Rekord dominiert Team USA

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Ryder Cup an Tag eins deutlich

Trotz Garcia-Rekord dominiert Team USA

Sergio Garcia absolviert bereits seinen zehnten Ryder Cup, dabei gelingt dem spanischen Golf-Profi ein neuer Rekord. Trotzdem liegt sein Team Europa deutlich zurück, die Männer aus den USA beweisen an Tag eins ihre Klasse. Einer von ihnen setzt auch den Schlag des Tages.

Die Golfstars aus den USA sind zum Start des 43. Ryder Cups ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und haben den Eröffnungstag gegen die Titelverteidiger aus Europa klar dominiert. Nach den ersten acht Team-Duellen im Lochwettspiel lagen die Gastgeber am Freitag beim prestigeträchtigen Kontinentalvergleich auf dem Whistling Straits Golf Course im US-Bundesstaat Wisconsin mit 6:2 Punkten in Führung.

US-Kapitän Steve Stricker war mit der Leistung seiner Spieler sehr zufrieden: “Es ist ein großartiger Start. Aber meine Nachricht an die Jungs ist, morgen ist ein neuer Tag. Lasst uns einfach rausgehen und versuchen, die Morgen-Matches zu gewinnen und so zu tun, als wäre das heute nie passiert.”

Die Europäer müssen am zweiten Tag in den weiteren acht Team-Duellen unbedingt eine Aufholjagd starten, um nicht schon vor den entscheidenden zwölf Einzel-Matches am Sonntag hoffnungslos in Rückstand zu liegen. “Zweifellos war es ein harter Tag”, sagte Kapitän Padraig Harrington. “Klar, es ist nicht das, was wir wollten. Es ist kein guter Anfang, aber es gibt noch viel Golf zu spielen. Es sind noch 20 Punkte zu vergeben.”

Garcia verbessert seinen eigenen Rekord

Um 7.10 Uhr (Ortszeit) hatte der Ryder Cup bei strahlendem Sonnenschein auf dem spektakulären Golfplatz am Ufer des Michigansees unter dem Jubel Tausender Zuschauer begonnen. Auf der riesigen Tribüne am ersten Abschlag herrschte eine Stimmung wie in einem Fußballstadion. “USA, USA, USA”, skandierten die US-Fans.

Den ersten Punkt des Tages holten aber die Europäer. Das spanische Duo Jon Rahm/Sergio Garcia besiegte Justin Thomas und Jordan Spieth. Mit dem Erfolg verbesserte Garcia bei seinem zehnten Ryder-Cup-Start seinen eigenen Rekord auf 26,5 Punkte. Kein anderer Spieler holte in der Geschichte des Events mehr Punkte.

Die drei anderen Morgen-Matches entschieden die US-Amerikaner zum zwischenzeitlichen 3:1 für sich. Dustin Johnson und Collin Morikawa besiegten Paul Casey (England) und Viktor Hovland (Norwegen). Brooks Koepka und Daniel Berger gewannen gegen die beiden Engländer Lee Westwood und Matt Fitzpatrick. Den klarsten Erfolg feierten Patrick Cantlay und Xander Schauffele gegen Rory McIlroy (Nordirland) und Ian Poulter (England).

US-Muskelprotz setz Schlag des Tages

DeChambeau fällt auf.

(Foto: AP)

Auch in den vier Nachmittagsduellen drehten die US-Stars unter den Augen der US-Basketball-Legende Michael Jordan mächtig auf. Johnson/Schauffele ließen Casey und Bernd Wiesberger (Österreich) keine Chance. Tony Finau und Harris English setzten sich gegen McIlroy und Shane Lowry (Irland) durch. Das Match zwischen Bryson DeChambeau/Scottie Scheffler und Rahm/Tyrrell Hatton (England) endete mit einem Remis. Auch im Duell zwischen Thomas/Cantlay und Hovland/Tommy Fleetwood (England) wurde der Punkt geteilt.

Der Schlag des Tages gelang US-Muskelprotz DeChambeau, der seinen Abschlag auf der fünften Spielbahn – einem 530 Meter langen Par 5 – unglaubliche 381 Meter weit auf das Fairway donnerte. Am Ende lochte der 28-Jährige seinen Ball mit drei Schlägen zum Eagle und damit zum Lochgewinn ein.

Vor drei Jahren hatten die Europäer in Paris den Ryder Cup mit einem klaren 17,5:10,5-Erfolg von den US-Amerikanern zurückerobert. Der ursprünglich für 2020 geplante Ryder Cup war wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben worden.



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