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Minimale Mobilität: Fahrzeuge für den Moped-Führerschein

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Rüsselsheim/Losheim am See (dpa/tmn) – Klein, quadratisch, bunt und voll elektrisch: Mit dem Rocks-e wagt sich zum ersten Mal ein deutscher Volumenhersteller in ein Segment unterhalb des klassischen Pkw und wirft damit ein Schlaglicht auf die Klasse der sogenannten Leichtkraftwagen.

Die ist für den Hersteller vor allem deshalb interessant, weil er damit eine völlig neue Zielgruppe erreichen kann. Der 2,41 Meter kurze Würfel auf Rädern, den Opel jetzt ab 7990 Euro in den Handel bringt, kostet in der Tat weniger als fast jeder konventionelle Kleinwagen. Neu sind solche Fahrzeuge aber nicht.

Mit dem Mofa ein Mini-Auto fahren

Der Rocks-e zählt zu den billigsten E-Mobilen im Land und ist im Leasing nicht teurer als die Monatskarte für den Stadtbus, werben die Hessen. Fahren darf man solche Modelle oft schon ab 15 Jahren. Ein Autoführerschein ist in der Regel nicht nötig. Es genügt meist ein Führerschein der Klasse AM, so wie man ihn etwa für Mopeds braucht. Diesen können seit Sommer 2021 schon 15-Jährige erwerben. Je nach Modell reicht auch eine Mofa-Prüfbescheinigung (Mofa-Führerschein).

Die Versicherung wird pauschal und preiswert über das Kennzeichen abgewickelt, so Thomas Schuster, Prüfingenieur bei der Sachverständigen-Organisation KÜS. Auch Kfz-Steuer wird keine fällig.

Dafür macht der Gesetzgeber strenge Vorgaben, teilt der ADAC mit: „Sie haben vier Räder, ein oder zwei Sitzplätze, sind auf vier kW Leistung beschränkt, wiegen höchstens 425 Kilogramm und sind bauartbedingt maximal 45 km/h schnell.“

Im Gegenzug verzichtet er allerdings weitgehend auf Crashtests und macht auch keine Vorgaben zur serienmäßigen Sicherheitsausstattung: Während Pkw ohne Airbags, ABS und ESP heute nicht mehr zugelassen werden dürfen, müssen bei den oft auch als Mofa-Autos geführten Minis meist die Gurte und allenfalls noch ein Fahrerairbag reichen. Selbst eine regelmäßige Hauptuntersuchen (HU) bleibt den Fahrzeugen erspart.

Vom Kabinenroller zum kleinen E-Mobil

Neu ist diese Klasse freilich nicht, auch nicht die Idee von der minimalen Mobilität. Sondern mit Fahrzeugen wie der BMW Isetta oder dem Messerschmitt Kabinenroller kamen solche Kleinstwagen in den 1950er Jahren schon einmal groß raus. Und spätestens seit 2004 für solche Fahrzeuge eigens die Führerscheinklasse S eingeführt wurde, die damals 16-Jährigen zum ersten Mal den frühzeitigen Umstieg auf vier Räder ermöglicht hat, sind sie wieder in aller Munde.

Das Angebot ist entsprechend groß und lebt vor allem von Marken aus Italien und Frankreich, wo solche Fahrzeuge gebräuchlicher sind. Hersteller wie Ligier, Aixam, Casalini oder Piaggio bieten laut ADAC zwischen etwa 10 und 20 000 Euro eine breite Modellpalette an – bis hin zum coolen Cabrio oder zum praktischen Kleinlaster. Abwechslung auch beim Antrieb: klassische Verbrenner, Hybride und reine E-Fahrzeuge.

Elektrischer Rückenwind für die Kleinen

Vor allem die Elektrifizierung dürfte dieser Klasse noch einen Schub geben, glaubt Schuster nicht zuletzt mit Blick auf den Rocks-e: Man braucht keine großen und damit teuren Akkus und niemand erwartet riesige Reichweiten, fasst er die Vorteile zusammen.

Kein Wunder also, dass zum Beispiel Renault den Twizy ebenfalls für diese Fahrzeugkategorie freigeben hat, dass der Rocks-e eigentlich als Citroën Ami entwickelt wurde und in Frankreich schon zu Hunderten an der Ladesäule steht. Auch Seiteneinsteiger wie Microlino mit der elektrischen Isetta oder ACM mit dem City One kommen aus dieser Nische. Selbst wenn die Autos dann im Laufe der Entwicklung doch größer, stärker und schneller geworden sind und sich wie der Microlino mit Airbags und 90 km/h Spitze um mehr Nähe zum „echten“ Auto mühen.

Zwar sprechen viele gute Gründe für kleinere Fahrzeuge, vor allem in der Stadt. „Denn egal, ob mit E-Motor oder Verbrenner, ist es doch ein Wahnsinn, wie viel Masse und Fläche wir nutzen, nur um eine Person von A nach B zu bringen“, so Microlino-Chef Wim Ouboter und bricht eine Lanze für die Leichtfahrzeuge. Und in den Augen von Opel-Sprecher Harald Hamprecht dürften sich Eltern besser fühlen, wenn ihre Kinder in einem solchen Wagen aus der Disco kommen als auf dem Mofa oder mit dem Nachtbus.

Fahrer und Gefährt – nicht immer eine sichere Paarung

Doch so viele Probleme diese Minis lösen könnten, schaffen sie auch neue. Denn zumindest die Experten des ADAC lassen kaum ein gutes Haar an dieser Fahrzeuggattung. Weil es keine offiziellen Crashvorschriften gebe, habe der Test des Aufprallschutzes meist sehr ernüchternde Ergebnisse geliefert, schreibt der Club.

Die Fahrstabilität sei bei vielen Modellen fragwürdig und gerade jüngeren Fahrern mangele es an Erfahrung – zumal die ihren Führerschein in der Regel auf zwei Rädern machen würden und nun auf vier Räder umsteigen könnten.

Das Problem sind aber nicht allein die Technik und womöglich die mangelnde Übung des Fahrers, sagt KÜS-Mann Schuster. Sondern auch die Wahrnehmung durch die anderen Verkehrsteilnehmer ist kritisch: „Anders als ein Mofa kann man solche Leichtkraftwagen schnell mit einem konventionellen Kleinwagen verwechseln, schätzt dann etwa Tempo oder Beschleunigung falsch ein und provoziert womöglich gefährliche Begegnungen“, sagt der Experte.

Sinnvollerweise für die Stadt

Der ADAC rät deshalb, dass sich Interessenten vor der Anschaffung über den möglichen Einsatzbereich klar werden sollten: „Und der begrenzt sich sinnvollerweise auf die Stadt. Längere Überlandfahrten sind in Leichtkraftfahrzeugen ein No-Go und Nachtfahrten sowie Touren außerhalb geschlossener Ortschaften nicht zu empfehlen.“ Denn bei ihrem Fazit lassen die ADAC-Experten wenig Gutes an dieser Klasse: viel mehr Positives als das Dach über dem Kopf vermögen die Münchner nicht zu erkennen.

Obendrein droht den Winzlingen auch noch ein Akzeptanz-Problem über die erste Begeisterung hinaus, sagen Marktbeobachter: „Wer zahlt schon vier- oder gar fünfstellige Beträge für ein Fahrzeug, das spätestens mit dem 18. Geburtstag völlig uninteressant wird, weil dann ein „echtes“ Auto ohne Tempolimit gefragt ist“, äußert sich ein Händler. Zumindest das hat Opel beim Rocks-e berücksichtigt und bietet den Mini deshalb vor allem über das Leasing an.



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Antisemitismus im Netz „hat sich in der Corona-Pandemie noch verstärkt“

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Herr Moeller, wieso betiteln Sie Ihren Dokumentarfilm über heutigen Online­­antisemitismus mit „Jud Süß 2.0“?

In früheren Filmen habe ich mich viel mit NS-Filmpropaganda beschäftigt – besonders mit den antisemitischen Spielfilmen, allen voran mit Veit Harlans „Jud Süß“ von 1940, in dem in historisch verfälschender Weise die Geschichte des jüdischen Bankiers und Juweliers Joseph Süß Oppenheimer erzählt wird, der im 18. Jahrhundert Finanzberater des Herzogs von Württemberg war. Jetzt wollte ich eine Verbindung zur Gegenwart herstellen. Ich wollte den Bogen spannen in den digitalen Raum. In den Webvideos von heute lassen sich erschreckende Parallelen finden.

Welcher Weg führt vom Hetzfilm „Jud Süß“ zum Antisemitismus der Gegenwart?

Bei „Jud Süß“ handelt es sich um einen sogenannten Vorbehaltsfilm, er ist also immer noch unter Verschluss. Er dürfte gar nicht frei und ohne historische Einrahmung verfügbar sein, erst recht nicht im Internet. Im Nationalsozialismus wurde er gezielt KZ-Wachmannschaften vorgeführt, die dann noch brutaler gegen ihre Gefangenen vorgingen. Dieser Film kam wie andere auch einem Mordinstrument gleich.

Felix Moeller © Quelle: Gregor Baron

Und der Film ist dennoch im Internet zu finden?

Tatsächlich wird „Jud Süß“ heute auf irgendwelchen Servern immer wieder hochgeladen. Insgesamt werden NS-Materialien recycelt und mit aktuellen antijüdischen Botschaften versehen. Dieselben Dämonisierungen, Feindbilder und Verschwörungsgeschichten werden aktiviert. In „Jud Süß“ gibt es zum Beispiel eine Szene, in der sich ein langer Zug von Juden durchs Stadttor nach Stuttgart bewegt. Heute wird dieses Motiv in Ungarn als Propaganda gegen Flüchtlinge verwendet.

Was beunruhigt Sie am Netz-Antisemitismus besonders?

Die Verbreitung. Sie ist enorm, auch wenn inzwischen die großen Onlineplattformen wie Youtube, Instagram oder Twitter versuchen, die Flut an judenfeindlichen Videos einzudämmen. Gewitzte User finden sie mit wenigen Klicks aber immer wieder, vor allem auf Messengerdiensten wie Telegram. Antisemitische Ideologen teilen diese Beiträge oft mit mehr als 100.000 Followern. Diese mediale Wucht ist neu und hat sich in der Corona-Pandemie noch verstärkt.

Wieso fördert die Pandemie Antisemitismus?

Wenn eine tiefe Krise herrscht, gewinnt der Antisemitismus an Zulauf. Davon können jüdische Gemeinden berichten, das ist ein altbekannter Reflex. Auch die Ergebnisse von internationalen Recherchestellen belegen diesen Zusammenhang. In Krisen wird nach Schuldigen gesucht, die zum Beispiel angeblich Impfstoffe kontrollieren. Das wissen Cyber-Antisemiten genau.

Sind Jugendliche durch Antisemitismus im Netz besonders gefährdet?

Junge Menschen sind in diesen Onlineforen extrem präsent. Die Inhalte sind für sie gut kompatibel: Antijüdische Inhalte werden etwa mit Rap transportiert oder über Onlinegames. Es gibt Spiele, in denen der Avatar einer Hitler-Figur nachempfunden ist und Gewalt an Jüdinnen und Juden verübt. Dieses Spiel ist so brutal, dass ich es gar nicht in meiner Doku zeigen kann.

Ist die menschenfeindliche Ideologie für Jugendliche in jedem Fall so klar erkennbar?

Nein, und das ist eine weitere Gefahr. Arglos werden Codes geteilt, die nur Eingeweihte verstehen. Nehmen Sie den „Happy Merchant“, den „glücklichen Kaufmann“, bei dem unterschwellig mit vermeintlichen jüdischen Physiognomien gespielt wird. Der „Merchant“ ist einer, der angeblich von der Krise profitiert. Auch der Begriff „Rothschild“ ist so ein antisemitisches Codewort oder „Wer zieht die Fäden?“.

Wie weit verbreitet ist dieser Antisemitismus?

Er findet sich durchaus auch in der Populärkultur, ein eindrückliches Beispiel dafür ist „Harry Potter“. Auch wenn die Filme um den Zauberlehrling gewiss nicht antisemitisch sind. Und doch wirken hier judenfeindliche Zerrbilder weiter: Bei „Harry Potter“ tauchen Kobolde auf, sogenannte Goblins, kleine, missgestaltete Wesen mit Hakennase, geldgierig und hinterhältig. Altbekannte Stereotype werden bedient.

Bleibt der Online­antisemitismus im virtuellen Raum?

Wir wissen, dass die Radikalisierung im Onlinebereich in Einzelfällen zu tatsächlicher physischer Gewalt geführt hat – in den USA und auch bei uns. Der Attentäter, der 2019 den Anschlag auf die Synagoge in Halle verübte, war bestens in Onlinecommunitys vernetzt.

Ist dieser Zusammenhang den Ermittlern sofort aufgefallen?

Tatsächlich mussten sie ein wenig gedrängt werden. Geholfen haben dabei in Halle die aktiven Nebenkläger. Gerade ist die Dokumentation des Prozesses erschienen: Die Ermittler sind lange von der These des einsamen Wolfs ausgegangen. Sie haben nicht wirklich geschaut, mit wem sich der Täter im Internet zusammengeschlossen und was er dort konsumiert hatte. Da gibt es sicherlich noch einiges aufzuklären.

Lässt sich gegen die Hetze im Netz etwas mit den Mitteln des Netzes tun?

Die Betreiber etwa der Verschwörungsplattform Telegram sitzen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Man kommt offenbar nicht an sie ran. Es würde helfen, den Usern hierzulande mit strafrechtlichen Mitteln auf die Füße zu treten – also all jenen, die diese hetzerischen Inhalte teilen und verbreiten. Es wird auch durchaus etwas getan: In Bayern etwa gibt es eine Antisemitismus-Staatsanwaltschaft.

Wie fühlt sich ein Regisseur, der in diese Untiefen des Cyber-Antisemitismus geklettert ist und sich dort wochenlang umgeschaut hat?

Furchtbar. Es war eine psychisch belastende Zeit für mich. Ich wusste manchmal gar nicht, was schlimmer ist: die modernisierte Form des Antisemitismus oder das historische Material. Ich hoffe, dass ich mit meinem Dokumentarfilm dazu beitragen kann, antisemitische Symbole zu dechiffrieren. Gerade in diesen Tagen, da ja auch an die Wannseekonferenz erinnert wird und der Holocaust-Gedenktag begangen wird.

Der Dokumentarfilm „Jud Süß 2.0“ von Regisseur Felix Moeller ist am Dienstag, 25. Januar, um 22.45 Uhr auf Arte zu sehen – und darüber hinaus abrufbar in der Sendermediathek.



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Beziehungsspiel im herbstlich-melancholischen Brandenburg: Zusammen, ein Leben lang? – Medien – Gesellschaft

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Es ist die Rückkehr in ihr ehemaliges „Paradies“: Elsa (Corinna Kirchhoff) und Arthur (Henry Hübchen) lassen wieder Luft und Licht hinein in das idyllisch am See gelegene Häuschen, in dem sie die wohl schönsten Tage ihres gemeinsamen Lebens verbracht haben. Behutsam nehmen sie das verstaubte Anwesen wieder in Augenschein, laufen hinunter ans Wasser, wo der Steg morsch geworden und mit Laub bedeckt ist. Die Fotos an der Wand rufen Erinnerungen wach.

Arthur weiß auch noch, wo der Schlüssel zum Anbau hängt. Dort hatte der ehemalige Schlagersänger an seinen Liedern gearbeitet. Nun setzt er sich wieder ans Klavier, aber die Melodie zu seinem größten Hit „Ein Leben lang“ will ihm nicht mehr einfallen. Arthur ist an Demenz erkrankt, und Elsa, obwohl von ihm vor vier Jahren für eine Jüngere verlassen, kümmert sich wieder um ihren nun ebenfalls verlassenen Ehemann. Das Haus müssen sie verkaufen, denn sonst werden sie den teuren Platz für Arthur in einem Pflegeheim nicht bezahlen können.

„Ein Leben lang“ ist vor allem anderen ein Film, in dem zwei prägende deutsche Schauspiel-Persönlichkeiten eine glänzende Partie bieten. Herausragend, wie Corinna Kirchhoff die Bitterkeit und zugleich die Zärtlichkeit einer enttäuschten und doch fürsorglichen Partnerin zum Leben erweckt. Was für eine Ausdruckskraft in diesem vom Leben gezeichneten Gesicht, in dem sich Erschöpfung, die vergangene und die verbliebene Liebe, aber auch Willensstärke und Härte spiegeln.

Großartig auch Henry Hübchen als knurrig-verschlossener Gegenpart, der die Tragik der verlorenen Erinnerung spüren und gleichzeitig immer mal wieder den Charme des früheren Arthur aufblitzen lässt. Schmerzhaft zu sehen, wenn Arthur auf der Suche nach der Toilette mit durchnässter Hose durchs Haus irrt. Wenn er hilflos mit blutender Hand am Küchentisch sitzt, weil er sich beim Brotschneiden verletzte. Aber die Krankheit wird nicht mehr als nötig „ausgestellt“, und Arthur beweist auch ungeahnte Fähigkeiten – insbesondere als ein Dritter ins Spiel kommt.

Im Unterschied zu dem ähnlich angelegten Fernsehfilm „Bist Du glücklich?“ verzichten Drehbuch-Autor Paul Salisbury und Regisseur Till Endemann nicht nur auf jede Art von Rückblick. Mit dem Einzelgänger Sorin (Eugen Knecht) wird aus dem Paar-Beziehungsdrama eine Dreiecksgeschichte mit eigenen Reizen. Weil der Schwiegersohn wegen eines Unfalls ausfällt, stellt Elsa Sorin als Helfer zum Entrümpeln des Hauses an – und das, obwohl sie zuvor gesehen hatte, wie Sorin ihre Obstbäume plündert.

Der getrennt von Frau und Tochter lebende Mittvierziger ist in dem kleinen Ort Schönow im Berliner Umland ein Außenseiter: Als Mann mit osteuropäischer Herkunft wird er von den Einheimischen „Siggi“ gerufen, als Kurzform für „Zigeuner“, wie der gekränkte Sorin erklärt. Er hat es vergeblich mit einer Musikkarriere in Berlin versucht, jobbt nun als DJ, trinkt viel, hängt auf seinem Hausboot ab – der ruppig wirkende Typ, dessen Träume gerade in der Mitte seines Lebens zu platzen scheinen, trifft nun auf ein Paar am Ende eines langen Weges. Respekt für Eugen Knecht, der im Vergleich mit den beiden Schauspiel-Schwergewichten Kirchhoff und Hübchen keineswegs abfällt.

Sorin bringt nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Neugier und Aufgeschlossenheit mit. Über die Musik finden er und Arthur schnell Kontakt zueinander, und nach schwierigem Start entwickelt sich auch zwischen Sorin und Elsa eine besondere Nähe, die so glaubwürdig erzählt und gespielt wird, dass auch das gemeinsame Bad im abendlichen See kein bisschen absonderlich wirkt. Sorins Selbstverständlichkeit im Umgang mit ihrem kranken Mann scheint es Elsa zu ermöglichen, den untreuen Arthur mit einem versöhnlichen, tröstlicheren Blick zu betrachten. Und Sorin kann wiederum von der Lebenserfahrung der Älteren profitieren.

So inszenieren Salisbury und Endemann in ruhigem Tempo ein konzentriertes und hoch emotionales Beziehungsspiel, zu dem die herbstlich-melancholische Landschaft Brandenburgs beinahe zu perfekt passt. Das Finale ist in Teilen vorhersehbar, aber von einem kitschigen Happy End weit entfernt. Dem feinen Ensemble ist unter Till Endemanns präziser Regie ein ungemein reifer und berührender Film über die Liebe und den Wert des Zusammenseins gelungen.

„Ein Leben lang“, ARD, Mittwoch, um 20 Uhr 15



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Rassismus-Eklat – Janina Youssefian war kein Ausrutscher!

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Das Dschungelcamp erlebt eine historische Entgleisung. Eine Kandidatin beleidigt eine andere rassistisch und muss die Show verlassen. Der Sender reagiert richtig – und trotzdem: Wir müssen reden!

Die deutsche Sprache ist mächtig. Sie kann entwaffnend sein und einen polternden Idioten mit gut vorgetragenen Argumenten in die Schranken weisen. Sie kann überzeugen und heilen. Auch ein engstirniger Hornochse wird in der richtigen Tonlage und mit der angemessenen Wortwahl in seiner Meinung erschüttert, wenn er spürt: Ich bin auf dem Holzweg.

Die Sprache leitet an, sie ist Orientierung, sie konstituiert unser Denken. Sie ist unser Werkzeugkasten, mundgerecht und mobil. Permanent bei uns und bereit, zur Problemlösung beizutragen. Es mag wie ein Kalenderspruch klingen, aber: Wer laut brüllt, wird gehört. Wer sich gewählt ausdrückt, wird verstanden – die einfachste Handlungsmaxime zum Lebensglück. 

Foto-Serie mit 12 Bildern

Rassismus, die No-go-Area der deutschen Sprache

Denn ja, auch das ist Sprache: Sie kann verletzen, erniedrigen, diffamieren. Niemand kann verhehlen, dass es deutsche Ausdrücke gibt, die so schroff und roh sind, dass sie in der gesellschaftlichen Mitte unseres Landes nicht akzeptiert werden. Doch vor allem für einen Bereich der Sprache gilt in unserer Gesellschaft das Motto „No-go-Area“: Halte dich fern von rassistischen Äußerungen. Rassismus hat in unserer Sprache nichts verloren. Nur wer seine Sprache anpasst, kann auch seine Gedanken ändern.

Denn wer rassistisch spricht, bei dem stellt sich die Frage: Wie voll von Ressentiments und Vorurteilen mag dann erst seine Gedankenwelt sein? „Sie hätte alles sagen können, beleidige mich, mach alles, was du willst, aber lass die Hautfarbe aus dem Spiel“, gab daher Linda Nobat gestern in der RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ fassungslos zu Protokoll, nachdem sie einen Spruch zu hören bekam, der vor Rassismus nur so strotzte. 

Ein Millionenpublikum sah die Entgleisung von Janina

Man mag diesen Satz gar nicht zitieren, so schändlich ist er. Aber es muss sein. Ein jeder soll wissen: Wer so redet, gehört nicht zu uns – und tritt unsere Werte mit Füßen. „Geh doch zurück in den Busch, wo du hingehörst“, giftete Janina Youssefian, einstmals als angebliche „Teppichluder“-Affäre von Dieter Bohlen bekannt geworden, gegen ihre Kontrahentin. 

Für einen Moment stand die Welt im Dschungel still. 

Die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Show waren überfordert, schockiert – angeekelt. „Hat sie das gerade wirklich gesagt?“, stand in ihren Augen geschrieben, groß und grell. 3,84 Millionen Menschen schauten am Montagabend bei RTL zu, als dieser unsägliche Kommentar die zehn Mitinsassen am Lagerfeuer, aber auch die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich sprachlos zurückließ. Man muss sich das vergegenwärtigen: Fast jeder dritte Fernsehzuschauer, der gestern um 22.15 Uhr noch vor der Glotze saß, sah, wie eine 39-jährige Deutsch-Iranerin eine 27 Jahre alte Frau mit kamerunischen Wurzeln herabwürdigte. 

Am Vortag machten sie gemeinsam eine Prüfung, dann platzte die Bombe. (Quelle: RTL)

Zuvor flogen die Fetzen, es wurden üble Beleidigungen ausgesprochen, die Emotionen kochten hoch. Eine Ausnahmesituation. Und dennoch war es nur dieser eine Satz, der alles veränderte. Der Janina Youssefian ins Abseits manövrierte und deutlich machte, wie rückständig sie denkt.

Das Problem: Youssefian verstand gar nicht, worin das Problem lag. Als eine Kandidatin sie auf ihren Fehler hinwies, reagierte sie pampig. Hört mal! Sie sei doch auch als „Bitch“ betitelt worden – so die Ausflucht. 

RTL ließ das nicht gelten. Richtigerweise schickte der Sender die 39-Jährige umgehend nach Hause. „RTL duldet ein derartiges Verhalten nicht (…) Das Dschungelcamp gibt Personen, die dieser Haltung nicht entsprechen, keine Bühne“, hieß es als Begründung. Gut so. Thema abgehakt. Alles wieder eitel Sonnenschein. War ja eh nur das Dschungelcamp. Also diese Trash-Show fürs niedere Volk, voll mit Gossensprache und einer Inszenierungsform, die es um des Effekts willen immer schon auf Erniedrigung abgesehen hat. 

Pustekuchen! 

Wer diesen Rassismus-Eklat im Dschungel Südafrikas nun als Ausnahme abtut und vorgibt, solche verbalen Entgleisungen seien nur in der Show-Dynamik krawalliger Unterhaltungsformate möglich, irrt gewaltig. Der einzige Unterschied zum sprachlichen Alltag, in dem rassistische Untertöne oder sprachliche Grenzüberschreitungen immer noch viel zu häufig vorkommen, ist die Aufmerksamkeit, die ihnen nun gewidmet wird. 

Dort wo Sprache ist, beginnt die Wirklichkeit

Wenn Harald XY zu Max Mustermann mal wieder das N-Wort sagt und auf den Fernseher zeigt, um seinem Kumpel zu zeigen, wen er meint, kriegt das nur keiner mit. Aber ist das weniger schlimm? Stört es gar nicht, von „Fremdenhass“ zu sprechen, wenn eigentlich Rassismus gemeint ist, man aber die Menschen, über die man spricht, zu Fremden macht – ohne zu wissen, woher sie kommen? Doch, es stört: Denn dort wo Sprache ist, beginnt die Wirklichkeit. Wie wir miteinander und übereinander reden, so leben wir auch zusammen.

Niemand muss in diesem Kommentar Angst haben, dass gleich die viel beschworene „Sprachpolizei“ aufkreuzt, ein Absperrband zieht mit dem Aufdruck „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ und dahinter ein Vokabular einkesselt, das fortan zu mehrjähriger Gefängnisstrafe und Verbannung führen wird. Nein: Dieser Text hier möchte nur sensibilisieren und deutlich machen, dass Rassismus in unserer Sprache leider noch viel zu häufig Platz findet – ob bewusst oder unbewusst.

Der Fachjargon für den Busch-Ausspruch von Frau Youssefian und ebenso für Ausdrücke wie das N-Wort lautet: „Othering“. Menschen werden als andersartig erklärt, herabgestuft und nicht zur vermeintlichen Norm gezählt. Eine Erniedrigung, die einem kolonialistischen Zeitgeist entspringt: Hier die weißen Gutsherren, dort die Nicht-Weißen, die sich unterzuordnen haben.

Sprache: „Nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da“

Unsere Sprache ist viel zu mächtig, als dass wir zulassen dürften, dass mit ihr solch Schindluder getrieben wird. Wie sagte es der von den Nazis verfolgte jüdische Romanist und Politiker Victor Klemperer einst in seiner Abhandlung „Sprache des Dritten Reiches“? Wörter seien wie Arsendosen, eine Kapsel mit gefährlichem chemischen Gebräu: „Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“

Wir dürfen nicht tolerieren, dass dieses Gift in unsere Gesellschaft geträufelt wird. Ob im Dschungelcamp, vermeintlich weit weg von unserem Alltag, oder hier und jetzt: am Arbeitsplatz, auf der Couch, an der Supermarktkasse, in der Schule, auf den Sportplätzen, an Rasthöfen und in den Chats und Kommentarspalten der sozialen Medien. Mit unserer Sprache entscheiden wir über unser menschliches Miteinander: Wir können diskriminieren – oder Respekt zeigen. Entscheiden wir uns für Letzteres. 



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