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Luke Skywalker, ich bin dein Vater | ZEIT ONLINE

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Standardsituationen wollen originell ausgeführt werden. Das
ist im Fußball so und im
ARD-Sonntagabendkrimi nicht anders. Dort geht es um Freistöße und Ecken, hier
um die entscheidende Frage: Wo kommt nur die Leiche her, die alles
Ermittlungshandeln in Gang setzt?

Die neue Rostocker Polizeiruf-Folge Söhne
Rostocks
(NDR-Redaktion: Daniela Mussgiller) überrascht mit einer unbekannten
Variante, die etwas Komisches hat. Bukoff (Charly Hübner) wird aus seinem
nächtlichen Blues am Flussufer mit Rotwein von der Funkmeldung geweckt, es liege
ein Einbruch in einer Villa um die Ecke vor. Dort angekommen trifft er auf
Michael Norden (Tilman Strauß), einen Zeitarbeitsfirmengründer, der zur
Hautevolee der Hansestadt gerechnet und deshalb vom Polizisten erkannt wird.
Vom Einbruch will Norden aber nichts mitbekommen haben, Bukoff schaut sich
sicherheitshalber um, bis ihn verdächtige Geräusche wieder nach draußen führen
– wo ihm dann die Leiche in Gestalt von Fränki Fischer (Patrick Eble) in die
Arme läuft. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Polizeiruf: Der
Kommissar sucht sich seinen Fall selbst.

Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über „Tatort“ und „Polizeiruf 110“. Auf ZEIT ONLINE seit 2016 in der Kolumne „Der Obduktionsbericht“.
© Daniel Seiffert

Und wird erst mal unter ihm begraben. Den Moment, in dem
Bukoff mit dem Körper des Toten beschäftigt ist, eines Freunds des Villenbesitzers,
wie sich herausstellt, nutzt Norden zur Flucht. Woraus sich Söhne
Rostocks
dann eine recht spannende Ausgangslage schnitzt (Drehbuch:
Markus Busch, Regie: Christian von Castelberg): Norden muss gefunden werden,
ein Mörder muss gefunden werden, und offen ist, ob es sich dabei um ein und
dieselbe Person handelt.

Das ist tatsächlich spannend, weil der flüchtige Norden im
Zuge der Ermittlungen an Kontur gewinnt. Ein ruppiger Aufsteiger, der auch
dahin geht, wo es im Kapitalismus wehtut (Konkurrenz), und dessen Vergangenheit
in Form eines unbekannten Sohnes und eines obdachlos in Belgien verstorbenen
Vaters den Spagat zwischen dem Oben und Unten in der „Leistungsgesellschaft“
(Christian Lindner) anschaulich werden lässt.

Der Auflösung gelingt es dann leider nicht so recht, unter
den vielen möglichen Wegen zur Erklärung des Falls einen zu finden, der im
Finale eine eigene Brisanz entwickelt. Norden hatte Fränki ein Termingeschäft
geklaut, das Fränki dann mit Nordens Business-Ziehvater Stefan Larges (der
Ernst Bloch des Prinzips Profit: Germain Wagner) durchziehen wollte. Als Fränki
wiederum erfuhr, dass Larges ihn nur benutzt, um Norden zu zeigen, wo Bartel
den Most holt, wendete er sich gegen Larges, der mit einem Auftragskiller
konterte – die Folgen sind vom Beginn des Films bekannt.

Die Sache ist deshalb auch so kompliziert und weitschweifig,
weil die Falllösung vom Geständnis Nordens besorgt werden muss. Hier rächt
sich in gewisser Weise, dass vorher der Fokus auf Norden lang, sich Figuren wie
Larges oder auch der Auftragskiller nicht aus eigener Kraft verdächtig oder
auch nur interessant machen konnten, weil sie im Hintergrund agierten.

Aber: Jammern gibt’s schon. Söhne
Rostocks

gefällt, weil der Krimi tatsächlich Ermittlung zeigt. Weil er den Dialogen mehr
Raum gibt, als es in den ARD-Sonntagabendkrimi-Folgen der Fall ist, die sich
von dauernden Szenenwechseln einen Platz in der Straße der Besten erhoffen – Stichwort:
Action, Hashtag: blossnichtlangweilen.



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Die „Völkerfreundschaft“ – Urlauberschiff der DDR | NDR.de – Geschichte

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Stand: 24.02.2020 09:17 Uhr
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Nordmagazin

von Henning Strüber, NDR.de

Nicht erst seit der AIDA-Reederei ist in Rostock die Kreuzfahrtschifffahrt zu Hause. Schon zu DDR-Zeiten stechen in der Hansestadt Urlauberschiffe in See, auf denen die „werktätige Bevölkerung“ und „verdiente Aktivisten“ in den Ostseeraum oder zum Schwarzen Meer reisen. Auch Sportler der Olympiamannschaft der DDR gehen an Bord. Die „MS Völkerfreundschaft“ ist das erste dieser sozialistischen Traumschiffe. Zusammen mit der nach dem Spartakus-Mitbegründer und Komintern-Funktionär benannten „Fritz Heckert“, dem einzigen Neubau eines Kreuzfahrtschiffes in der DDR, wird die „Völkerfreundschaft“ ab 1960 eingesetzt. Später kommt noch die „MS Arkona“ hinzu, die als „MS Astor“ auch das TV-Traumschiff des ZDF war.

Unterwegs auf der MS „Völkerfreundschaft“

Das „Unglücksschiff“ wird Urlauberschiff

Schon vor seiner ersten Fahrt unter DDR-Flagge im Februar hatte das Schiff traurige Berühmtheit erlangt. Am 25. Juli 1956 war es als „Stockholm“ noch unter schwedischer Flagge in einer Nebelbank vor der US-Ostküste mit dem doppelt so großen Liner „Andrea Doria“ kollidiert. Während das italienische Schiff sank – 51 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben (fünf davon auf der „Stockholm“) – erreichte der beschädigte Havarist New York und wurde repariert. 1960 kauft die DDR das Schiff für 20 Millionen Kronen.

Technische Daten der „Völkerfreundschaft“

Baujahr: 1948
Gesamtlänge: 160,07 Meter
Breite: 21,03 Meter
Vermessung: 12.442 BRT
Besatzung: 220
Passagierzahl: 550
Maximale Geschwindigkeit: 19 Knoten
Nation: DDR (1960-1985)
Heimathafen: Rostock (1960-1985)

Rauchen im Salon, Volleyball auf dem Oberdeck

Am 24. Februar 1960 bricht die vom AIDA-Vorgänger Deutsche Seereederei Rostock (DSR) bereederte „Völkerfreundschaft“ schließlich zu ihrer ersten großen Fahrt ins Mittelmeer auf. Zuvor wird das sozialistische Traumschiff aber umgebaut. Es soll in puncto Luxus den Bauten des Klassenfeindes in nichts nachstehen. Es gibt ein Außen- und ein Innenschwimmbad, einen Frisiersalon, Rauchsalon und ein Verandakaffee mit großer Tanzfläche, in einem Kinosaal für 180 Besucher werden die neuesten Filme aus DEFA-Produktionen gezeigt. Wer es sportlich mag, kann Tischtennis spielen oder auf dem Oberdeck Volleybälle schmettern. Der Ball ist an einer Sehne befestigt, damit er nicht über Bord gehen kann.

Ehemaliger Stewart erinnert sich


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Reinhard Brandt fuhr von 1976 bis 1981 auf der „MS Völkerfreundschaft“.

„Aber das ganze Entertainment, so wie es heutzutage auf den modernen Kreuzfahrtschiffen Standard ist, das gab es noch nicht“, sagt Reinhard Brandt. Der Schweriner ist von 1975 bis 1981 als Stewart auf Schiff – bis ihm die Staatssicherheit sein Seefahrtsbuch wegnimmt, weil ein Freund einen Ausreiseantrag gestellt hat. Brandt erinnert sich gern zurück: „Das war eine sehr interessante Zeit: Seefahrt zu den Bedingungen der DDR. Es war die einzige Möglichkeit, das Land legal zu verlassen.“ Als Stewart ist es Brandts Aufgabe, sich um die Gäste zu kümmern. „Das war von morgens bis abends schwere Arbeit.“

Ostsee, Schwarzes Meer, Karibik

Im Frühjahr und Herbst stehen Reisen für den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) auf dem Programm, im Winter wird das Schiff zeitweilig an die schwedische Stena-Line verchartert, denn die DDR leidet chronisch unter Devisenmangel – und die West-Kundschaft zahlt gut. Anfang Mai beginnt die Ostseesaison. Eine Reise dauert stets zwei Wochen und führt in Häfen der befreundeten sozialistischen Bruderstaaten. So geht es von Rostock über Gdynia bis ins frühere Leningrad. Zurück im Heimathafen steht gleich der nächste Passagierwechsel an. „Als Besatzung ist man sechs bis acht Wochen mitgefahren und hat dann eben mal vier Wochen frei gehabt“, sagt Brandt.

Fluchtgefahr in engen Passagen


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Die „Völkerfreundschaft“ legte auch im jugoslawischen Dubrovnik an.

Im September und Oktober steuert das Schiff südliche Gefilde an. Ihre Rundreisen durchs Schwarze Meer führen es von Varna über Jalta nach Sotschi und wieder zurück. „Später hat man das verkürzt, weil man diese Fahrten durchs Mittelmeer nicht mehr wollte. Da durften dann ja nur ganz bestimmte Leute mitfahren.“ Denn stets fährt bei den Staatsrepräsentanten – ein Politoffizier der Staatssicherheit ist immer mit an Bord – die Angst mit, Passagiere oder Besatzungsmitglieder könnten die Gelegenheit zur Flucht nutzen, was in einigen Fällen auch geschieht. „Deshalb hielten bei engen Passagen wie etwa der Durchfahrt durch den Bosporus immer Leute von der Besatzung Wache, dass keiner über Bord springt“, sagt Brandt.

„Jeder Tag ein Highlight“

Dann folgen Kuba-Reisen, ehe die Charter-Reisen der Schweden anstehen. Im Frühjahr nimmt das Schiff in der Regel eine mehrwöchige Werftzeit in Wismar, „es war ja schon etwas betagter“, erinnert sich Brandt. Die Charter-Fahrten – meist mit skandinavischen Gästen an Bord – gefallen Brandt besonders gut: „Da waren sehr interessante Häfen dabei: die gesamten Kleinen Antillen, die Karibik, von Grenada bis zu den Jungferninseln, die Kanarischen Inseln, überhaupt das gesamte Mittelmeer – es war jeder Tag ein Highlight. Wir haben es uns schon schön gemacht.“ Ab und zu darf die Besatzung beim Volleyball gegen die Gäste antreten. Und wenn einmal sämtliche Passagiere von Bord gegangen sind, was selten vorkommt, feiert die Besatzung auch mal eine kleine Party, wie Brandt noch gut weiß: „Wir haben dann auch mal einen bayerischen Abend gemacht.“

Die wechselnden Namen der „Völkerfreundschaft“

1946-1960: „Stockholm“ (Schweden)
1960-1985 „Völkerfreundschaft“ (DDR)
1985-1986 „Volker“
1986-1989 „Fridtjof Nansen“
1989-1992 „Surriento“
1993 „Italia I“
1993-2000 „Italia Prima“
2000-2003 „Valtur Prima“
2003-2005 „Caribe“
2005-2012 „Athena“
2013-2015 „Azores“
ab 2016: „Astoria“

Im Brennpunkt des Weltgeschehens

Doch das eisige Klima des Kalten Krieges ist auch an Deck spürbar. Auf ihren Fahrten zwischen Ostsee und Westindischen Inseln gerät die „Völkerfreundschaft“ mehrmals zwischen die Fronten des Ost-West-Konflikts. Auf dem Weg nach Kuba im Oktober 1962 durchfährt das mit FDGB- und tschechischen Urlaubern besetzte Schiff die amerikanische Blockadelinie. Drei Stunden lang wird es von einem US-Zerstörer begleitet – in zwei Seemeilen Abstand. Das Kriegsschiff dreht schließlich ab und die „Völkerfreundschaft“ erreicht unversehrt die kubanische Hauptstadt Havanna. Sechs Jahre später kommt es in der Ostsee zu einem Zwischenfall, als das Kreuzfahrtschiff mit einem westdeutschen U-Boot-Jäger kollidiert, der gerade einen „Republikflüchtling“ aufnehmen will. Ebenfalls in der Ostsee stößt die „Völkerfreundschaft“ 1983 mit einem U-Boot der Bundesmarine zusammen. Die Vorfälle gehen glimpflich aus.

Filmstar in Rostock, Model im Netz


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Bis heute wird die frühere „Völkerfreundschaft“ als „MS Azores“ im Kreuzfahrtdienst eingesetzt.

Doch der Zahn der Zeit nagt unverkennbar an dem Schiffs-Oldie. Zudem rentiert sich der Betrieb des Schiffes nicht. Die „Völkerfreundschaft“ wird zum Zuschussgeschäft für die klamme DDR-Staatskasse. Doch kurz vor ihrer Außerdienststellung wird ihr noch eine besondere Ehre zuteil. Das Urlauberschiff dient als Kulisse für die Außenaufnahmen des DFF-Streifens „Die Rache des Kapitäns Mitchell“. Im Januar 1985 wird die renovierungsbedürftige „Völkerfreundschaft“ verkauft – nach 25 Jahren auf den Weltmeeren mit 117 angelaufenen Häfen in 51 Ländern und einer zurückgelegten Strecke, die 68 Erdumrundungen entspricht. In den Jahren darauf folgen mehrfache Umbauten – unter wechselnden Namen und Eigentümern. Bis heute ist sie das am längsten im Dienst befindliche Transatlantik-Schiff der Welt.

Rückkehr nach Rostock als „MS Azores“

Ein Stück weit ist die „Völkerfreundschaft“ ihrer Heimat bis heute erhalten geblieben. So stattet sie im Sommer 2015 als „MS Azores“ mit Hunderten Kreuzfahrtgästen an Bord ihrem alten Heimathafen noch einmal einen Besuch ab. Drei Jahre später legte sie erneut in Mecklenburg-Vorpommern an, diesmal in Wismar. Unter dem Namen „Astoria“ fährt sie nun mit bis zu 550 Passagieren für eine britische Reederei. Außerdem schippert ein Modell des Kreuzfahrtschiff-Urgesteins im Virtuellen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommerns durch die Weiten des Internets.

Weitere Informationen

Traditionsschiffe sind die optischen Höhepunkte bei Hafenfesten und Großseglertreffen. Eine Auswahl geschichtsträchtiger Großsegler und Dampfschiffe im Porträt.
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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin |
14.04.2018 | 19:30 Uhr

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Stresstest der Apokalypse | ZEIT ONLINE

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Die bekannteste (und politisch folgenreichste) Katastrophenbildsequenz des 21. Jahrhunderts zeigt zwei gekaperte Boeing-Maschinen, die nacheinander in die Türme des World Trade Center geflogen werden. Die qualmenden und schließlich in sich zusammensackenden Türme: ein ins kollektive Gedächtnis gebrannter Albtraum. Und doch längst vergangen. Schon kommen die ersten Kinder zur Welt, deren Eltern am 11. September 2001 noch nicht geboren waren.

Ist es Zeit, das „Versinken des 11. September in die Untiefen der Geschichte hinauszuzögern“? Das findet Mitchell Zuckoff. Sein Buch 9/11. Der Tag, an dem die Welt stehen blieb ist 700 Seiten dick und den Aussagen von ungefähr 1200 Zeitzeugen verpflichtet, die er im Bericht der 9/11-Untersuchungskommission studiert und durch eigene Interviews erweitert hat. Bereits am Katastrophentag selbst berichtete Zuckoff, der heute Professor für Journalismus ist, als Reporter für den Boston Globe; aus dieser Arbeit ging das nun erschienene Buch letztlich hervor. Kein Schnellschuss also. Trotzdem ein Schuss in den Ofen.

Streng faktengetreu, beteuert der Autor, erzähle er nichts als eine „wahre Geschichte“. Beginnend am Vortag des 11. September, legt er den Fokus auf den kurzen Moment der Katastrophe. All das zwischen 7.59 und 11.02 Uhr: Start und Entführung der Maschinen, die von Boston, Washington, D. C., und Newark planmäßig in Richtung Los Angeles und San Francisco geflogen wären; zwei Einschläge im World Trade Center, einer im Pentagon; Absturz des vierten Flugzeugs im ländlichen Pennsylvania; Einsturz der Zwillingstürme des World Trade Center. Zuckoff rekapituliert, wie die insgesamt 19 Attentäter samt ihren Messern die Flughafenkontrollen passierten, die Lotsen auf die bald abweichenden Flugrouten aufmerksam wurden, wie ein heilloses Kommunikationschaos, unklare Kommandoketten und fehlende Notfallpläne jede Reaktion blockierten und auch die unkoordinierten Rettungsversuche an den brennenden Twin Towers viele Menschenleben kosteten.

Angesichts der bereits überbordenden Literatur zum Thema bleibt unklar, welche Neuigkeiten hier nachgetragen werden. Zwar benennt Zuckoff das multiple Systemversagen ziviler und staatlicher Stellen, er fragt aber nicht nach den Ursachen. Über die Terroristen erfährt man kaum mehr, als dass sie „auf Mord aus waren und zu Märtyrern werden wollten“. Ein analytischerer Blick hätte die zutiefst mittelalterliche Mission dieses Autors auch wohl eher gestört. Zuckoff scheidet das Licht von der Finsternis und feiert den heroischen Patriotismus im Stresstest der Apokalypse. Das Defilee seiner Protagonisten geht in die Hunderte, ein „Querschnitt des amerikanischen Lebens“ – und dabei das Antlitz purer Reinherzigkeit („Juliana war blond, hatte große Augen und porzellanfarbene Haut und liebte alle Lebewesen, ob groß oder klein“). Oder soldatischen Heldenmutes: „Bevor er Feuer bekämpfte, hatte er als Marine Sergeant in Vietnam gedient. Auch Jahrzehnte später konnte Paddy Brown es noch immer kaum erwarten, den nächsten Hügel einzunehmen.“

Sitz für Sitz arbeitet sich der Autor durch die Passagierlisten der Flugzeuge, er berichtet, in welcher konkreten Lebenslage auch die Feuerwehrmänner, Helfer, Geschäftsleute von den Anschlägen überrascht wurden. Unter dem dunklen Stern der dräuenden Katastrophe mutieren deren letzte Alltagsverrichtungen zum Sakrament.

Dass die Passagiere des Fluges 93 den Absturz ihrer Maschine erzwungen und so einen wahrscheinlich geplanten Einschlag ins Kapitol in Washington vereitelt haben, ist für Zuckoff der trostspendende Beweis, dass nicht nur der Islam noch Märtyrer erschafft: „Alle von ihnen verdienen es, dass wir sie ehren und als Zivilisten in Erinnerung behalten, die zu Kriegern wurden (…). Wenn es einen Himmel gibt, dann warten dort Lizz Wainios Großmütter darauf, jeden einzelnen von ihnen zu begrüßen.“

Nun steht nicht fest, wie viel patriotischen Bullshit eine Reportage verträgt. Warum aber schreibt der Journalismusprofessor: „Wäre nicht das Leuchten seiner dunklen Augen gewesen, hätte Mohammed Atta leicht übersehen werden können“? Spazierte der Attentäter nicht völlig unerkannt durch die Kontrolle? Sein unheilschwangerer Blick: das dramaturgische Salz in der Suppe? Was heißt es, wenn Zuckoff den Pentagon-Gärtner ein Ding der reinen Unmöglichkeit behaupten lässt? Er habe vom Boden aus in die Fenster der mit 216 Metern pro Sekunde heranrasenden Boeing geschaut und könne mit Sicherheit sagen, dass die Gesichter der Passagiere „leer und verzweifelt“ aussahen. Es heißt, dass Mitchell Zuckoff seine Leser für dumm verkauft. Mit einer Effekthascherei, die bei nur wenigen Anlässen derart frivol wäre wie in dieser Darstellung des 11. September.

Mitchell Zuckoff: 9/11. Der Tag, an dem die Welt stehen blieb; aus dem Englischen von Tobias Schnettler; Fischer Verlag, Frankfurt 2020; 704 S., 28,– €, als E-Book 18,99 €



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