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„Licorice Pizza“: eine hinreißende Kinoromanze

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Ein grandioser Fall von Selbstüberschätzung muss hier vorliegen. Oder wie sonst soll man diese unwahrscheinliche Anmache interpretieren? Pickelig, mit pomadiger Stirntolle und ein wenig pummelig steht das Jüngelchen in der Warteschlange. Federnden Schrittes kommt ihm die junge Frau im Minirock entgegen, einen Spiegel in der Hand. Alana (Alana Haim) ist die Assistentin des Schulfotografen, Gary (Cooper Hoffman) ist einer jener zu fotografierenden Pennäler.

Gary stoppt die junge Frau. Aber es geht ihm nicht um einen letzten Kontrollblick in den Spiegel, den Alana allen Wartenden hinhält. Mit seinen Pickeln hat er sich gerade schon vor dem Toilettenspiegel konfrontiert. Er nutzt die Gunst der Sekunde, um Alana mal eben zum Abendessen einzuladen.

Ungläubige Amüsiertheit breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Und doch: Die galante Dreistigkeit des 15-Jährigen scheint der um zehn Jahre Älteren zu imponieren. Leisten kann Gary sich zu ihrer Überraschung die Einladung auch: Als Kinderschauspieler und Geschäftsmann – nun ja: Geschäftsjüngling – mit lauter verrückten Ideen verfügt er schon über ein Einkommen.

So beginnt Paul Thomas Andersons Romanze „Licorice Pizza“ – und diese bietet mehr als die übliche Teenie-Liebelei. Auch wenn die Behauptung im Januar verwegen klingen mag: Es handelt sich um einen der schönsten Liebesfilme des Kinojahres 2022.

Ungewöhnliches Paar

Im Zentrum steht ein ungewöhnliches Paar, verkörpert vom Sohn des 2014 verstorbenen Oscarpreisträgers Philip Seymour Hoffman, einst ein Anderson-Stammschauspieler, und einer Musikerin, bekannt aus der Rockband Haim mit den drei Schwestern Alana, Danielle und Este Haim. Die beiden Protagonisten entsprechen so gar nicht dem üblichen Liebesfilmpersonal, wirken durchschnittlich und doch besonders. Vielleicht macht gerade das ihren Reiz aus.

Der Ausnahmeregisseur Anderson ist zurückgekehrt ins San Fernando Valley, jenen Talkessel im Einzugsgebiet von Los Angeles, den er so gut kennt wie kaum ein anderer. Hier ist Anderson aufgewachsen, hier begann seine Karriere mit „Boogie Nights“(1997), einer Familiengeschichte aus der Pornobranche. Auch sein Meisterwerk „Magnolia“ (1999) war hier angesiedelt, ebenso die bittersüße Liebesgeschichte „Punch-Drunk Love“ (2002).

Tom Cruise als Penisfetischist

Wer sich nicht mehr an „Magnolia“ erinnert: Das war der Film, in dem Superstar Tom Cruise als wild gewordener Penisfetischist auf einer Bühne herumsprang und in dem es Frösche vom Himmel regnete. Zuletzt hatte Anderson in England 2017 „Der seidene Faden“ mit Daniel Day-Lewis als besessenem Schneider gedreht.

Gegen diese epischen Werke – dazu gehört unbedingt noch das kapitalismuskritische Ölbohrerdrama „There will be Blood“ (2007), ebenfalls mit Day Lewis – mutet „Licorice Pizza“ bescheiden an. Doch eines verbindet die Filme: Auch im aktuellen bettet der US-Regisseur seine unangestrengte Geschichte liebevoll in ihre Zeit ein. Wir schreiben das Jahr 1973. Das wissen wir, weil in den Lichtspielhäusern von Los Angeles der James-Bond-Film „Leben und sterben lassen“ läuft.

Bald bringt die Ölkrise alle Räder zum Stehen. An einer Tankstelle steht: „Benzin ist alle, leih dir ein Fahrrad!“ Auch das Impeachment gegen US-Präident Richard Nixon bahnt sich schon an.

Manches davon erhaschen wir im Vorbeilaufen. Denn auch wenn nicht viel passiert, ist das womöglich künftige Liebespaar doch oft im Sprint im San Fernando Valley unterwegs, vom Regisseur gefilmt in seinen berühmten, langen Plansequenzen, also ohne jeden Schnitt.

Mancher Erwachsene operiert an der Grenze des Wahnsinns – und wird von echter Hollywoodprominenz gespielt: Sean Penn gibt eine beklagenswerte Version des von vergangenem Ruhm zehrenden Schauspielers William Holden, Bradley Cooper den schrillen Barbra-Streisand-Geliebten Jon Peters.

Doch sie sind nur Randfiguren. Die episodenhafte Geschichte gehört dem Nachwuchs. Alana und Gery kommen sich näher und entfernen sich wieder voneinander, lernen die Eifersucht kennen und suchen ihren Platz im Leben. Letzteres trifft zuerst auf Alana zu. Um Gery muss sich niemand Sorgen machen. Man vergisst schnell, sich darüber zu wundern, was er in seinem Alter alles so anpackt.

Bald schon trägt Gery mit Unterstützung seiner Eltern dazu bei, die neuesten Freizeiterrungenschaften an Mann und Frau zu bringen: Wasserbetten und Flipperautomaten. In der Schule sieht man ihn fortan nicht mehr, dafür bei absonderlichen Fernsehevents mit Alana.

Regisseur Anderson bringt es fertig, in diesem ganz eigenen Paargeplänkel ein wenig Romantik unterzubringen. Beine berühren sich unter einem Tisch, zwei Münder nähern sich versuchsweise zum Kuss.

Gewissermaßen hat der Regisseur ein neues Subgenre erfunden: eine Teenieromanze für erwachsene Zuschauer.

„Licorice Pizza“, Regie: Paul Thomas Anderson, mit Alana Haim, Cooper Hoffman, Sean Penn, Bradley Cooper, Tom Waits, 133 Minuten, FSK 12



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Luxushotels, Networking und Bastian Baker

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Das Dolder Grand stellt sich vor. ©LS

Am 19. Mai 2022 empfingen die Leading Hotels auf ihrer Roadshow Kollegen und Partner bei einem Networking-Event. Rund 30 der 400 Hotels aus dem Leading Hotels-Verband stellten sich im Zürcher Hotel Widder vor.

Viele nutzten die Corona-Zeit, um Teilen ihres Hotels frischen Wind einzuhauchen. So berichtet Deniz Gruska vom Hotel Palace Berlin, dass sie das Innendesign ihrer Business-Zimmer generalüberholt haben und diese sich nun besser in das Gesamtlayout des Hotels einfügen. Und auch das Hotel Marbella Club in Málaga hat ihre Villen in der Zeit zum zentralen Produkt auf ihrem Gelände herausgearbeitet, schwärmt Andrea Surrà von ihrem Produkt. Für Isabelle Bouvier, General Managerin vom Royal Palm Beachcomber Hotel auf Mauritius, stehen Auffrischungs-Arbeiten erst noch bevor, verrät sie TRAVEL INSIDE. Unter anderem sei ein eigenes Programm für Teenager geplant.

Lucy Fröhlich vom Gstaad Palace im Berner Oberland berichtet, dass sie in den Pandemie-Jahren durchaus vom Inlandstourismus profitieren konnten. Schweizer stellten generell schon die meisten Besucher und während Corona habe dies noch mehr zugenommen.

Auch weitere, bekannte Hotelgrössen waren auf dem Event vertreten, wie das Hotel Bayerischer Hof in München, das The Ritz in London oder das Excelsior Hotel Ernst in Köln. Daniela Bodenstein, Sales Managerin vom Excelsior, schwärmte von dem besten Haus am Domplatz, in dem jedes Zimmer anders geschnitten ist und sich wie ein Stück zu Hause anfühlen soll. Als Geheimtipps gab sie TRAVEL INSIDE den Afternoon Tea im Wintergarten des Hotels mit und legte den Gin Tonic in der Piano Bar ans Herz, der der beste der Stadt sei.

Neben einem Flying Dinner freuten sich ausgewählte Gäste über ihre Hotelgewinne zu Häusern der anwesenden Leading Hotels-Partner. Die überraschende Showeinlage des Abends kam von Schweizer Singer-Songwriter Bastian Baker. «Ich habe gerade kurz Pause im Zirkus Knie, da wollte ich schnell vorbei kommen», scherzte er und gab ein paar seiner Songs zum Besten.

Luisa Schmidt



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Sonntagabend-Krimi: Meret Beckers Abschied aus dem «Tatort»

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Sonntagabend-Krimi
Meret Beckers Abschied aus dem «Tatort»

Nina Rubin (Meret Becker) in einer Szene des ARD-Krimis «Tatort – Das Mädchen, das allein nach Haus‘ geht». Foto: Hans Joachim Pfeiffer/rbb/ARD/dpa

© dpa-infocom GmbH

Meret Becker hört beim Berliner «Tatort» auf und hat sich mit einem dramatischen Finale verabschiedet. Deutsche Krimifans haben schon öfters Kommissare sterben gesehen. Manchmal ist das Ende kurios.

Wenn ein Schauspieler nach langer Zeit aus einer Rolle ausscheidet, dann tüfteln Drehbuchautoren oft: Wie kann der Abschied aussehen? Bei Schauspielerin Meret Becker war es endgültig.

Sie hat sich am Sonntagabend mit einem dramatischen Finale als Kommissarin Nina Rubin vom Berliner «Tatort»-Krimi im Ersten verabschiedet.

Am Ende der Folge «Das Mädchen, das allein nach Haus‘ geht», wird sie nach einem Showdown auf dem Flughafen von einem russischen Mafioso erschossen. Ihr Kollege Robert Karow (Mark Waschke) trägt sie in seinen Armen übers Flugfeld und und ruft verzweifelt: «Nina, nicht einschlafen!» Vergebens. In der letzten Szene ist zu sehen, wie die Polizeikollegen vor einem Foto von Rubin mit Trauerflor innehalten.

Ära geht zu Ende

Mit Beckers Abschied geht beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) eine «Tatort»-Ära zu Ende, die mit «Das Muli» 2015 begonnen hat. Dass sie aufhört, ist seit 2019 bekannt. Waschke wird in der nächsten Folge («Das Opfer») solo ermitteln. Beckers Nachfolgerin wird Corinna Harfouch.

Wenn Kommissare den Serientod sterben: Krimi-Fans kennen das. Im Februar fiel die Dortmunder Hauptkommissarin Martina Bönisch in der «Tatort»-Episode «Liebe mich» im dramatischen Finale eines tragischen Falls gezielten Schüssen zum Opfer. Damit verabschiedete sich Darstellerin Anna Schudt nach insgesamt 22 Einsätzen vom Ermittler-Team aus dem Ruhrgebiet.

Fans des Sonntagabend-Krimis der ARD mussten zuletzt einige Abschiede verkraften. Allein aus dem vierköpfigen Dortmund-Team ließ sich erst Daniel Kossik (Stefan Konarske) versetzen, dann quittierte Nora Dalay (Aylin Tezel) den Dienst. Im Rostocker «Polizeiruf 110» – ebenfalls im Ersten zu sehen – hängte zu Jahresanfang der von Charly Hübner gespielte Kommissar Sascha Bukow den Polizeiberuf an den Nagel. Im Jahr davor schied Maria Simon als Olga Lenski aus dem «Polizeiruf» aus – nach zehn Jahren als Ermittlerin in Brandenburg.

Dramatische Abschiede keine Seltenheit

Dramatischer verliefen die Abschiede vom «Tatort» in jüngerer Zeit: In der elften Folge des Weimar-«Tatorts», erstausgestrahlt an Neujahr 2021, stirbt Kommissar Lessing (Christian Ulmen) im Einsatz – auch wenn seine Frau und Kollegin Kira Dorn (Nora Tschirner) ihn zunächst noch an ihrer Seite wähnt. Ganze 17 Jahre gehörte Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) zum Münster-Team von Frank Thiel (Axel Prahl) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), bevor sie 2020 in der WDR-Produktion «Das Team» – einer Folge mit Ermittlern verschiedener Standorte und ohne festes Drehbuch – erschlagen wurde.

Das Ausscheiden eines TV-Kommissars aus einer Krimiserie hat im deutschen Fernsehen schon viele Varianten erlebt. Ein kleiner Schock für das Publikum waren etwa die tödlichen Schüsse auf ZDF-Kommissar Erwin Köster (Siegfried Lowitz) 1986. Der Schütze in dem Krimi war übrigens der spätere James-Bond-Bösewicht Christoph Waltz. ZDF-Kommissarin Lisa Wagner hatte 2021 als Winnie Heller hingegen ein eher kurioses Finale – sie wurde von einem Blitz erschlagen.

Oft passiert es aber auch ganz unblutig. Die «Tatort»-Kommissare Paul Stoever (Manfred Krug) und Peter Brockmöller (Charles Brauer) verabschiedeten sich 2001 mit einer Swing-Einlage und Cheerleadern.

dpa



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Pegasus Airlines ernennt neuen Chief Commercial Officer

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Onur Dedeköylü, Chief Commercial Officer Pegasus Airlines ©Pegasus Airlines

Seit dem 13. Mai 2022 leitet Onur Dedeköylü die kommerzielle Abteilung der Pegasus Airlines. Damit ist er zuständig für aus Verkauf, Netzwerkplanung, Marketing, Ertragsmanagement, Preisgestaltung, Kundenerlebnis und Fracht.

Als Senior Vice President Marketing leistete er seit 2010 einen wichtigen Beitrag zur digitalen Transformation der Fluggesellschaft, zum Markenaufbau und zum Produktmanagement des Zusatzprodukts. Der Wirtschaftsingenieur hat einen MBA-Abschluss in Marketing und Finanzen der Georgia State University in Atlanta.

Er begann seine Karriere bei Gillette in den Bereichen Vertrieb und Marketing. Nach seiner Tätigkeit in der globalen Zentrale der Abteilung für Gesundheitsprodukte von Kimberly Clark in Atlanta, USA, setzte er seine Karriere im Vereinigten Königreich fort. Dort arbeitete er in den Bereichen Marktforschung, Produktentwicklung und Markenmanagement in der europäischen Zentrale von Hasbro in Grossbritannien.

Anschliessend wechselte er in die Türkei, wo er die Ländergesellschaft der  der Coca-Cola Company führte. Im Jahr 2010 wechselte Onur Dedeköylü als Senior Vice President zu Pegasus Airlines. (TI)



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