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Wirtschaft

Kupfer und Öl senden widersprüchliche Signale über die Wirtschaft

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Kupfer-Raffinerie in Peru

Das Industriemetall profitiert von einer großen Nachfrage aus China.


(Foto: Bloomberg via Getty Images)

Frankfurt Wer derzeit auf den Kupferpreis blickt, könnte meinen, die Weltwirtschaft laufe unter Volldampf. Das Industriemetall hat sich seit Jahresbeginn um rund 13 Prozent verteuert. Von einem Einbruch im März hat sich der Kupferpreis schnell erholt, zeitweise notierte er bei über 7000 Dollar pro Tonne – das ist der höchste Wert seit 2018.

Ganz anders ist die Lage am Energiemarkt: Öl der Nordseesorte Brent kostet derzeit rund 42 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) – und damit immer noch 35 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Die Höchststände von über 80 Dollar von Oktober 2018, als der Ölhunger groß und das Angebot gering war, scheinen derzeit unerreichbar.

Dass sich beide Rohstoffe so unterschiedlich entwickeln, ist historisch höchst ungewöhnlich. Denn sowohl Öl als auch Kupfer gelten als zyklische Rohstoffe, deren Preis steigt, wenn die Weltwirtschaft boomt. Michael Salden, Leiter Rohstoffe bei Vontobel Asset Management, bestätigt: „Es kommt sehr selten vor, dass sich Kupfer- und Ölpreise so stark auseinanderentwickeln.“

Die Diskrepanz von Kupfer- und Ölpreisen verrät viel über die Gewinner und Verlierer der Coronakrise – und darüber, wie weit der Weg noch ist, bis sich die Weltwirtschaft von den Folgen der Pandemie erholt hat.

China auf Wachstumskurs

Kupfer profitiert von der starken Nachfrage in China. Das Land habe sich fast vollständig von der Coronakrise erholt, sagt Vontobel-Analyst Salden. Zwar fielen die jüngst veröffentlichten Zahlen zum Wirtschaftswachstum noch verhalten aus.

Im dritten Quartal war die chinesische Wirtschaft um 4,9 Prozent gewachsen, deutlich weniger stark als vor der Coronakrise. Doch bereits im zweiten Quartal ging es leicht aufwärts.

China war damit die erste große Volkswirtschaft der Welt, die in der Coronakrise wieder auf Wachstumskurs kam. Zudem schiebt Chinas Regierung das Wachstum mit umfangreichen Fiskalpaketen und Investitionen in Infrastruktur an.

Das leitfähige Metall Kupfer wird in großem Umfang in der Bauwirtschaft, aber auch in der Elektronikindustrie oder im Maschinenbau verwendet. Diese kupferintensiven Branchen profitierten besonders von den chinesischen Investitionen, so Salden. „China baut beispielsweise das Stromnetz des Landes stark aus.“

Zudem profitiert der Kupferpreis von einem starken Yuan, ergänzt Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie beim Broker Saxobank. Die chinesische Währung hat gegenüber dem Dollar zuletzt deutlich an Wert gewonnen. Das senkt den Preis von Kupfer in China – und wirkt sich zusätzlich positiv auf die Nachfrage aus.

Hinzu kommt, dass das Kupferangebot eher knapp ist, da in der Pandemie die Lieferketten nach wie vor gestört sind. Der Branchenverband International Copper and Study Group erwartet, dass die weltweite Minenproduktion 2020 um 1,5 Prozent sinkt.

Auch längerfristig ist keine Besserung in Sicht. Vontobel-Experte Salden sagt: „Schon jetzt ist absehbar, dass der Markt für wichtige Industriemetalle wie Kupfer oder Nickel in den kommenden Jahren ein Angebotsdefizit aufweisen wird.“ Die Zeiten, in denen regelmäßig große Vorkommen entdeckt wurden, lägen lange zurück. „Es wird immer schwerer, neue Minen zu erschließen.“

Bohrinsel im Gold von Mexiko

Von der Coronakrise hat sich die Ölindustrie bis heute nicht erholt.


(Foto: plainpicture/Design Pics)

Am Ölmarkt sind die Vorzeichen genau umgekehrt: Salden erwartet, dass das Risiko eines Angebotsüberschusses bis mindestens Anfang 2021 überwiegen wird. „Die Covid-19-Krise hat die Ölnachfrage viel stärker getroffen“, sagt er.

Zwischenzeitlich brach die Ölnachfrage um 20 Prozent ein. Noch immer liege sie etwa fünf bis sechs Prozent unter Vorkrisenniveau. „Der Rückgang im Flugverkehr ist die wichtigste Erklärung, warum noch drei bis vier Millionen Barrel pro Tag weniger nachgefragt werden.“

Eine Entwicklung, die auch die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und die verbündeten Staaten der Opec-Plus-Allianz genau beobachten. Sie hatten auf dem Höhepunkt des Ölpreiseinbruchs im April rund zehn Prozent des weltweiten Ölangebots durch Produktionskürzungen vom Markt genommen. Noch immer reduziert das erweiterte Ölkartell das Ölangebot um knapp acht Prozent.

Zögerliche Opec

Eigentlich wollte die Opec Plus ab Januar die Ölhähne langsam wieder etwas weiter aufdrehen. Doch die steigenden Virusfallzahlen beobachten auch die Opec-Funktionäre mit Sorge.

So sagte Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo kürzlich: „Wir befinden uns auf dem Pfad der Erholung, doch diese vollzieht sich nicht so schnell, wie wir es erwartet haben.“ Russlands Präsident Putin zeigte sich daher offen, die strengen Förderquoten noch über Januar hinaus zu verlängern.

Damit rechnet auch Giovanni Staunovo, Analyst und Opec-Experte bei der Schweizer Bank UBS. Er erwarte, dass die Opec Plus bei ihrem Treffen Ende November die derzeit geltenden Produktionsquoten um mehrere Monate verlängert. Der Ölpreis dürfte seinen Schätzungen zufolge bis Jahresende dennoch nicht über 45 Dollar pro Barrel hinauskommen. Erst Mitte 2021 erwartet er eine spürbare Erholung der Preise auf bis zu 55 Dollar pro Fass.

Dennoch, die Zeit spielt für die Opec. Vontobel-Manager Salden erwartet, dass das Kartell Marktanteile zurückerobern kann. „Die US-Schieferölindustrie schrumpft“, ist er überzeugt. Damit sei der wichtigste Konkurrent der Opec geschwächt. Zumal die US-Ölindustrie unter einem möglichen US-Präsidenten Biden einen schweren Stand haben dürfte.

Auch von Shell, BP oder Total erwartet Salden keine Impulse für das Ölangebot. „Die großen europäischen Ölkonzerne sehen sich großem Druck vonseiten der Aktionäre ausgesetzt, ihre Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren.“

Die Deals sichern sich derweil die Opec-Staaten: Die weltgrößten Ölkonsumenten China und Indien hätten zuletzt zahlreiche langfristigen Lieferverträge mit Staatskonzernen der Opec-Länder geschlossen, so Salden. Er gehe davon aus, dass spätestens ab 2025 die Opec-Plus-Staaten sämtliche Reservekapazitäten auf sich vereinen. Das Kartell dürfte die zurückgewonnene Macht nutzen, um den Ölpreis nach oben zu treiben.

Spätestens ab Mitte nächsten Jahres dürfte der Ölpreis daher gegenüber Kupfer aufholen. Als längerfristige Investments eigneten sich jedoch beide Rohstoffe. Die Elektrifizierung der Mobilität dürfte die Kupfernachfrage weiter anheizen.

Gleichzeitig ist der Ölhunger von Schwellenländern wie China oder Indien noch lange nicht gestillt. Und sollte die lockere Geldpolitik und die wachsende Staatsverschuldung weltweit tatsächlich in höherer Inflation münden, schützen beide Rohstoffe das Portfolio vor der Geldentwertung.

Mehr: China ist die letzte Hoffnung für den krisengeplagten Ölmarkt.



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Toyota will Gewinnprognose mehr als verdoppeln

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Toyota

Der Autobauer werde Medienberichten zufolge nun ein Betriebsergebnis von über einer Billion Yen (rund 8,2 Milliarden Euro) anpeilen.


(Foto: AP)

Tokio Toyota profitiert einem Medienbericht zufolge von einer Erholung der Fahrzeugmärkte in China und in den USA. Der größte japanische Autobauer wolle deswegen bei der Vorlage der Quartalszahlen am Freitag seine Gewinnprognose für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr mehr als verdoppeln, berichtet die Zeitung „Mainichi“. Er werde nun wohl ein Betriebsergebnis von über einer Billion Yen (rund 8,2 Milliarden Euro) anpeilen.

Wegen des globalen Absatzeinbruchs in der Branche in der Coronakrise hatte Toyota im August lediglich einen operativen Gewinn von 500 Milliarden Yen prognostiziert und damit das schwächste Ergebnis seit neun Jahren. Allerdings liegt auch die neue Prognose noch deutlich unter dem Gewinn des vorherigen Geschäftsjahres, als es rund 2,5 Billionen Yen waren. Analysten rechnen diesmal im Schnitt mit einem operativen Gewinn von 1,25 Billionen Yen. Toyota wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Mehr: Der Autoabsatz in China ist im Oktober vorläufigen Berechnungen zufolge deutlich gestiegen. Im September war der Absatz aber noch höher ausgefallen.



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Fed bleibt auf Niedrigzinskurs: Anleger wetten auf „Weiter so“ nach US-Wahl

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Die Rally an der Wall Street hält an. Dabei setzen die Anleger darauf, dass es in den USA nach der Präsidentschaftswahl keinen radikalen politischen Richtungswechsel geben wird. Die US-Notenbank bleibt bei ihrer ultralockeren Geldpolitik. Derweil gehen die Aktien eines Chip-Herstellers durch die Decke.

In der Hoffnung auf eine Fortsetzung des wirtschaftspolitischen Status Quo in den USA decken sich weitere Anleger mit Aktien ein. „Die Märkte bevorzugen eine gespaltene Regierung“, sagte Anlagestratege Brian Levitt vom Vermögensverwalter Invesco. Dies dämpfe die Sorgen vor Steuererhöhungen, umfangreichen Investitionen in erneuerbare Energien oder Änderungen an der Krankenversicherung. Daher stieg der US-Standardwerteindex Dow Jones an diesem Donnerstag um 2,0 Prozent auf 28.390 Punkte. Der technologielastige Nasdaq rückte 2,6 Prozent auf 11.890 Punkte vor und der breit gefasste S&P 500 legte 1,9 Prozent auf 3510 Punkte zu.

Nasdaq Composite 11.890,93

Joe Biden, dem Herausforderer von US-Präsident Donald Trump, fehlen im Wahlgremium nur noch wenige Stimmen für den Einzug ins Weiße Haus. Seine Demokraten verfehlten jedoch ihr Ziel, neben dem Repräsentantenhaus auch im Senat die Mehrheit zu erringen. Damit sei eine strengere Regulierung der Wirtschaft vom Tisch, sagte Portfoliomanager Justin Onuekwusi vom Vermögensverwalter Legal & General. „Das ist ein riesiger Positiv-Faktor und wiegt die Wahrscheinlichkeit eines kleineren Konjunkturpakets auf.“ Schwindende Furcht vor Kartell-Ermittlungen verhalf großen Technologiekonzernen wie Amazon oder Apple zu Kursgewinnen von bis zu 3,6 Prozent.

Fed als Retter in der Not

Gold, Feinunze
Gold, Feinunze 1.943,88

Inmitten der Hängepartie um den Ausgang der Wahl bereitete die Notenbank Fed den Boden für neue Konjunkturhilfen. Sie beließ den Leitzins in der Spanne von null bis 0,25 Prozent und hielt zugleich die Tür für neue Nothilfen in der Corona-Pandemie offen. Fed-Chef Jerome Powell sagte, die Währungshüter hätten auf der Sitzung ihr milliardenschweres Anleihenprogramm analysiert und breit darüber diskutiert. Sie seien entschlossen, falls nötig mit „kraftvollen Instrumenten“ wie diesen die von der Krise hart getroffene Wirtschaft noch stärker zu stützen. Dauer, Umfang und Zusammensetzung des Kaufprogramms könne bei Bedarf angepasst werden.

Diese Aussicht setzte der Weltleitwährung erneut zu. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel um 0,9 Prozent. Gleichzeitig deckten sich Anleger mit Gold ein, das sich um 2,4 Prozent auf 1948 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Das Edelmetall dient häufig als Absicherung gegen Inflation.

Börsianer schließen Unruhen nicht aus

Qualcomm
Qualcomm 123,32

Einige Börsianer warnten allerdings davor, angesichts des knappen US-Wahlausgangs auf eine reibungslose Machtübergabe zu vertrauen. Trump werde sich verbissen an die Macht klammern, prophezeite Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. „Wir stehen am Rande eines Bürgerkrieges und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Trump die Pforten hierfür öffnet.“ In mehreren US-Städten zogen sowohl Trump- als auch Biden-Anhänger auf die Straßen, einige von ihnen mit Waffen. Gleichzeitig brachte Trump seine Anwälte in Stellung, um die laufende Auszählung in einigen Bundesstaaten zu stoppen oder um eine Neuauszählung durchzusetzen.

Qualcomm auf Rekordhoch – GM auf Überholspur

General Motors (GM)
General Motors (GM) 37,14

Am US-Aktienmarkt schossen die Papiere von Qualcomm um gut zwölf Prozent in die Höhe, nachdem der Chip-Hersteller für das laufende Quartal einen Umsatz über Markterwartungen in Aussicht gestellt hatte. Das Unternehmen gehöre zu den Profiteuren der Umstellung auf den neuen Mobilfunkstandard 5G, für dessen Nutzung neue Mobiltelefone notwendig seien, schrieben die Analysten vom Vermögensverwalter Canaccord Genuity.

Gefragt waren auch die Titel von General Motors (GM), die sich um 5,4 Prozent verteuerten. Dank des reißenden Absatzes profitabler Pickups und SUV machte der Autobauer einen überraschend hohen Quartalsgewinn. Die Gewinnmarge von 15 Prozent sei beeindruckend, lobte Analyst Philippe Houchois von der Investmentbank Jefferies.



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Biden wird bescheiden bleiben müssen

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Derzeit in Führung: Joe Biden, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, am 4. November in Wilmington, Delaware

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Im derzeit wahrscheinlichsten Szenario wird Joe Biden gegen eine republikanische Mehrheit im Senat regieren müssen. In diesem Ergebnis steckt die Aufforderung der Wähler, bescheiden zu bleiben.

Vieles deutet darauf hin, dass die amerikanische Innenpolitik in den kommenden zwei Jahren einem Abnutzungskrieg ähneln wird. Im wahrscheinlichsten Szenario regiert der demokratische Präsident Joe Biden gegen eine republikanische Mehrheit im Senat. In diesem Ergebnis steckt die Aufforderung der Wähler an die Demokraten, bescheiden zu bleiben. Die Mehrheit ist Donald Trumps offensichtlich überdrüssig geworden, doch sie gibt radikaleren Ideen in der demokratischen Agenda keinen Rückhalt. Das linke Bernie-Sanders-Lager hat vom Wähler auch eine Quittung bekommen.

Seinen Plan für eine Steuerreform, deren Hauptzweck die Umverteilung ist, kann Biden erst einmal zurückstellen. Sie hat keine Chance gegen republikanische Senatoren, für die Steuersenkungen zum politischen Lebenselixier gehören. Die Gesundheitsreformpläne darf Biden genauso einmotten wie seine ambitionierte Klimapolitik. Selbst die weitere Absicherung der Wirtschaft und der Haushalte in der Pandemie-Krise dürfte schwierig werden. Denn seit langem haben sich die Republikaner angewöhnt, immer dann für strikte Haushaltspolitik einzutreten, wenn ein Demokrat im Weißen Haus residiert. Sie legten Bill Clinton und Barack Obama Zügel an, während sie ihre Präsidenten Ronald Reagan, George W. Bush sowie zuletzt Trump hohe Schulden auftürmen ließen.



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