Den 14. Oktober 1797, einen Tag voller Regen, verbringt Goethe im schweizerischen Stäfa am Ufer des Zürichsees. Schon am Morgen fasst er den Entschluss, an diesem trüben Tag das Bett nicht zu verlassen, und schreibt einen ausführlichen Brief an Schiller. Darin ist von einer langen Alpenwanderung die Rede, von literarischen Entwürfen und von Reiseplänen für den bevorstehenden Winter. In Peter Handkes Exemplar des Briefwechsels zwischen Goethe und Schiller sind von Goethes Bericht nur wenige Worte lesbar geblieben: Auf die Mitte der Buchseite hat Handke mit Kugelschreiber eine Pappel gezeichnet, die das Schriftbild beinahe vollständig bedeckt. Es ist keine rasch hingeworfene Skizze, sondern eine sorgfältig ausgeführte Zeichnung, für die der Zeichner neben dem ohnehin griffbereiten Schreibwerkzeug noch einen zweiten Stift zu Hilfe genommen hat. Und doch kommt man nicht auf den Gedanken, dass hier ein Wettstreit zwischen Schrift und Bild ausgetragen wird oder die Worte des berühmten Vorgängers mit einer Zeichnung zugedeckt werden sollen. Im Gestrichel des Kugelschreibers wird das Flirren und Zittern des Laubs deutlich spürbar, und selbst das Rascheln der Blätter scheint auf dem kleinen Blatt mitgemalt zu sein. Zu den Rändern hin lösen sich jedoch einzelne Blätter aus dem Verbund und mischen sich unter die Buchstaben, als ziehe es sie hin zur gedruckten Schrift.