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Gleichstellung: Frauen holen auf – doch sie überholen noch nicht

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Männer und Frauen sind in Deutschland gleichberechtigt – die Politik ist per Grundgesetz dazu verpflichtet diesen Grundsatz umzusetzen. Als Leitmotiv hat die Bundesregierung sich dabei in ihrem Gleichstellungsbericht 2017 vorgenommen, dass Frauen und Männer die gleichen Verwirklichungschancen haben sollen. Das heißt unter anderem, dass sie die gleichen Chancen auf Jobs, Führungspositionen und Gehälter haben sollen wie Männer.

In den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung deshalb etwa das Elterngeld eingeführt, eine Geschlechterquote in Unternehmen durchgesetzt und das Entgelttransparenzgesetz beschlossen.

Familienministerin Franziska Giffey will die beschlossene Frauenquote für Unternehmen nun auch auf Vorstände ausweiten. Große deutsche Unternehmen sollten demnach mindestens eine Frau in den Vorstand berufen. Widerstand gegen dieses Vorhaben gab es prompt: aus der Union.

„Fortschritte vollziehen sich meist sehr langsam“

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat nun in einer Datenanalyse untersucht, inwieweit beide Geschlechter in den Bereichen Bildung, Erwerbsarbeit, Einkommen, Zeit, Sorgearbeit und Mitbestimmung die gleichen Lebensbedingungen haben. Dazu haben die Forscher verschiedene Datenquellen ausgewertet, wie die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit und Daten des Statistischen Bundesamtes.

Das Ergebnis: Zwar haben Frauen vor allem in den Bereichen Bildung, Erwerbstätigkeit und soziale Absicherung in den vergangenen Jahren aufholen können. Ein Grund dafür war etwa der Ausbau öffentlicher Kinderbetreuung.

Dennoch ist die durchschnittliche berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen weiterhin oft schlechter als die von Männern. „Der Rückstand der Frauen wird in wichtigen Bereichen kleiner. Aber Fortschritte bei der Gleichstellung vollziehen sich meist sehr langsam“, sagt Forscherin Karin Schulze Buschoff, die die Studie zusammen mit Yvonne Lott vom sowie Svenja Pfahl und Dietmar Hobler für die Hans-Böckler-Stiftung erstellt hat.

  • So sind Frauen und Männer etwa gleich gut qualifiziert. Frauen haben Männer bei der schulischen Bildung sogar überholt. Doch sie gehen in verschiedene Berufsfelder. Frauen erlernen häufiger als Männer einen Beruf im Dienstleistungsbereich und seltener im Handwerk. Von den 25 wichtigsten Ausbildungsberufen sind 12 männlich, aber nur 6 weiblich dominiert.

  • Zwar sind immer mehr Frauen erwerbstätig, doch die Erwerbstätigenquote der Männer liegt immer noch sieben Prozent höher.

  • Das liegt vor allem daran, dass Frauen einen deutlich höheren Anteil an unbezahlter Arbeit als Männer leisten, selbst wenn sie erwerbstätig sind (und sogar dann, wenn sie Vollzeit arbeiten). So pflegt jede zehnte Arbeitnehmerin und jeder dreizehnte männliche Arbeitnehmer Angehörige. Im Durchschnitt wenden pflegende Frauen mehr Zeit für die Pflege auf als pflegende Männer.

  • Der Gender Pay Gap ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen, liegt aber mit 21 Prozent immer noch deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Immer noch tragen vollzeitbeschäftigte Frauen ein deutlich höheres Niedriglohnrisiko als vollzeitbeschäftigte Männer.

  • Die Gehaltsunterschiede ergeben sich unter anderem daraus, dass „typisch weibliche“ Berufe, etwa im Pflege- und Gesundheitsbereich, meist schlechter bezahlt werden als technische Berufe, in denen Männer dominieren.

  • Es arbeiten immer noch deutlich mehr Frauen in Teilzeit als Männer: Fast jede zweite Frau, aber nur jeder zehnte Mann arbeitet wöchentlich weniger als 32 Stunden.

  • Frauen erhalten durchschnittlich ein 53 Prozent niedrigeres Alterseinkommen als Männer, wenn man gesetzliche Rente, betriebliche und private Alterssicherung zusammen betrachtet.

  • Eine positive Entwicklung gibt es bei der Kinderbetreuung: Die Ganztagsbetreuungsquote von Kleinkindern in Deutschland ist in den letzten 10 Jahren stark anstiegen.

  • Bei der Mitbestimmung in großen Unternehmen sieht es für Frauen immer noch schlecht aus: Frauen besetzen nur 27 Prozent aller Aufsichtsratsmandate und nur 8 Prozent aller Vorstandsvorsitze in den 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen.

Die Große Koalition hat also noch einiges vor sich, wenn sie gleiche Lebensbedingungen der Geschlechter erreichen will. Die Forscher sind sich einig: Es gehe deutlich schneller voran, wenn die Politik mit Investitionen oder verbindlichen Regulierungen nachhelfe. Das zeige sich an der Kinderbetreuung und der Quote für börsennotierte Unternehmen: So stieg der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 160 größten börsennotierten Unternehmen mit der Einführung der Geschlechterquote bis 2018 auf gut 30 Prozent. In nicht mitbestimmten Unternehmen, in denen keine Quote gilt, lag der Anteil bei knapp 20 Prozent.

Die Forscher haben auch Vorschläge, wie sich die Situation verbessern könnte. So empfehlen sie stärkere Anreize für Männer, Sorgearbeit zu übernehmen, etwa durch eine schrittweise Erweiterung der Partnermonate im Elterngeld auf sechs Monate.

Auch eine finanzielle Aufwertung frauendominierter Berufe im Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsbereich sei sinnvoll, um diese für beide Geschlechter attraktiver zu machen.

Icon: Der Spiegel



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Wattführerin auf Sylt zeigt Videos: Vom Sofa ins Watt

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"Twattwanderung" mit Mandy Thieme: Die Wunderwelt des Watts


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„Twattwanderung“ mit Mandy Thieme: Die Wunderwelt des Watts

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Vom Zahnarzt bis zum Koch: Hunderte Freiwillige bewerben sich als Spargelstecher

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Archivbild: Arbeiter auf den Spargelfeldern in Brandenburg. (Quelle: imago images)

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Audio: Inforadio | 01.04.2020 | Marie Asmussen | Bild: imago images

Vom Zahnarzt bis zum Koch

Hunderte Freiwillige bewerben sich als Spargelstecher

Weil Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa wegen der Corona-Krise nicht mehr einreisen dürfen, fehlt den Brandenburger Spargelbauern rund die Hälfte ihrer Erntehelfer. Kritisch wird es ab Ostern. Doch die Solidarität ist groß: Hunderte Freiwillige aus der Region wollen aushelfen. Von Claudia Stern

Was Sie jetzt wissen müssen

Henry van Wagenberg ist 35 Jahre alt, lebt in Berlin und arbeitet eigentlich als Programmierer und Web-Entwickler. Derzeit ist der gebürtige US-Amerikaner arbeitslos und hat Zeit – deshalb hat er sich spontan freiwillig als Spargelstecher gemeldet, sagt er. „Ich habe gehört, dass es wegen der Corona-Krise nicht genug Arbeiter auf den Feldern gibt, deshalb habe ich bei einem Hof angerufen – aus Solidarität.“

Wagenberg. (Quelle: Henry van Wagenberg)
Schon bald will der Berliner Henry van Wagenberg nicht mehr in der Küche, sondern auf dem Feld Hand an den Spargel legen. | Bild: Henry van Wagenberg

Wie Henry wollen derzeit viele Brandenburger und Berliner in der Landwirtschaft mithelfen. Denn dort fehlen die dringend benötigten Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa, die wegen der Maßnahmen zur Verbreitung des Coronavirus aktuell nicht mehr einreisen dürfen. Malte Voigts, Geschäftsführer des Spargelhofs Kremmen berichtet von mehr als 400 potentiellen Erntehelfern, die sich nach einem Aufruf im Internet innerhalb kürzester Zeit gemeldet hätten. „Da sind Zahnärzte dabei, Sales Manager, Physiotherapeuten, Köche, Kellner, Studenten. Schüler haben sich auch angeboten.“ Selbst eine Rentnergruppe aus einer kleinen Gartenkolonie habe sich angeboten, mit 30 Mann vorbeizukommen und einen Nachmittag lang beim Spargelstechen zu helfen.

Ähnlich sieht es in der Region Beelitz aus, dem größten Spargelanbaugebiet in Brandenburg. Ernst-August Winkelmann vom Spargelhof Klaistow erzählt ebenfalls von einer wahren Schwemme an Bewerbungen, die ihn in den letzten Tagen erreicht habe: „Wir sind schon sehr beeindruckt von dieser Welle an Hilfsbereitschaft. Da haben wir allerhöchsten Respekt vor und finden das auch gut“, sagt er.

Regionale Helfer sollen nach Ostern eingesetzt werden

Und diese Hilfsbereitschaft ist auch dringend nötig. Denn lediglich ein Bruchteil der Arbeiter, die alljährlich zur Spargelernte aus Polen und Rumänien nach Brandenburg kommen, durfte in diesem Jahr einreisen. 70 Mann statt wie sonst 200 sind es in Kremmen, in Klaistow immerhin rund 60 Prozent – weil Winkelmann früh reagierte und noch vor dem Einreisestopp mehr Erntehelfer nach Brandenburg holte, als zu diesem Zeitpunkt eigentlich nötig gewesen wären. Denn noch kann nur wenig Spargel gestochen werden – die kühlen Temperaturen der vergangenen Tage haben das Wachstum ausgebremst und auch grundsätzlich beginnt die Spargel-Hochsaison erst nach Ostern.

Dann kommt auch die Zeit der regionalen Erntehelfer. Im Gegensatz zu den Polen und Rumänen sind die aber ungelernt – einer dieser Ungelernten ist Henry van Wagenburg. Spargel gestochen hat er noch nicht, immerhin aber bringt er ein bisschen Erfahrung als Erntehelfer in der Landwirtschaft mit. Seine Familie bewirtschafte einen Gemüsehof in Dänemark, dort habe er vor einigen Jahren einen Sommer lang Brokkoli geerntet, erzählt er. Brokkoli ist zwar nicht gleich Spargel – das ist ihm klar. Doch gewisse Parallelen glaubt der 35-Jährige zwischen den beiden Gemüsesorten zu erkennen: „Es ist ähnlich in dem Sinne, dass man es nicht mit Maschinen machen kann. Das muss ein Mensch machen. Und man muss wirklich aufpassen: Ist das schon groß genug zum Abernten? Oder sollte man das noch stehen lassen?“

Einfach drauflosstechen ist nicht

Fakt ist: Einfach drauflosarbeiten ist nicht. Denn guter Wille allein macht noch keinen guten Spargelstecher. Gefragt seien Ausdauer und Vorsicht, sagte Malte Voigt vom Spargelhof Kremmen. „Eine Spargelpflanze ist eben eine Dauerkultur, die will auch über acht oder zehn Jahre gehegt und gepflegt werden. Und wenn dann nicht die richtige Technik beherrscht wird, jemand drauflossticht, dann kann auch die Mutterpflanze Schaden nehmen. Dann ernte ich da in den Folgejahren weniger.“

Auch sein Kollege Winkelmann aus Klaistow bremst die Euphorie: „Als die Politiker gesagt haben, Köche und Kellner sollen jetzt bitte Spargel stechen – da muss ich ehrlich sagen, Spargelstecher können ja auch nicht einfach kochen und kellnern. Also, so einfach ist das nicht.“ Sowohl in Klaistow als auch in Kremmen wird es deshalb ab 15. April erst einmal ein Probearbeiten und Schulungen für die Freiwilligen geben.

Dann müsse sich unter anderem auch herausstellen, ob die Bewerber überhaupt für die harte Arbeit auf dem Feld geeignet sind, sind sich die Spargelbauern einig. „Wer beim Spargelstechen nicht körperlich fit ist, nicht größere Gewichte tragen kann und auch in gebückter Haltung arbeiten kann, für den ist das nichts“, sagt Winkelmann. Spargelstecher in spe Henry van Wagenberg ist da optimistisch. „Ich bin sehr sportlich“, sagt er. Außerdem habe er damals in Dänemark auch durchgehalten: „Da war man schon sehr müde am Ende des Tages, wir haben dann zusammen gegessen und man hatte sich sein Essen auch wirklich verdient, aber das war für mich machbar.“

Eine weitere Herausforderung für die Spargelbauern: Die Gruppe der Bewerber ist äußerst heterogen. Manche Bewerber hätten eine Woche Zeit zum Ernteeinsatz, andere wollen die ganze Saison durchziehen, erzählt Voigts vom Spargelhof Kremmen. Manche könnten nur halbtags, andere voll arbeiten. „Von ganz intensiv Interessierten bis hin zu denen, die auch ein wenig Spaß haben wollen, ist alles dabei.“ Es ist also eine wahre Wundertüte, die die Spargelbauern da nach Ostern auspacken dürfen.

Infektionsschutz fordert Spargelbauern

Doch das ist nicht die einzige herausfordernde Aufgabe, die vor den Spargelbauern – und auch allen anderen Obst- und Gemüsebauern in Land – liegt: Wegen des gebotenen Infektionsschutzes ist die gesamte Organisation der Ernte deutlich aufwändiger als sonst. So dürfen die Helfer beispielsweise nur höchstens zu zweit in einem Auto zu den Feldern kommen. Deshalb sei auch der Einsatz von Geflüchteten als Erntehelfer logistisch schwierig, heißt es vom Brandenburger Gartenbauverband. Denn die Geflüchteten hätten meist keine Autos, und größere Gruppen zusammen in Bussen zu den Feldern zu fahren, sei wegen der Infektionsgefahr nicht zulässig.

Eine strikte Trennung soll es aus Gründen des Infektionsschutzes auch zwischen regionalen Helfern und Saisonarbeitern aus Polen und Rumänien auf den Spargelfeldern geben. Und auch für Unterbringung der Saisonarbeiter auf den Spargelhöfen gelten andere Regeln als sonst: In Klaistow gebe es für die Arbeiter eine Rundumversorgung, so dass sie den Hof nicht verlassen müssten, um beispielsweise einzukaufen, sagt Ernst-August Winkelmann. Und auch die Arbeiter untereinander sollen sich nicht beliebig durchmischen. In Kremmen wurden die Unterkünfte dafür Farben zugeordnet und die Mitarbeiter entsprechend mit blauen, schwarzen, gelben oder grünen Mützen ausgestattet, sagt Malte Voigts. Und: „Die Leute waschen und desinfizieren sich die Hände jetzt immer wie Chirurgen vor einer Operation.“

Auch wenn in diesem Jahr alles anders ist: Bei der Spargelernte ganz auf Erntehelfer zu verzichten, geht auch in Corona-Zeiten nicht. In Kremmen hat es schon Versuche gegeben, Spargel mit einer Maschine zu ernten – mit eindeutigem Ergebnis: 1 zu 0 für die handgestochenen Stangen.

Mit Informationen von Marie Asmussen

Sendung: Inforadio, 01.04.2020, 8:10 Uhr



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Corona: Studie von Uni Mannheim – So verkraftet Deutschland die Krise

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