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Ex-Drogenbaron verrät Details zum Entführungsfall Oetker

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Investigative Dokumentationen zur besten Sendezeit könne sie sich unter bestimmten Voraussetzungen vorstellen, war unlängst von der neuen ARD-Programmdirektorin Christine Strobl zu vernehmen. Verblüffend: Das, was beim öffentlich-rechtlichen Senderverbund mit Informationsauftrag noch im Reich der Ideen wabert, wird bei der werbefinanzierten Konkurrenz längst in die Tat umgesetzt.

Thilo Mischke berichtete bei Pro Sieben über die Umtriebe der rechten Szene in Deutschland. Joko und Klaas machten mit einer Sieben-Stunden-Echtzeit-Doku auf den Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern aufmerksam. Nun bespielt der von RTL gekommene Extremreporter Jenke von Wilmsdorff vier Folgen lang den Hauptabend mit einer Reihe, die an die Kernfragen des Menschseins rührt: In „Jenke. Crime“ sitzt von Wilmsdorff „mit den deutschen Schwergewichten der kriminellen Szene an einem Tisch“, wie er in der Auftaktfolge mit bebender Reporterstimme kundtat.

Rotstichige Einblicke in ein filmreifes Gangsterleben

Ein bisschen dicke Hose darf und muss schon sein bei so einem Format, das Trendgenre „True Crime“ verlangt geradezu nach kalt gehauchtem Pathos an „Originalschauplätzen“ menschlicher Abgründe. Da ist Hubertus Becker, um den es in der Auftaktfolge geht, ein dankbarer Kandidat. „Ich habe selten einen Menschen getroffen, dessen Leben dermaßen filmreif ist“, stellt von Wilmsdorff den früheren Drogenbaron und Schmugglerkönig vor. Was folgt, ist ein Gangsterepos, illustriert in rotstichiger Kodak-Film-Ästhetik. Und dann, umso gnadenloser, wie in den guten Hollywoodfilmen: die Entzauberung des grell strahlenden Kriminellenlifestyles.

Hubertus Becker stammt „aus gutem Hause“ im Hunsrück, der Vater war Forstbeamter. Seine Zeit auf einem Internat in Boppard gibt dem Leben früh einen Knacks: Becker, so erinnert er sich im Film, wird von einem pädophilen Priester missbraucht, von einem Lehrer „übelst geschlagen“, auch die Mutter daheim verhängte oft die Prügelstrafe. Später habe man ihm eine narzisstische Störung attestiert: „Das alles hat nicht dazu beigetragen, dass mein Respekt vor Autoritäten sich gefestigt hätte.“

„In den 70-Jahren war Freiheit noch zu spüren, die Polizei fuhr VW Käfer“

Beckers kriminelle Karriere beginnt in den 70er-Jahren. Das außerordentliche Organisationstalent mit Charisma schmuggelt Haschisch aus Marokko nach München, er wird zum Drogenlieferanten der Schickeria. „In den 70-Jahren war Freiheit noch zu spüren, die Polizei fuhr VW Käfer“, wird der heute 69-Jährige fast sentimental. „Wir gefielen uns als Gangster.“ Im Herbst 1978 erreichte ihn in seiner neuen Heimat Ibiza das Angebot, ins „Big Business“ einzusteigen. Fortan kooperierte Becker mit der chinesischen Mafia und kolumbianischen Cocabauern. „Wir haben das beste Heroin importiert, das es gibt.“

Der Abstieg beginnt, als Becker selbst sein bester Kunde wird. Die Heroinabhängigkeit macht seiner Frau das Eheleben zur Hölle, die Kinder vernachlässigt er. 1982 geht er im Drogenüberschwang der Polizei in die Falle. Fünf Drogenkuriere hatten ihn verraten. 15 Jahre Haft sitzt er ab, es ist das bis dato höchste Strafmaß, das gegen einen Schmuggler auf deutschem Boden verhängt wird. Die Boulevardpresse überschlägt sich. Doch Hubertus Becker wird im Knast nicht geläutert. „Auf dem Gefängnishof kommt keiner und sagt: ‚Wenn wir rauskommen, machen wir ein Start-up.‘“

Stattdessen lernt Becker hinter Gittern Dieter Zlof kennen, der 1976 den Industriellenerben Richard Oetker entführte und folterte. Nach seiner Freilassung erklärt sich Becker bereit, für Zlof die versteckten 21 Millionen D-Mark Lösegeld zu waschen – er glaubt, erstaunlich naiv, an dessen Unschuld. Das Unterfangen geht schief. Becker wird wieder verhaftet, doch ihm wird ein goldener Ausweg aufgezeigt: zwei Millionen D-Mark Belohnung plus Straffreiheit, wenn er das Versteck des Lösegelds verrät. Doch Becker schlägt den Handel aus. „Warum?“, fragt Jenke von Wilmsdorff entgeistert. „Aus einer Art Ganovenehre. Ich verrate von Haus aus niemanden.“

„Ich glaube noch nicht einmal an den freien Willen“

Und dann verrät Hubertus Becker doch etwas, zum ersten Mal überhaupt gibt er zu Protokoll, dass er dem Anwalt Dieter Zlofs das neue Lösegeldversteck in der Untersuchungshaft skizziert habe. Becker: „Zwei Tage später war das Geld verschwunden.“ Reporter von Wilmsdorff wird sofort hellhörig: „Moment mal, dann hat der Anwalt auch gegen das Gesetz verstoßen?“ Sein Gesprächspartner bestätigt es achselzuckend: „Das ist das allererste Mal, das ich das sage. Der Anwalt ist mittlerweile verstorben. Sonst hätte ich das gar nicht gesagt.“ Dieter Zlof wurde 1997 in London mit einem Großteil des Geldes festgenommen, 2,5 Millionen D-Mark sind bis heute unauffindbar.

Seine Beteiligung an dem Geldwäschedeal bezeichnet Becker rückblickend als seinen größten Fehler, auch in moralischer Hinsicht. „Ich bin kein gläubiger Mensch. Ich glaube noch nicht einmal an den freien Willen des Menschen“, sagt er. Doch das Bedauern im Rückblick auf seine schillernde Verbrecherkarriere ist groß. Der geliebte Vater enterbte ihn, die an Mukoviszidose erkrankte Tochter starb während einer seiner Gefängnisaufenthalte. Hubertus Becker lebt heute in Görlitz auf 50 Quadratmetern und arbeitet als Autor. Man hat ihm eine gute Schreibe attestiert.

Auch gesprochen sind seine Worte scharf und schmerzhaft: „Dass ich nicht genug Liebe empfunden habe und immer eher das Abenteuer gesucht habe: Das sind Dinge, die kann man nicht wiedergutmachen.“ Und weiter: „Ich bedaure sehr, dass ich zu meinem Sohn kein vernünftiges Verhältnis mehr habe. Der sieht in mir einen Totalversager. Dass er Recht hat, macht die Sache umso schwieriger aufzuarbeiten.“



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Getreide-Preise: Nun droht die böse Überraschung im Supermarkt

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Getreideexperten beobachten „teilweise historische Preisausschläge“ bei Getreide, Mais und Ölsaaten wie Raps – möglicherweise mit Folgen für die Verbraucher. „Wenn sich die Preise noch eine Weile so halten für Pflanzenöle und für Getreide, dann wird sich das innerhalb einiger Monate sicherlich in den Lebensmittelpreisen auch im Supermarkt niederschlagen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse, Thorsten Tiedemann, der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar haben Rohstoffpreise bei Backwaren nur einen geringen Anteil am Verkaufspreis. „Aber die Fleischproduktion wird sicherlich teurer werden durch Futter“, sagte Tiedemann. Auch bei Produkten wie Mehl und Pflanzenöl dürfte der Weltmarkttrend nach seiner Einschätzung auf die Verbraucherpreise durchschlagen.

Steigende Preise bei praktisch allen Agrarrohstoffen

Die Welternährungsorganisation FAO beobachtet seit geraumer Zeit steigende Preise bei praktisch allen Agrarrohstoffen. Unter dem Strich lag der FAO-Preisindex für Nahrungsmittel nach jüngsten Daten im April 31 Prozent über dem Vorjahreswert, nach elf monatlichen Anstiegen in Folge sei inzwischen der höchste Stand seit sieben Jahren erreicht. Besonders ausgeprägt ist der Trend bei Ölsaaten, wo das Preisniveau gegenüber April 2020 inzwischen doppelte Höhe erreicht hat. Befeuert wird diese Entwicklung aus Sicht der FAO auch von der Nachfrage der Hersteller von Biokraftstoffen.

„Erwartet hat man schon lange, dass irgendwas passieren wird in den Preisen aufgrund der hohen Liquidität und auch teilweise aufgrund der Engpässe, die in der Wirtschaft entstehen durch Corona-Einschränkungen“, sagte Tiedemann. Nach einer „ganz komfortablen Angebots- und Nachfragesituation im Getreide- und Ölsaatenmarkt“ sei nun „durch ein paar schlechtere Ernten mit einhergehendem Bestandsabbau etwas aus den Fugen geraten“.

„Dann kommen noch ein paar Wettermeldungen hinzu“

Hinzu komme, dass in Regionen mit stärkerem Wachstum nach der Corona-Rezession die Nachfrage anziehe. „Dann kommen noch ein paar Wettermeldungen hinzu, in Brasilien laufen wir auf eine relativ schlechte Ernte hinaus, und dann gehen die Märkte natürlich sehr stark nach oben.“

Besorgt äußerte sich Tiedemann darüber, dass die Selbstversorgung Deutschlands bei Agrarrohstoffen abnehme. Im Getreidewirtschaftsjahr sei Deutschland auf einen Nettoexport von rund zwei Millionen Tonnen gekommen. „Das sind nicht mal fünf Prozent der gesamten Getreideproduktion, die wir hier übrig haben.“ In früheren Jahren seien „auch schon mal netto sieben bis zehn Millionen Tonnen“ exportiert worden.

Der Hamburger Hafen ist die zentrale Drehscheibe für den Getreidehandel in Nordeuropa. Der Verein der Getreidehändler sieht sich seit über 150 Jahren als offizielles Sprachrohr des internationalen Handels mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln, Hülsenfrüchten, Fischmehl und Speisesaaten.





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Sächsische Staatskapelle Dresden: Ehrendirigent Blomstedt leitet Sonderkonzert

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Dieses Mozartkonzert mit ihrem Ehrendirigenten Herbert Blomstedt mag für die Sächsische Staatskapelle Dresden ein wahres Labsal gewesen sein, in musikalischer wie mentaler Hinsicht. Von Anfang an lagen eine entspannte Stimmung (nicht mit Oberflächlichkeit zu verwechseln) und Spielfreude über dem Ganzen. Sicher, inzwischen sind Blomstedts Schritte bedächtiger geworden – er ist immerhin im 94. Lebensjahr –, aber wenn er dann auf dem Podium steht, und das tat er im wörtlichen Sinne die ganze Zeit, und zu dirigieren beginnt (meist auswendig), dann strahlt er nach wie vor ungebrochene, ansteckende Vitalität aus, Begeisterung für die ausgewählten Werke, reifes Können, was am Ende zu qualitativen Höchstleistungen bei allen Beteiligten führt. Aufgenommen wurde das Konzert in der Semperoper, zu hören war es bei Deutschlandfunk Kultur, MDR Kultur und MDR Klassik.

Mit Mozarts Sinfonie Nr. 38 D-Dur, der „Prager“, wurde eine gedankliche Brücke in Blomstedts erstes Chefjahr 1975 geschlagen, als er schon einmal dieses Werk mit dem Orchester erarbeitete, wovon noch heute eine Rundfunkaufnahme zeugt. Zwischen dem Erfolg von „Le nozze di Figaro“ in Prag und der ein dreiviertel Jahr später dort stattfindenden Uraufführung des „Don Giovanni“ führte Mozart sie erstmals im Januar 1787 im Prager Ständetheater auf – dreisätzig, also ohne Menuett (vielleicht weil man es damals in Prag so liebte), eine Sinfonie voller Leidenschaft und emotionaler Zerrissenheit, in drei Sonatensätzen kompositorisch dicht, dramatisch ungeheuer spannend und in Mozarts symphonischen Schaffen gleichsam einem Quantensprung entsprechend.

Musiker in Hochform

Was das herausgehobene Niveau der Wiedergabe durch die Staatskapelle und Herbert Blomstedt ausmacht, war die ungekünstelte Natürlichkeit, in der Schroffheiten genauso Platz hatten wie die kontrapunktischen Finessen und die von allen begeistert ausgekosteten dynamischen Kontraste. Man war hingerissen vom ersten bis zum letzten Ton. Blomstedts Einschätzung „sehr schön gespielt“ kann man nur zustimmen.

Die Bläser der Kapelle liefen sämtlich zur Hochform auf. Und der von den Damen und Herren um den 1. Konzertmeister Roland Straumer gewebte, unglaublich flexible Streicherteppich suchte seinesgleichen. In die auf gegenseitiger Wertschätzung und künstlerischer Verehrung beruhende Harmonie zwischen Herbert Blomstedt und der Kapelle passt auch nach so vielen Jahren kein Blatt.

Musikalische Delikatesse

Das traf auch auf die weiteren Werke des Konzerts zu, etwa die andere Sinfonie. So richtig erklären lässt es sich nicht, warum die C-Dur-Sinfonie (KV 338), Mozarts letzte Salzburger Sinfonie, im Schatten ihrer berühmten Schwestern, auch der „Prager“, steht. In barock anmutender Üppigkeit treffen hier oft völlig abrupt wechselnde Themen und dynamische Entwicklungen aufeinander. Herbert Blomstedt und seine Mitstreiter nahmen sich dieses Wechselbads der Gefühle ausgesprochen detailreich an, edel im Klang. Da waren das vor Energie berstende Allegro vivace zu Beginn, das präzise ausbalancierte Streicher-Andante und schließlich das in virtuoser Pracht dahin eilende Finale.

Mit dem A-Dur-Violinkonzert KV 219 stammte auch der solistische Beitrag von Mozart, wobei das Besondere des Stückes gerade darin besteht, dass solistische und orchestrale Passagen aufs Engste miteinander verquickt sind. Die Norwegerin Vilde Frang hatte 2018 als Einspringerin bei der Staatskapelle debütiert und durfte sich nun über eine weitere Einladung freuen. Es ist das letzte der Mozart’schen Violinkonzerte und bedeutet zugleich auch das Ende von seiner Geigerkarriere. Vilde Frang zeigte sich bestens vertraut mit dem sehr beliebten, melodisch einprägsamen Stück. Sie brachte vor allem technische Souveränität und eine Riesenportion unbestechlichen Geschmacks mit. Bei ihr atmete das Adagio keine triefende Sentimentalität, sondern offenbarte seine Größe ganz aus sich selbst heraus. Voller Schwung und geigerischer Delikatesse musizierte sie die Ecksätze, wobei ihr die Kapelle und natürlich Herbert Blomstedt die sensibelsten und inspirierendsten Partner waren, die man sich vorstellen kann.

Von Mareile Hanns



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Papst prangert Kindesmissbrauch als „psychologischen Mord“ an

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Papst Franziskus hat sexuellen Kindesmissbrauch als eine Art seelischen Mord bezeichnet. Die Taten würden etwa in Schulen, beim Sport, in Freizeiteinrichtungen und Religionsgemeinschaften sowie bei Einzelpersonen verübt und müssten konsequent aufgedeckt werden, sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

„Kindesmisshandlung ist eine Art „psychologischer Mord“ und in vielen Fällen eine Auslöschung der Kindheit“, mahnte Franziskus am Samstag im Vatikan. Der Papst äußerte sich bei einer Audienz für Mitglieder des italienischen Anti-Missbrauchsvereins mit dem Namen Meter. Der Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung sei eine Pflicht aller Staaten. Diese müssten sowohl Menschenhändler als auch Täter von Missbrauchsverbrechen verfolgen und bestrafen, sagte Franziskus. Der 84-Jährige kritisierte die Werbung für Kinderpornografie, die über das Internet und verschiedene Soziale Medien stattfinde.

Die katholische Kirche selbst steht auch immer wieder in der Kritik, weil sie Fälle von Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen vertuscht hatte. Außerdem wird ihr vorgeworfen, dass Würdenträger Vorwürfe nicht schnell genug aufarbeiten würden.





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