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Erfinderisch in der Krise: Beatmungsgeräte „made in Cuba“

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„Not macht erfinderisch“, heißt es: Kubanische Wissenschaftler konstruieren in der Corona-Pandemie eigene Beatmungsgeräte, weil die US-Sanktionen Einfuhren ausländischer Apparate verhindern.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Kuba rühmt sich seines vorbildliches Gesundheitssystems, seiner Ärzte, die es in die ganze Welt verschickt.  Das Land hat schnell auf die Pandemie reagiert und einen strengen Lockdown verordnet.

Die Fallzahlen sind niedrig geblieben, das Land öffnet sich vorsichtig wieder, auch für den Tourismus. Besucher müssen bei der Einreise eine eidesstattliche Erklärung zum Gesundheitszustand ausfüllen und einen PCR-Test machen.

Das Land will auch für eine zweite Infektionswelle gewappnet sein. Bei diesen Bemühungen kommt der sozialistischen Karibikinsel die US-Blockade in die Quere, doch die fördert Kreativität bei der Entwicklung von medizinischen Geräten.

Kein Mangel an Know How

Monatelang gingen kubanische Medizinstudenten von Haus zu Haus, um nach Risikopatienten zu sehen und Infizierten zu suchen. An Know How mangelt es auf der sozialistischen Karibikinsel nicht; aber zu Beginn der Pandemie bestand die Sorge, dass die medizinischen Geräte nicht ausreichen.

Schnell wurde ein Team zusammengestellt, das für funktionierende Notfallbeatmungsgerät sorgen sollte. Dazu gehörte auch Ernesto Velarde Reyes vom Zentrum für Neurowissenschaften in Havanna. 

Zunächst haben er und seine Kollegen alte Beatmungsgeräte gewartet. Doch für die Reparatur fehlten wichtige Komponenten, die nur im Ausland zu bekommen sind – für Kuba eine große Hürde, erklärt Velarde Reyes:

„Die US-Sanktion haben uns vor allem auch während der Coronakrise hier auf Kuba sehr geschadet. Die Herstellerfirma unserer Beatmungsgeräte wurde von einem amerikanischen Unternehmen übernommen. Und ab diesem Moment haben sie keine Ersatzteile für die Beatmungsgeräte mehr geliefert.“

Open Source vom MIT als Anleitung

Das Team stand also vor der Herausforderung, eigene Geräte zu entwickeln. Improvisationstalent war im Land des Mangels einmal mehr gefragt.

Eine fachkompetente Anleitung bekamen die Entwickler ausgerechnet aus den USA: Auf den Internetseiten des Massachusetts Institute of Technology fanden sie die Informationen für die mechanische Entwicklung. Grundlage waren Open-Source-Codes, die die Forscher vom MIT der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hatten.

Die Entwickler haben mit den verschiedensten Institutionen auf der sozialistischen Karibikinsel zusammengearbeitet, bis hin zum Verband der Militärindustrie, erzählt der Neurowissenschaftler Velarde Reyes: „Es war natürlich eine große Herausforderung, das Beatmungsgerät hier zu entwickeln. Wir brauchten einen leistungsfähigen Motor.“

Spendensammlung per WhatsApp

Nach so einem Motor hätten sie dann in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel WhatsApp-Gruppen gesucht – und seien tatsächlich fündig geworden: „200 Dollar hat er gekostet, das ist für einen Kubaner ganz schon viel Geld. Ein Unternehmer, den ich persönlich gar nicht kannte, hat ihn sogar einfach so zur Verfügung gestellt. Wir haben alles gemacht, damit jeder Kubaner ein Beatmungsgerät bekommt, wenn es notwendig wird.“

Aber Komponenten wie Bildschirme und Prozessoren mussten am Ende doch importiert werden. Unterstützung bekamen die Neurowissenschaftler von Medicuba-Suisse, einer Nichtregierungsorganisation aus der Schweiz.

Auch die habe die US-Sanktionen umschiffen müssen, erklärt Velarde Reyes‘ Forscherkollege Manuel Vanegas Ayala: „Für uns ist es sehr schwierig einen Finanztransfer zu veranlassen. Für jeden Geldtransfer, den wir machen, müssen wir immer ein Labyrinth finden, damit Kuba das Geld auch direkt bekommt.“

Mit Hilfe der schweizer NGO konnte ein kostengünstiges Notbeatmungsgerät entwickelt werden, das über viele Funktionen eines hochpreisigen Gerätes verfügt. Ein herkömmliches Beatmungsgerät ist teuer, es kostet zwischen 10.000 und 30.000 Euro.

Nachahmung schwierig

Doch das kubanische Entwicklungsmodell sei am Ende nur bedingt übertragbar, erklärt Vanegas Ayala: „Man darf nicht vergessen: Für Kuba ist es so einfach, weil es über eine lange Forschungstradition verfügt.“

Für andere Länder sei so etwas nicht so einfach umzusetzen: „Länder aus Mittelamerika und der Karibik, die Dominikanische Republik oder Haiti – ich sehe nicht, dass diese Länder die Voraussetzungen dafür haben, die Infrastruktur, das technische Know How, um so etwas auf hohem Niveau zu entwickeln.“

Zunächst wurden die Geräte an Tieren getestet, derzeit an Menschen. Ende Oktober soll das Beatmungsgerät in die Serienproduktion gehen, um Kuba für die nächste Infektionswelle zu wappnen.





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Angaben des Präsidenten: Dutzende Opfer bei Protesten in Nigeria

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Seit zwei Wochen kommt es in Nigeria zu heftigen Protesten gegen Polizeigewalt, vor einigen Tagen eskalierte die Lage. Nun gibt der Präsident zu: Mehrere Dutzend Zivilisten und Sicherheitskräfte sind gestorben.

Bei den blutigen Protesten gegen Polizeigewalt in Nigeria sind in den vergangenen Tagen 51 Zivilisten, 11 Polizisten und 7 Soldaten gestorben. Das sagte Nigerias Präsident Muhammadu Buhari am Abend laut einer Mitteilung – und gab damit erstmals zu, dass die gewaltsamen Ausschreitungen der vergangenen zwei Wochen für zahlreiche Menschen tödlich verliefen.

Der Präsident sagte nicht, ob Sicherheitskräfte für die 51 toten Zivilisten verantwortlich seien. Er betonte aber, dass die 11 Polizisten und 7 Soldaten von den Demonstranten umgebracht worden seien.

Sicherheitskräfte schießen auf Demonstranten

Die #EndSARS genannten Proteste in Afrikas größter Volkswirtschaft dauern bereits seit zwei Wochen an. Am Dienstag eskalierte die Lage, als in der Wirtschaftsmetropole Lagos vermutlich Sicherheitskräfte auf Demonstranten an einer Mautstelle schossen. Auch am Mittwoch und Donnerstag kam es in der Stadt trotz einer andauernden Ausgangssperre zu Demonstrationen und Gewalt, unter anderem in einem Gefängnis. Am Freitag blieb die Lage ruhig.

International hagelte es zuletzt Kritik an dem brutalen Vorgehen von mutmaßlichen Sicherheitskräften gegen Demonstranten, unter anderem äußerten sich UN-Generalsekretär António Guterres, der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet.

Auflösung von Eliteeinheit kann Proteste nicht stoppen

Ausgelöst worden waren die Proteste durch ein Video, das einen Beamten der mittlerweile aufgelösten Eliteeinheit Special Anti-Robbery Squad (SARS) beim Töten eines jungen Mannes zeigte und in den sozialen Medien die Runde machte. Unter dem Hashtag #EndSARS verbreiteten sich die Proteste schnell international und führten auch im Ausland zu Protestkundgebungen. Präsident Buhari beklagte am Freitag, dass die Demonstranten ihre Proteste trotz der Auflösung der umstrittenen Eliteeinheit fortsetzen.

Statt die Proteste abzusagen, hätten sie sich zu weiteren Aktionen ermutigt und seien allmählich gewalttätig geworden. In der Mitteilung wurde nicht erwähnt, ob jemand für die Todesfälle zur Rechenschaft gezogen wurde. Es hieß aber, dass es weiterhin viele Sachbeschädigungen gegeben habe und dass während der Unruhen Tausende von Häftlingen aus den Haftanstalten befreit worden seien. Eines der größten Gefängnisse in Nigeria war am Donnerstag in Brand gesteckt worden.




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Fußball-Bundesliga: Kölns Ergebniskrise dauert an

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Mit einem Heimsieg gegen den 1. FC Köln hätte der VfB Stuttgart die Tabellenführung erobern können, doch daraus wurde nichts. Köln hingegen wartet nun schon seit 15 Ligaspielen auf einen Sieg.

Der VfB Stuttgart hat sich zum Auftakt des 5. Spieltags in der Fußball-Bundesliga 1:1 (1:1) vom 1. FC Köln getrennt. Nach der frühen Führung durch Orel Mangala (1. Minute) kletterte Stuttgart in der Tabelle kurzzeitig auf Rang zwei, doch dann glich Sebastian Andersson per Strafstoß für Köln aus (23.). In der Tabelle liegt der VfB deshalb mit acht Punkten auf Rang vier, die Kölner warten weiter auf den ersten Saisonsieg und liegen mit nur zwei Zählern auf Relegationsrang 16.

Begonnen hatte die Partie für die Gäste aus Köln mit einem Schock. Es waren gerade einmal 24 Sekunden gespielt, da lag der FC bereits zurück. Vorausgegangen war eine feine Kombination des VfB Stuttgart, die ihren Ursprung bei Gonzalo Castro hatte. Castro legte nach rechts raus zu Daniel Didavi, der wiederum Sasa Kalajdzic anspielte. Der Österreicher ließ prallen und Mangala vollendete aus 17 Metern mit viel Gefühl.

Andersson lässt Köln hoffen

Beinahe hätten die Stuttgarter in der 3. Minute direkt noch einmal jubeln dürfen, doch ein Freistoß von Didavi aus 25 Metern rauschte an die Latte. Der 1. FC Köln fand zunächst nicht in die Party und schaute den Spielzügen des VfB oft nur hinterher. Der Ausgleich für die Kölner war daher eine Überraschung – und er fiel, nachdem Atakan Karazor Andersson im Strafraum gefoult hatte. Andersson trat selbst an und verwandelte eiskalt zum Ausgleich (23.).

Es war das Ende der Stuttgarter Dominanz, auch wenn das Team von Pellegrino Matarazzo weiterhin die bessere Spielanlage hatte. Köln spielte nicht ganz so ansehnlich, war aber deutlich besser im Spiel. Allerdings hatte der VfB kurz vor dem Ende der ersten Häfte noch die Chance, um erneut in Führung zu gehen: Ein Flachpass von Marcin Kaminski löste den Spielzug aus, Kalajdzic steckte wunderbar zu Tanguy Coulibaly durch, der allerdings an Kölns Torhüter Timo Horn scheiterte. Horn hatte die Situation erkannt und geschickt den Winkel für Coulibaly verkürzt (45.).

Kobel verhindert Stuttgarter Rückstand

Für die ersten beiden Aufreger in der zweiten Hälfte sorgte dann wieder der 1. FC Köln. Erst kam nach einem Pass von Limnios Andersson rechts im Strafraum zum Schuss, doch Stuttgarts Torhüter Gregor Kobel parierte im kurzen Eck stark (53.). Dann setzte Elvis Rexhbecaj einen Flachschuss aus 22 Metern wenige Zentimeter rechts neben das Tor (60.).

Der VfB Stuttgart hingegen kam anschließend nur noch selten gefährlich vor das Tor der Gäste. Waturu Endo köpfte erst über das Tor und dann daneben – mehr war lange nicht. In der 79. Minute erklang dann doch noch einmal die Torhymne, doch da war der Stadionsprecher etwas voreilig gewesen: Nach einem Pass von Darko Churlinov traf Nicólas Gonzalez nur den Pfosten – zudem hatte er im Moment des Abspiels hauchzart im Abseits gestanden.

Für den VfB Stuttgart geht es am nächsten Freitag (30.10.2020) mit einem Auswärtsspiel bei Schalke 04 weiter. Der 1. FC Köln hat einen Tag länger Pause und empfängt dann den FC Bayern München.

Quelle: sportschau.de




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Öffentlicher Dienst: (Noch) Kein Durchbruch im Tarifstreit

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Gehen die Beschäftigten von Krankenhäusern, Kitas und Kommunalverwaltungen bald wieder auf die Straße? Arbeitgeber und Gewerkschaften haben ihre Tarifverhandlungen erst einmal unterbrochen – eine Entscheidung rückt aber offenbar näher.

Arbeitgeber und Gewerkschaften haben bei ihren Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst bislang keinen Durchbruch erzielt. Nach stundenlangen Beratungen ging die achtköpfige Runde am Abend in Potsdam vorerst auseinander, wie beide Seiten mitteilten. Am Samstagmorgen sollen die Gespräche fortgesetzt werden. Wie es aus Verhandlungskreisen hieß, näherten sich beide Seiten langsam an.

Verhandelt wird über das Einkommen von mehr als zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen. In der Spitzengruppe treffen die Verhandlungsführer aufeinander: Für die Kommunen ist das Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge und für den Bund Innenminister Horst Seehofer. Für die Gewerkschaft ver.di ist es der Vorsitzende Frank Werneke und für den dbb Beamtenbund und Tarifunion der Vorsitzende Ulrich Silberbach.

Wie es weiter hieß, wollten die Mitglieder der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und der Bundestarifkommission der Gewerkschaft ver.di am Abend über den Stand beraten. Zudem waren Gespräche von Fachleuten über einzelne Bereiche geplant.

Laufzeit für Kommunen „ganz wichtig“

Käme es zu einem Durchbruch, wären neue Streiks etwa in Kliniken, Rathäusern oder Kitas vom Tisch. Zu den Konfliktpunkten, die auf den Verhandlungstisch kamen, zählte die lineare Erhöhung der Einkommen. Die Arbeitgeber bieten eine Erhöhung der Einkommen in drei Schritten an: zum 1. März 2021 um ein Prozent, zum 1. März 2022 um nochmal ein Prozent und zum 1. März 2023 um weitere 1,5 Prozent. Die Laufzeit soll drei Jahre betragen. Die Gewerkschaften fordern deutlich mehr: Plus 4,8 Prozent für nur ein Jahr.

In Gewerkschaftskreisen wurde ausgeschlossen, dass die Arbeitnehmervertreter eine Laufzeit von drei Jahren ohne deutlich höhere Steigerungen beim Lohn akzeptieren. Die drei Jahre seien für die Kommunen „ganz wichtig“, hatte Mädge aber betont.

Besonders heikel: das Thema Eingruppierung

Zu den auf dem Tisch liegenden Themen zählten auch die von den Gewerkschaften geforderte Einmalzahlung sowie die Situation von Pflegekräften und Sparkassen-Mitarbeitern. Lange wurde dem Vernehmen nach über besonders deutliche Verbesserungen für einzelne Berufsgruppen diskutiert – etwa für bestimmte Pflegekräfte. Dann könnte die Gesamtsteigerung allerdings niedriger ausfallen, hieß es.

Als besonders heikles Thema stellte sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen eine Forderung aus dem Kreis der kommunalen Arbeitgeber zur Eingruppierung der Beschäftigten heraus. Eingeführt werden soll dieser Idee zufolge, dass Beschäftigte anders bezahlt werden, wenn sie in ihrer Arbeitszeit auch Tätigkeiten verrichten, die unterhalb ihrer eigentlich höher bezahlten Aufgabe liegen. Als Beispiel wurden Ärzte genannt, die am Monatsende schlechter bezahlt werden könnten, wenn sie immer wieder etwa auch Organisationsaufgaben erledigen müssen.




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