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Die Frau, die Picasso überlebte

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Pablo Picasso hat sich in seinem Leben selten mit einer Statistenrolle zufriedengegeben. Auf dem ikonischen Foto von Robert Capa aber dient er als Schirmhalter einer anderen Hauptperson: seiner Partnerin Françoise Gilot. Das Bild entstand 1948 an der Côte d‘Azur. Im Hintergrund freut sich Picassos Neffe Javier Vilató, im Vordergrund strahlt Gilot, und Picasso selbst, der seit sechs Jahren mit der Französin liiert ist, grinst wie ein Matador, der zwischen Selbst- und Unsicherheit schwankt.

Schirmherr: Picasso hält Françoise Gilot sie Sonne vom Leib. Im Hintergrund freut sich sein Neffe Javier Vilato. © Quelle: imago images / ZUMA/Keystone

Françoise Gilot hat Pablo Picasso überlebt. Dieser Satz hat verschiedene Ebenen, aber er ist auch wortwörtlich zu nehmen. Zum einen ist es nicht selbstverständlich für eine Partnerin des großen Malers, dass sie nicht an ihm zugrunde gegangen ist. Dora Maar, Olga Chochlowa, Marie-Thérèse Walter oder Jacqueline Roque brachten sich nach ihrer zerbrochenen Liebe zu Picasso um oder verfielen dem Wahnsinn. Wer sich heute aus privaten oder beruflichen Gründen mit toxischen Beziehungen beschäftigt, kann Picasso als einen Paradefall ansehen.

Françoise Gilot verließ Picasso mit ihren Kindern Paloma und Claude

Zum anderen hat Gilot Picasso überlebt, weil sie sich nicht in Abhängigkeit von ihm begeben hat – nicht seelisch, nicht emotional, nicht finanziell. Sie – und unter anderem dies macht sie so einzigartig – hat Picasso als einzige seiner zahllosen Frauen und Geliebten verlassen. Sie ist gegangen. Sie hat ihn zurückgelassen.

Françoise Gilot und der 40 Jahre ältere Pablo Picasso waren im Mai 1943 im von den Nationalsozialisten besetzten Frankreich ein Paar geworden. Gemeinsam bekamen sie die beiden Kinder Paloma und Claude. Als Gilot Picasso tatsächlich zu verlassen wagte, reagierte dieser wie eine gekränkte Gottheit. „Keine Frau verlässt einen Mann wie mich.“ Und: „Für dich ist die Realität zu Ende – hier, an diesem Punkt endet sie.“ Und: „Es ist deine Pflicht, bei mir zu bleiben und dich um mich und die Kinder zu kümmern. Ob dich das glücklich oder unglücklich macht, geht mich nichts an. Entscheidend für dich sollte sein, dass dein Hierbleiben für andere Glück und Halt bedeutet.“

Dass wir so genau wissen, was der verlassene Künstler sagt, verdanken wir dem Buch „Leben mit Picasso“. Hier hat Gilot ihre Erinnerungen an die zehn intensiven Jahre mit dem Schöpfer von Meisterwerken wie „Guernica“ und „Les Demoiselles d‘Avignon“ festgehalten. Es ist das Testament einer Beziehung. Ein Testament, das Picasso angefochten hat.

Denn bevor das Buch 1964 in Frankreich erschien, versuchte Picasso erfolglos, die Publikation juristisch zu verhindern. Die Reaktion des Malers auf die Trennung fiel noch radikaler aus: Als Gilot selbst künstlerisch Fuß fassen wollte, merkte sie, dass Picasso allen Pariser Galerien untersagt hatte, ihre Bilder zu erwerben oder auszustellen. Der Arm des Meisters war lang.

Eine eigenständige und sehr moderne Frau

Trotzdem konnte Françoise Gilot auch als Künstlerin aus Picassos Schatten treten. 1952 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in Paris. Bis heute malt sie in ihren Ateliers in New York und Paris, stellt aus, verkauft ihre Werke.

Malerin und Schriftstellerin: Hier ist Françoise Gilot auf einem Fild von 1999 zu sehen. © Quelle: Wolfgang Thieme/dpa-Zentralbild/

Am kommenden Freitag wird Gilot 100 Jahre alt. Das Malen hat sie bis ins hohe Alter begleitet. Sie beginne ihre Arbeit immer im Morgengrauen, noch in Pyjama und Pantoffeln. Ein Blick von der Empore zur halb fertigen Leinwand auf der Staffelei, dann steige die Malerin hinab und mache sich sofort ans Werk, schrieb Malte Herwig vor sechs Jahren in seinem Porträt der Malerin. Es zeigt, wie eigenständig und modern diese Frau ist. Und wie sehr sie nach ihrem Buch „Leben mit Picasso“ zu einem ganz anderen Leben gekommen ist, zu einem Leben ohne Picasso.

In ihren Erinnerungen an die Zeit mit dem berühmten Maler geht es am Rande auch um die politischen Einstellungen des Künstlers, um das Ende der deutschen Besatzung und die Nachkriegszeit. 1944 war Picasso in die Kommunistische Partei eingetreten und bis zu seinem Lebensende 1973 Mitglied geblieben. Die politische Seite Picassos ist unbekannter als sein Werk, seine Frauengeschichten, sein Geniekult. In der Ausstellung „Der geteilte Picasso“, die momentan im Kölner Museum Ludwig zu sehen ist, wird gezeigt, wie sehr sich die Rezeption Picassos in der Bundesrepublik von der in der DDR unterschied.

In der Bundesrepublik ging es mehr um das Malergenie, um den autonomen Künstler, auch um die Person Picasso. In der DDR hingegen stand die Betrachtung eines politischen Künstlers im Vordergrund. Dort ist mehr der Mann interessant, der sich in der Kommunistischen Partei engagiert, der die Friedensbewegung unterstützt. Die Schau, die die bisherige Kuratorin am Kölner Museum Ludwig und zukünftige Sammlungsleiterin des Jüdischen Museums in Berlin, Julia Friedrich, entwickelt hat, zeigt eindrucksvoll die Unterschiede, die sich für das Werk Picassos durch die unterschiedliche Betrachtungsweise ergeben.

Zu sehen sind wenige Originalwerke, heraus sticht das „Mas­sak­er in Ko­rea“ (1951) aus dem Paris­er Musée Pi­cas­so. Gezeigt wird natürlich auch die Friedenstaube. Sie wird zunächst nur im Osten Deutschlands zum Symbol der Friedensbewegung. 1949 hatte sie der Dichter Louis Aragon für das Plakat des Weltfriedenskongresses ausgewählt. Gezeigt wird in Köln der originale Vorhang des Berliner Ensembles aus den Fünfzigerjahren. Bert Brecht hatte in seinem Theater seit der Inszenierung von „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ 1949 auf dem „Großen Vorhang“ die Friedenstaube abgebildet. Der Vorhang begleitet das Ensemble auch auf Gastspielreisen. „Mit seiner Theaterarbeit unter dem Symbol der Taube setzte es demonstrativ ein Zeichen im Kampf für den Erhalt des Friedens“, heißt es im Katalog.

Leihgabe aus Paris: Pablo Picassos “Massaker in Korea”, © Quelle: © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Foto: bpk/RMN-Grand Palais/Mathieu Rabeau

Ein Briefwechsel wiederum zeigt, dass eine Wanderausstellung, die in Nürnberg und anderen westdeutschen Städten zu sehen war, in West-Berlin vom dortigen Senator für Volksbildung abgelehnt wurde – mit der Begründung, Picasso sei „östlich orientiert“. Die politische Orientierung und die – allerdings nicht unumstrittenen – Sympathien der DDR für Picasso hatten für den Maler und die Präsentation seiner Kunst also handfeste Nachteile.

Wenn am Ende der Ausstellung Françoise Gilot wieder in den Blick gerät, sieht man, dass ein Picasso-Bild von ihr zwei verschiedene Titel hat: Im Westen hieß es schlicht „Frau im Lehnstuhl“, in der DDR „Frau mit polnischer Jacke“. Picasso hatte seine Geliebte nach einem Friedenskongress 1948 in Polen mit einem dort erworbenen Mantel gemalt. So zeigt sich auch in diesem Punkt: Es gab in Deutschland nicht nur zwei Systeme, sondern dadurch auch zwei Picassos.

Die Ausstellung „Der geteilte Picasso. Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR“ im Museum Ludwig in Köln ist noch bis zum 30. Januar zu sehen. Der Katalog, herausgegeben von Julia Friedrich, ist bei Walther König erschienen, umfasst 248 Seiten und kostet 24,80 Euro. Einen exklusiven Film von Peter Nestler ist hier zu sehen.

Françoise Gilot/Carlton Lake: „Leben mit Picasso“. Diogenes. 591 Seiten, 15 Euro.

Malte Herwig: „Françoise Gilot. Die Frau, die Nein sagt. Ihr Leben mit und ohne Picasso“. Diogenes. 240 Seiten, 14 Euro.



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„Joko & Klaas gegen ProSieben“: Erste Niederlage und Bestrafung

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Bei „Joko & Klaas gegen ProSieben“ stand das Duo im Finale als Trio auf der Bühne. Joko Wintersched hatte sich in der letzten Sendung verletzt und so bekamen er und Klaas Heufer-Umlauf Unterstützung von Producer und Autor Jakob Lundt. Vielen Aufgaben konnte das Trio bewältigen, doch den dritten Sieg in der dritten Ausgabe der neuen Staffel konnten sie nicht erspielen, wie der Sender ProSieben mitteilte.

Zunächst sah es für das Team gut aus: Die ersten vier Aufgaben konnten sie gemeinsam bewältigen. Das zweite Spiel „The Taped Singer“ konnten sie zum Beispiel erfolgreich lösen, indem sie zwei von vier Promi-Sängern und Sängerinnen erkannten, deren Gesichter mit Klebeband verdeckt waren, darunter Vanessa Mai und Lucy Diakovska. Spiel fünf und sechs trat das Trio gegen die Promi-Herausforderer und Herausforderinnen Verona Pooth, und Micky Beisenherz, sowie Max Giesinger und Johannes Oerding an und mussten sich ihnen geschlagen geben.

Finale zu schwer für Joko, Jakob und Klaas

Gegen die finale Aufgabe protestierte Klaas: „Was ist denn das für ein beknacktes Finale?“. Denn als letzte Aufgabe sollten sich Klaas oder Jakob für fünf Minuten an fünf verschiedenen Gegenständen klammern, ohne dass die Füße den Boden berühren. Was an einer Jeans oder einem Medizinball nicht so gut funktionierte, gelang Klaas an einer Puppe von Joko besonders gut. Am längsten konnte sich Klaas festhalten, fiel jedoch nach vier Minuten vom letzten Gegenstand und das Finale war verloren.

Das wird ihre Bestrafung

Als Bestrafung kündigte der Sender an, dass ihnen während ihrer Live-Show am kommenden Samstag „Das Duell um die Welt“, „etwas Krasses widerfahren“ soll. Damit erhalten Joko und Klaas auch keine Live-Sendezeit zur Primetime auf ProSieben. Nach der ersten Ausgabe von „Joko & Klaas gegen ProSieben“ wiesen sie in „15 Minuten live aus Joko & Klaas“ auf Vorsorgeuntersuchungen hin und in der vergangenen Woche zeigten die beiden die Corona-Realität. Dabei kamen eine junge Patientin, ein Oberarzt der Intensivstation der Charité sowie Olaf Scholz zu Wort, der dort erklärte: „In Deutschland sind zu wenige Menschen geimpft. […] Schützt euer Leben und das der anderen“.



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Wo Reisende tief ins Weltall blicken können

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Wer in diesen Tagen die kleine Ostfriesische Insel Spiekeroog besucht, sieht tagsüber wintervermummte Gestalten. Sie genießen die Weite des Strandes oder umrunden die Alte Inselkirche von 1696. Für den Abend reserviert sich der kluge Gast einen Tisch, was im Dezember nicht ganz einfach ist, weil viele Betriebe vor Weihnachten geschlossen haben.

In späteren Stunden wird es dann ruhig auf der Insel. Ganz ruhig. Das Nachtleben war noch nie ein Grund, nach Spiekeroog zu fahren. Wobei die Fans der Kultkneipe Old Laramie im Westen der Insel das durchaus anders sehen könnten.

Seit ein paar Wochen lassen sich nachts allerdings ungewohnte Aktivitäten beobachten. Sternenfreunde, ausgestattet mit Spektiv und Fernglas, steuern die Dünenlandschaft im Norden und Osten des Dorfes an. Seit die International Dark-Sky Association (IDA) Spiekeroog im August 2021 zusammen mit Pellworm zur Sterneninsel ernannt hat, haben Profi- und Laien-Astronomen ein neues Ziel.

Sehenswürdigkeiten am Nachthimmel: Drei Himmelsbeobachtungsplätze auf Spiekeroog

Es gibt nicht viele Orte in Deutschland, an denen es so wenig künstliches Licht und damit so wenig Lichtverschmutzung gibt wie auf Spiekeroog. Hier lässt sich der nächtliche Sternenhimmel daher besonders gut beobachten, vor allem im Frühling und Herbst. Drei sogenannte Himmelsbeobachtungsplätze wurden auf der Insel eingerichtet: ein „Lichtort“, ein „Dunkelort“ und ein „Sternenkieker-Ort“.

Der „Lichtort“ liegt auf einer 18 Meter hohen Aussichtsdüne beim Utkieker, einer Bronzeskulptur des Kölner Bildhauers Hannes Helmke. Nach Einbruch der Dunkelheit sieht man allerlei. Im Norden die Positionslichter der Schiffe auf der Nordsee, im Osten das Licht des Leuchtturms von Wangerooge und im Süden die rot blinkenden Warnlichter der Windkraftanlagen auf dem Festland und die Lichtglocke über Wilhelmshaven. Sehr viel künstliches Licht also, dessen negative Auswirkungen auf einer Infotafel beschrieben werden.

So können zum Beispiel Zugvögel, die sich am Sternenhimmel orientieren, von ihren Flugrouten abgelenkt werden. Für nachtaktive Insekten werden die künstlichen Lichtquellen zu Todesfallen.

Die Skulptur „De Utkieker“ zeichnet sich vor dem Sternenhimmel über der Nordseeinsel Spiekeroog ab. Spiekeroog ist offizielle Sterneninsel zusammen mit Pellworm – die beiden Nordseeinseln haben die Anerkennung als internationaler Sternenpark erhalten. © Quelle: Andreas Hänel/dpa

Blicke tief hinein ins All: Hier ist es auf Spiekeroog möglich

Nur ein paar Schritte weiter nördlich, beim „Dunkelort“ in einem Dünental, folgt das Kontrastprogramm: Legt der Sternenfreund hier den Kopf in den Nacken, schaut er «tief hinein ins All», sagt Swaantje Fock, die Leiterin des Nationalpark-Hauses auf Spiekeroog.

Wenn nicht gerade eine Wolkendecke den Blick verstellt oder der späte Mond sein Licht streut, präsentiert sich das Band der Milchstraße in ungewohnter Pracht.

Wer diesen Anblick lieber im Liegen genießen möchte, sollte weiter östlich den strandnahen „Sternenkieker-Ort“ aufsuchen. Von zwei Holzliegen aus lässt sich entspannt ein Sternenhimmel studieren, der sich je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich zeigt. Mitte Dezember ist zum Beispiel gegen Mitternacht mit bloßem Auge das Sternbild des Orion im Süden auszumachen.

So kommen Reisende nach Spiekeroog mit dem Auto und der Fähre

Mit dem Auto ist eine Anreise bis Neuharlingersiel möglich. Dort kann der Wagen auf den Parkplätzen der „Spiekeroog Garagen“ abgestellt werden. Die Insel selbst ist autofrei. Reisende kommen mit der Bahn bis Esens oder Norden und weiter mit dem Taxi oder Bus bis zum Anleger in Neuharlingersiel.

Alternativ fährt die Fähre mehrmals täglich zu wechselnden Zeiten (tideabhängig). Auch ein kleines Wassertaxi fährt gezeitenunabhängig zu festen Zeiten zur Insel und zurück. Ab Sommer 2022 soll eine größere Schnellfähre tideunabhängig zwischen Festland und Insel pendeln.

Was uns die Dunkelheit lehren kann

Die Anerkennung als Sterneninsel ist für Swaantje Fock eine willkommene Gelegenheit, das Thema Dunkelheit von verschiedenen Seiten zu beleuchten. „Der Sterne-Fan merkt: Es ist wichtig, Licht zu reduzieren. Der Vogelkundler merkt, wie spannend Sterne sind. Und der Klimaaktivist entdeckt die beruhigende Wirkung und Tiefe des Kosmos.“ Die 48-Jährige feilt nun an einem Programm für Gruppen, Jugendliche wie Erwachsene, Einsteiger wie Profis.

Schon im kommenden Frühjahr sollen auch Sternenführungen für Einzelreisende angeboten werden. Um sich auf diese Aufgabe vorzubereiten, hat sich an einem tristen November-Wochenende eine Gruppe von Gästeführern bei einem Seminar mit den Besonderheiten des Sternenhimmels über Spiekeroog vertraut gemacht.

Der Referent war kein Geringerer als Andreas Hänel. Der Osnabrücker Astronom ist so etwas wie der Vater der Sternenparks in Deutschland. Lichtverschmutzung ist für ihn eine Art Lebensthema. Bis vor zweieinhalb Jahren leitete er noch das Planetarium in Osnabrück, nun ist der Rentner eine Art Reisender in Sachen Sternenparks.

Pellworm: Der Sternenhimmel ist über der Nordermühle auf der Insel Pellworm zu sehen. Ein Lichtermeer aus unzähligen Sternen am Nachthimmel sieht man recht selten. Denn in vielen Städten und Gemeinden ist es auch nachts viel zu hell. Auf Spiekeroog und Pellworm ist das anders. Beide Inseln sind offiziell Sterneninseln. © Quelle: Marcus Brandt/dpa

Eine überraschende Entdeckung im Jahr 2019

Hänel war es auch, der im April 2019 am Strand und in den Dünen von Spiekeroog die Dunkelheit gemessen hat. Der Wert, der dabei herauskam, hat selbst ihn überrascht. Eine solche Dunkelheit messe man sonst nur an Orten wie dem australischen Outback, also fernab der Zivilisation. Als er Swaantje Fock davon erzählte, habe die einen richtigen Luftsprung gemacht. „So begeistert war sie.“

Bei der Nationalpark-Verwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, den Touristikern vor Ort und in der Gemeinde fand Hänel weitere Mitstreiter. Matthias Piszczan, zu dieser Zeit noch Bürgermeister auf Spiekeroog, stieg persönlich auf eine Leiter, schraubte diverse Leuchten auf und programmierte deren Lichtstärke um.

Lampen, die nicht umgerüstet werden konnten, wurden erneuert. Großbauten gibt es auf Spiekeroog nicht. Und der Hafen liegt auf der Südseite der Insel, weit weg von den Himmelsbeobachtungsplätzen.

Nun hoffen die Sterne-Aktivisten, dass alle Inselbewohner mitziehen. Ein Flyer wirbt für eine umweltfreundliche Beleuchtung an Privathäusern. Auch die Hoteliers müssten mit ins Boot, sagt Hänel. Freunde der Nacht sollten ein Zimmer bekommen, das sich gut verdunkeln lässt, damit nicht frühmorgens schon die Sonne durchs Fenster scheint. Ein spätes Frühstück wäre auch nicht schlecht.

Der Rest ist Glückssache. Das muss auch Andreas Hänel immer wieder erfahren. Für sein Seminar im November hatte er extra eine Nacht ausgesucht, in der der Mond um 23.11 Uhr untergeht. Optimal für einen Blick in den Sternenhimmel.

Tagsüber knüpfte Hänel seine ganze Hoffnung noch an ein kleines blaues Band, das sich über den Himmel spannte. Doch am Abend schoben sich dicke Wolken vor die funkelnde Sternenpracht. Dass sich auf den Inseln das Wetter oft schnell ändert, war in dieser Nacht kein Trost.



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