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Deutschland spielt 2:2 gegen Argentinien: Doppelt sinnlos

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Der neue DFB-Star: Luca Waldschmidt kam in 90 Minuten auf einen Torschuss. Robin Koch verschätzte sich als zentraler Abwehrspieler beim Gegentreffer von Lucas Alario. Die Debütanten der deutschen Nationalmannschaft reihten sich grundsätzlich gut ein, reelle EM-Chancen haben die beiden Freiburger jedoch nicht. Bei anhaltender Gesundheit sicher dabei sein wird jedoch Serge Gnabry. In seinem elften Länderspiel erzielte der Münchner sein zehntes Tor, war an vielen Offensivaktionen beteiligt und unterstrich seine herausragende Form.

Das Ergebnis: Das DFB-Team führte mit zwei Toren, am Ende reichte es doch nur zu einem 2:2 (2:0). Lesen Sie hier den Spielbericht.





Ina FASSBENDER/AFP

Die Schweigeminute in Dortmund wurde von dieser Anzeige untermalt

Schweigeminute statt Absage: An einem Tag, an dem bei einer vermutlich rechtsextremen und antisemitischen Attacke in Halle zwei Menschen sterben, sollte jedes Fußballspiel, jede größere Sportveranstaltung in Deutschland abgesagt werden. Solch eine Absage hätte einen hohen symbolischen Wert. Der DFB, vor knapp vier Jahren mit der Nationalmannschaft selbst Ziel eines terroristischen Attentats, entschied sich – wenig überraschend – vor dem Test gegen Argentinien stattdessen für eine Schweigeminute. Dabei tendierte der sportliche Wert angesichts der vielen Spielerabsagen auf beiden Seiten gen Null.

Weltmeisterfreie Zone: Der Albiceleste fehlten unter anderem Lionel Messi, Ángel di María und Sergio Agüero. Bundestrainer Joachim Löw trat erstmals seit dem Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien ohne einen Spieler aus dem WM-Kader an. Neben zahlreichen Stammspielern fiel auch kurzfristig der eingeplante Debütant Niklas Stark aus und wurde durch den nächsten Debütanten Koch ersetzt. Für den Freiburger wird das wie für Waldschmidt ein unvergesslicher Abend gewesen sein – aber im Hinblick auf die EM 2020 bot dieses Spiel kaum Erkenntnisse. Das sahen auch die Zuschauer in Dortmund bei Eintrittspreisen von zehn bis 100 Euro so. So leer war das Stadion zuletzt bei der BVB-Saisoneröffnung 2018.

„Halt die Fresse“: 42.000 Zuschauer füllten das Westfalenstadion zu zwei Dritteln, darunter war ein Unverbesserlicher. Während der Schweigeminute stimmte dieser Zuschauer mit „Einigkeit und Recht und Freiheit“ die ersten Klänge der deutschen Nationalhymne an, wurde aber umgehend von einem anderen Fan zur Räson gebracht.

Erste Hälfte: Bei aller Kritik am sportlichen Wert solcher Testspiele im Oktober zeigte das DFB-Team überzeugenden Offensivfußball. Nach schöner Vorarbeit von Lukas Klostermann erzielte Gnabry die Führung, wenig später wurde das ebenfalls im Umbau befindliche argentinische Team ausgekontert. Klostermann eroberte den Ball, passte rechts hinaus auf Gnabry und der Münchner legte quer für den durchgestarteten Kai Havertz, der sein erstes Länderspieltor erzielte (22.). Marcel Halstenberg traf mit einem Freistoß noch die Latte (31.), auf der anderen Seite testete Rodrigo de Paul mit einem Weitschuss auch die Standfestigkeit des Dortmunder Aluminiums (33.).

Zweite Hälfte: Der argentinische Nationaltrainer Lionel Scaloni wechselte insgesamt fünfmal, sein Team wurde dadurch deutlich besser. Gleichzeitig unterliefen der deutschen Mannschaft mehr Fehler in der Defensive. Ausdruck dieser Veränderung war der Anschlusstreffer des eingewechselten Leverkusener Stürmers Lucas Alario (66.). In der Schlussphase wurde die Überlegenheit der Albiceleste immer größer. Alario bereitete auch den Ausgleich durch Lucas Ocampos vor (85.).

Erkenntnis des Spiels: Tja. Die Zufriedenheit auf Seiten des Bundestrainer wird angesichts der Leistung im ersten Durchgang stattlich sein. Doch Marco Reus, Leroy Sané, Toni Kroos, Leon Goretzka, Nico Schulz, Julian Draxler, Timo Werner und Ilkay Gündogan werden nach und nach zurückkehren. Und erst dann wird im kommenden Jahr die EM-Formation gefunden werden.

Deutschland – Argentinien 2:2 (2:0)
1:0 Gnabry (16.)
2:0 Havertz (22.)
2:1 Alario (66.)
2:2 Ocampos (85.)
Deutschland: Ter Stegen – Süle, Koch, Can – Klostermann, Kimmich, Havertz (83. Rudy), Halstenberg – Gnabry (72. Serdar), Waldschmidt, Brandt (67. Amiri)
Argentinien: Marchesín – Foyth, Otamendi, Rojo (46. Acuna), Tagliafico – Paredes, – Pereyra (76. Saravia), Correa (46. Ocampos), de Paul (90.+3 Rodriguez) – Dybala (62. Alario), Martínez
Schiedsrichter: Turpin
Gelbe Karten: Kimmich – Otamendi, de Paul, Ocampos
Zuschauer: 45.197



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Mehr Menschen zahlen Sonderbeiträge für frühere Rente | ZEIT ONLINE

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Immer mehr Menschen zahlen Extrabeiträge in die Rentenkasse ein, um ohne Abschläge früher in den Ruhestand gehen zu können. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung und beruft sich auf eine Analyse der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Während 2017 noch 11.620 Versicherte Sonderbeiträge zahlten, waren es 2018 bereits 17.086. Die Einnahmen der Rentenkasse aus den Extrazahlungen stieg damit von 207 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 291 Millionen Euro im Jahr 2018. Für 2019 lägen noch keine Zahlen vor, hieß es in dem Zeitungsbericht.

Jeder der Zahlenden von freiwilligen Sonderbeiträgen überwies demnach im Jahr 2018 im Schnitt etwas mehr als 17.000 Euro an Extrazahlungen an die Rentenkasse. Eine DRV-Sprecherin wertete dies als „Zeichen für das Vertrauen der Beitragszahler in die Sicherheit der gesetzlichen Rente„.

Abschläge gibt es für Rentner, die ab 63 Jahren früher in den Ruhestand
gehen. Pro Monat werden 0,3 Prozent abgezogen, pro Jahr sind das den
Angaben zufolge 3,6 Prozent. Maximal sind 14,4 Prozent möglich, wenn ein
Versicherter ab dem Jahrgang 1964 statt mit 67 mit 63 Jahren in Rente geht. 2018 gingen 23 Prozent aller Altersrentner mit Abschlägen frühzeitig in den Ruhestand, zitiert die Zeitung weiter aus der DRV-Analyse. Die Höhe der Abschläge betrug demnach im Schnitt etwa 90 Euro von der Brutto-Monatsrente.

Solche Rentenminderungen auszugleichen, ist teuer und kann insgesamt mehrere 10.000 Euro kosten. Die Extrazahlungen lassen sich aber über mehrere Jahre verteilen. Durch das Flexirentengesetz können Versicherte seit dem 1. Juli 2017 schon vom 50. Lebensjahr an mit freiwilligen Beiträgen Rentenminderungen kompensieren.



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Gleichstellung: Frauen holen auf – doch sie überholen noch nicht

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Männer und Frauen sind in Deutschland gleichberechtigt – die Politik ist per Grundgesetz dazu verpflichtet diesen Grundsatz umzusetzen. Als Leitmotiv hat die Bundesregierung sich dabei in ihrem Gleichstellungsbericht 2017 vorgenommen, dass Frauen und Männer die gleichen Verwirklichungschancen haben sollen. Das heißt unter anderem, dass sie die gleichen Chancen auf Jobs, Führungspositionen und Gehälter haben sollen wie Männer.

In den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung deshalb etwa das Elterngeld eingeführt, eine Geschlechterquote in Unternehmen durchgesetzt und das Entgelttransparenzgesetz beschlossen.

Familienministerin Franziska Giffey will die beschlossene Frauenquote für Unternehmen nun auch auf Vorstände ausweiten. Große deutsche Unternehmen sollten demnach mindestens eine Frau in den Vorstand berufen. Widerstand gegen dieses Vorhaben gab es prompt: aus der Union.

„Fortschritte vollziehen sich meist sehr langsam“

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat nun in einer Datenanalyse untersucht, inwieweit beide Geschlechter in den Bereichen Bildung, Erwerbsarbeit, Einkommen, Zeit, Sorgearbeit und Mitbestimmung die gleichen Lebensbedingungen haben. Dazu haben die Forscher verschiedene Datenquellen ausgewertet, wie die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit und Daten des Statistischen Bundesamtes.

Das Ergebnis: Zwar haben Frauen vor allem in den Bereichen Bildung, Erwerbstätigkeit und soziale Absicherung in den vergangenen Jahren aufholen können. Ein Grund dafür war etwa der Ausbau öffentlicher Kinderbetreuung.

Dennoch ist die durchschnittliche berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen weiterhin oft schlechter als die von Männern. „Der Rückstand der Frauen wird in wichtigen Bereichen kleiner. Aber Fortschritte bei der Gleichstellung vollziehen sich meist sehr langsam“, sagt Forscherin Karin Schulze Buschoff, die die Studie zusammen mit Yvonne Lott vom sowie Svenja Pfahl und Dietmar Hobler für die Hans-Böckler-Stiftung erstellt hat.

  • So sind Frauen und Männer etwa gleich gut qualifiziert. Frauen haben Männer bei der schulischen Bildung sogar überholt. Doch sie gehen in verschiedene Berufsfelder. Frauen erlernen häufiger als Männer einen Beruf im Dienstleistungsbereich und seltener im Handwerk. Von den 25 wichtigsten Ausbildungsberufen sind 12 männlich, aber nur 6 weiblich dominiert.

  • Zwar sind immer mehr Frauen erwerbstätig, doch die Erwerbstätigenquote der Männer liegt immer noch sieben Prozent höher.

  • Das liegt vor allem daran, dass Frauen einen deutlich höheren Anteil an unbezahlter Arbeit als Männer leisten, selbst wenn sie erwerbstätig sind (und sogar dann, wenn sie Vollzeit arbeiten). So pflegt jede zehnte Arbeitnehmerin und jeder dreizehnte männliche Arbeitnehmer Angehörige. Im Durchschnitt wenden pflegende Frauen mehr Zeit für die Pflege auf als pflegende Männer.

  • Der Gender Pay Gap ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen, liegt aber mit 21 Prozent immer noch deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Immer noch tragen vollzeitbeschäftigte Frauen ein deutlich höheres Niedriglohnrisiko als vollzeitbeschäftigte Männer.

  • Die Gehaltsunterschiede ergeben sich unter anderem daraus, dass „typisch weibliche“ Berufe, etwa im Pflege- und Gesundheitsbereich, meist schlechter bezahlt werden als technische Berufe, in denen Männer dominieren.

  • Es arbeiten immer noch deutlich mehr Frauen in Teilzeit als Männer: Fast jede zweite Frau, aber nur jeder zehnte Mann arbeitet wöchentlich weniger als 32 Stunden.

  • Frauen erhalten durchschnittlich ein 53 Prozent niedrigeres Alterseinkommen als Männer, wenn man gesetzliche Rente, betriebliche und private Alterssicherung zusammen betrachtet.

  • Eine positive Entwicklung gibt es bei der Kinderbetreuung: Die Ganztagsbetreuungsquote von Kleinkindern in Deutschland ist in den letzten 10 Jahren stark anstiegen.

  • Bei der Mitbestimmung in großen Unternehmen sieht es für Frauen immer noch schlecht aus: Frauen besetzen nur 27 Prozent aller Aufsichtsratsmandate und nur 8 Prozent aller Vorstandsvorsitze in den 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen.

Die Große Koalition hat also noch einiges vor sich, wenn sie gleiche Lebensbedingungen der Geschlechter erreichen will. Die Forscher sind sich einig: Es gehe deutlich schneller voran, wenn die Politik mit Investitionen oder verbindlichen Regulierungen nachhelfe. Das zeige sich an der Kinderbetreuung und der Quote für börsennotierte Unternehmen: So stieg der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 160 größten börsennotierten Unternehmen mit der Einführung der Geschlechterquote bis 2018 auf gut 30 Prozent. In nicht mitbestimmten Unternehmen, in denen keine Quote gilt, lag der Anteil bei knapp 20 Prozent.

Die Forscher haben auch Vorschläge, wie sich die Situation verbessern könnte. So empfehlen sie stärkere Anreize für Männer, Sorgearbeit zu übernehmen, etwa durch eine schrittweise Erweiterung der Partnermonate im Elterngeld auf sechs Monate.

Auch eine finanzielle Aufwertung frauendominierter Berufe im Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsbereich sei sinnvoll, um diese für beide Geschlechter attraktiver zu machen.

Icon: Der Spiegel



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