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Dax-Kurs aktuell: Anlegerstimmung signalisiert baldige Rekordstände

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Damit testet das deutsche Börsenbarometer mal wieder seine kurzfristig wichtige Unterstützung. Bereits der gestrige Handelstag hat gezeigt, dass derzeit viele Anleger gewillt sind, im Bereich von 13.800 Punkten wieder einzusteigen. In den vergangenen neun Handelstagen rutschte der deutsche Leitindex drei Mal auf das Niveau zwischen 13.830 und 13.802 Punkten, um kurze Zeit später wieder deutlich höher zu notieren.

Hält diese Marke als tiefster Korrekturpunkt seit dem Rekordhoch von 14.169 Zählern? Solch geringe Korrekturen von rund 2,5 Prozent sind ein Indiz dafür, dass die Rally noch deutlich höhere Notierungen erreichen dürfte.

Am am heutigen Handelstag geht der Paradigmenwechsel an der Börse weiter. Weg von Technologieaktien, hin zu zyklischen Werten. So fällt der technologielastige TecDax um 1,7 Prozent und damit deutlich mehr als die anderen Börsenindizes. Die Essenslieferdienste wie Delivery Hero und Hellofresh zählen zu den deutlichen Verlierern. Aktien der Lufthansa, Fraport und Airbus hingegen liegen zwischen vier und fünf Prozent im Plus.

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Sämtliche Sentimentanalysen hierzulande sprechen dafür, dass neue Rekordhochs nur ein Frage der Zeit sind. Der Analyse der Sentix-Experten zufolge liegt für den Dax ein taktisches Kaufsignal vor und auch Verhaltensökonom Joachim Goldberg sieht nach Auswertung der Umfrage der Börse Frankfurt vergangener Woche eine gute Ausgangslage für Kursgewinne deutscher Bluechips.

Und für den Sentimentexperten Stephan Heibel sieht nach Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment die Lage so aus: „In dieser Situation erfordert es Mut, auf dem aktuellen Kursniveau einzusteigen.“ Doch dieser Mut könnte belohnt werden, wenn sich die Impfsituation in den kommenden Tagen und Wochen verbessert.

Immer dann wenn die Kurse steigen, wird über eine sogenannte Blase an den Aktienmärkten diskutiert, die bald platzen dürfte und die Aktienmärkte abstürzen lässt. Aktuell hat sich Ray Dalio zu Wort gemeldet, Chef des weltweit größten Hedgefonds Bridgewater. Er kramte am gestrigen Montag gegenüber dem Wirtschaftsnachrichten-Dienst Bloomberg seinen „Blasenindikator“ hervor und stellte fest, dass etwa fünf Prozent der Top-1.000-Unternehmen in den USA auf einem „unhaltbaren Niveau“ bewertet sind.

Die Diskussion ist nicht neu: Bereits im Januar dieses Jahres befürchteten die internationalen Fondsmanager laut einer Umfrage der Bank of America die Gefahr einer Blasenbildung an den Aktienmärkten, allerdings ohne genaue Definition. Ihre Reaktion damals: Trotz der genannten Gefahr einer Blasenbildung wurden die Fondsmanager risikofreudiger und kauften mehr Aktien. Die Gier war halt größer als die Angst. Was sich im Nachhinein als richtig herausgestellt hat.

Es ist extrem schwer und sogar eher unmöglich, den genauen Zeitpunkt für das Platzen einer solchen Blase herauszufinden. Zumal es auch keine genaue Definition gibt. In den vergangenen Monaten hätte eine hohe Cashquote oder ein Spekulieren auf drastisch fallende Kurse in erster Linie viel Geld gekostet.

Der Chef der US-Notenbank Jerome Powell präsentiert am heutigen Montag vor Kongressausschüssen seinen geldpolitischen Bericht. Im Fokus steht die Höhe der Rendite von US-Staatsanleihen. Dieser Wert hat sich seit August vergangenen Jahres mehr als verdoppelt.

Hinter diesem Zinsanstieg steht zum einen die allgemeine wirtschaftliche Erholung nach dem Coronatief, zum anderen die Erwartung einer schnell zunehmenden Inflation.

Aktuell erhalten Anleger beim Kauf einer US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren 1,3687 p.a. Der Wert liegt in der Nähe des bisherigen Höchststandes der vergangenen zwölf Monate, der mit 1,3925 Prozent am gestrigen Montag erreicht wurde. Es gilt aber als extrem unwahrscheinlich, dass Powell Signale für eine straffere Geldpolitik geben wird.

So etwas hatte im Mai 2013 der damalige Fed-Chef Ben Bernanke getan, indem er ankündigte, die Anleihekäufe zu reduzieren („Taper Tantrum“). Die Anleihekurse brachen daraufhin schlagartig ein, und die Renditen schnellten in die Höhe. Dies löste eine Art Schockwelle an den globalen Finanzmärkten aus, die insbesondere auch in den Schwellenländern zu heftigen Kursverwerfungen führte.

Selbst wenn ein ähnlicher Fall am heutigen Montag eintreten sollte: Der Grafik der Jahre 2013/2014 zeigt: Der Kursrutsch nach dem damaligen Taper Tantrum war im Nachhinein ein idealer Einstiegszeitpunkt.

Blick auf die Einzelwerte

Heidelberg Cement: Trotz der Belastung durch die Corona-Pandemie hat der Baustoffkonzern das Betriebsergebnis im vergangenen Jahr gesteigert. Der bereinigte operative Gewinn legte um 6,1 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zu. Das Unternehmen schnitt damit etwas besser ab als von Analysten erwartet. Der erste Lockdown im Frühjahr hatte Absatz und Umsatz einbrechen lassen, was im Jahresverlauf nicht mehr ganz aufgeholt wurde. Die Aktie gibt zur Eröffnung 1,2 Prozent nach.

Flatexdegiro: Das hohe Kundenwachstum des Frankfurter Online-Brokers lässt vermuten, dass extrem viele neue Trader am Markt mitmischen. „Wir sehen eine weiterhin enorm starke Entwicklung des Kundenwachstums und der Handelsaktivität“, sagte Vorstandschef Frank Niehage. Bis zum Jahresende soll die Kundenzahl auf 1,8 bis zwei Millionen steigen von 1,25 Millionen Kunden zum Jahresende 2020. Die ausgeführten Transaktionen sollen 2021 bei 75 bis 90 Millionen liegen, nach 75 Millionen im vergangenen Jahr.

Die Zahlen schlagen sich auch in der Entwicklung des Aktienkurses wieder. In den vergangenen drei Monaten stieg das Papier um mehr als 68 Prozent, gibt aber am heutigen Dienstag 0,2 Prozent nach.

Rational: Die Aktien des Großküchen-Ausrüsters Rational steuern auf den größten Tagesverlust seit mehr als sechs Jahren zu. Nach einem verhaltenen Ausblick brechen die Anteilsscheine mehr als zehn Prozent an und stehen damit an der Spitze der MDax-Verlierer. Der Konzern erwartet nach dem Umsatz- und Gewinneinbruch im Corona-Jahr 2020 nun doch noch keine durchgreifende Erholung.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Derzeit hängt der deutsche Leitindex zwischen zwei Kurslücken: Am vergangenen Mittwoch wurde im Vergleich zu den Notierungen vom Dienstag eine kleine Abwärtskurslücke aufgerissen, zwischen 14.050 Punkten und 14.036 Zählern gab es zu regulären Handelszeiten keine Notierung. Diese Lücke gilt nun als erster Widerstand, sollte der Dax wieder über die Marke von 14.000 Punkten steigen.

Auf der Unterseite ist immer noch die Aufwärtskurslücke von Ende Januar intakt. Solche Aufwärtskurslücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Das gilt umgekehrt bei Abwärtskurslücken.

Diese Aufwärtskurslücke in Zahlen: Am Montag vergangener Woche lag der höchste Dax-Kurs bei 13.648 Zählern, die niedrigste Notierung am Dienstag vergangener Woche bei 13.693 Punkten.

Nur knapp darunter liegt mit 13.500 Zählern die aus charttechnischer Sicht noch wichtigere Unterstützung. Diese Marke bildete im vergangenen Jahr monatelang einen Widerstand, der erst im Dezember überwunden werden konnte. Deswegen ist aus dem Widerstand eine Unterstützung geworden. Diese hat der Leitindex in diesem Jahr nur einmal zum Handelsschluss unterschritten.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.



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Corona-Ausbruch bei Miele behindert Produktion in mehreren Werken

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Wegen eines Corona-Ausbruchs im Euskirchener Werk des Hausgeräteherstellers Miele muss in der kommenden Woche in fünf weiteren Werken die Produktion heruntergefahren werden. In Euskirchen, wo Miele Motoren fertigt, waren zuvor 18 Mitarbeiter positiv getestet worden. Bei zehn von ihnen war die britische Mutante festgestellt worden. Wie Miele am Freitag mitteilte, mussten sich daraufhin 206 Mitarbeiter bis einschließlich 9. März in Quarantäne begeben. In dem Werk sind den Angaben zufolge insgesamt 500 Menschen beschäftigt.

Weil das Werk Euskirchen nicht lieferfähig sei, müsse die Produktion im Verlauf der kommenden Woche vorübergehend auch im Gütersloher Gerätewerk GTG, in Bielefeld, in Unicov (Tschechien) sowie in Ksawerów (Polen) heruntergefahren werden. Da dort dann auch keine Kunststoffkomponenten mehr abgenommen werden könnten, müsse das Werk in Warendorf ebenfalls unabwendbar heruntergefahren werden.

Die ersten Infektionen sind dem Unternehmen zufolge bereits am Dienstag nachgewiesen worden. Daraufhin sei bei allen 500 Beschäftigten des Euskirchener Werkes eine Reihentestung durchgeführt worden. Laut Miele ist unklar, wie das Virus in den Betrieb gelangte und sich dort ausbreitete. Es gebe keine Hinweise darauf, dass dies auf unzureichende Schutzmaßnahmen zurückzuführen sei, betonte das Unternehmen.



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Corona: Ex-Real-Chef Patrick Müller-Sarmiento zu den Fehlern der Einzelhändler in der Krise

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manager magazin: Herr Müller-Sarmiento, der Einzelhandel – mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte – ist der große Verlierer der Pandemie. Viele klagen auf Öffnung. Ist mit dem Ende des Shutdowns wirklich das Problem gelöst?

Patrick Müller-Sarmiento: Es gibt nicht nur Unternehmen, die unverschuldet in die Krise geraten sind. Viele Händler hatten bereits vor der Pandemie große Schwierigkeiten.

An welche Unternehmen denken Sie da insbesondere?

Ein großes Problem vieler Händler ist die fehlende Nähe zum Kunden…

…was in der Pandemie bei geschlossenen Läden gar nicht so einfach ist…

Das stimmt natürlich, das Smartphone ist der neue Einkaufswagen; der Internet- und Versandhandel ist in den vergangenen Monaten um fast 25 Prozent gewachsen, während zum Beispiel allein der Bekleidungshandel im Dezember 2020 mehr als 40 Prozent seines Geschäfts verloren hat.

Aber was verstehen Sie unter Nähe zum Kunden im anonymen Netz?

Erst einmal, dass ein Produkt schnell auffindbar ist und mir als ein Top-Ergebnis der Suche angezeigt wird. Es kommt also auf die richtigen Algorithmen an. Dafür muss der Verkäufer wissen, nach welchen Attributen der Kunde sucht, etwa „curved“ oder „HDMI“ bei einem Fernseher. Nicht mehr der Einkäufer, Vertriebler oder die Marketingexpertin entscheidet, wie ein Produkt beworben wird, sondern der Kunde. Das ist eine gute Entwicklung. Wer dieses System als Händler nicht beherrscht, muss Unsummen Geld an Google bezahlen, damit die Produkte bei der Suche oben erscheinen. In der Vergangenheit haben das viele Unternehmen schleifen lassen und auch den Datenschatz, den sie besitzen, nicht gehoben. Mich persönlich hat es beispielsweise gewundert, dass ich im Lockdown nur von einem einzigen Händler angerufen worden bin, bei dem ich sonst regelmäßig einkaufe.

Wer war die positive Ausnahme?

Ein kleiner Bekleidungshändler, der sich bei mir telefonisch gemeldet hat. Es gibt aber darüber hinaus zahlreiche weitere positive Beispiele von Firmen, auch in meinem unmittelbaren Umfeld, die Instagram und die Kundendatei gut nutzen. Das ist small data at it`s best. Jeder Händler, der von der Kundin, vom Kunden her denkt und handelt, wird eine Perspektive finden.

Werden die Menschen nach dem Lockdown so einkaufen wie vor der Pandemie?

Nein, denn die Menschen haben gelernt, wie praktisch und schnell erledigt der Einkauf im Netz sein kann, gerade auch bei den Lebensmitteln. Vor der Pandemie lag der Online-Anteil im Food-Bereich bei 1,5 bis 2 Prozent. Ich bin mir sicher, dass dieser Anteil dauerhaft und in kürzester Zeit stabil auf 5 bis 10 Prozent steigen wird. Und es wird auch einen Gegentrend geben…

Sie meinen Einkaufen um des Einkaufens willen?

Man darf nicht vergessen, in Deutschland, aber auch in Europa gibt es fast 45 Prozent Single-Haushalte. Nach der Pandemie wird es einen unglaublichen Drang geben, nach draußen zu gehen. Geschäfte etwa, die einen Markthallen-Charakter bieten, werden davon profitieren. Viele Kunden kommen allein deshalb dorthin, weil sie sich freuen, Bekannte zu treffen und ins Gespräch zu kommen. Und es gibt natürlich Trends bei den Warengruppen, die sich durch den Lockdown noch einmal verstärkt haben.

Welche sind das?

Gesunde, bewusste Ernährung hat noch mal einen höheren Stellenwert bekommen, weil zu Hause jetzt viel mehr frisch gekocht wird. Ein Trend wird sein, wieder mehr über Lebensmittel wissen zu wollen, wann wächst welches Gemüse, wie koche ich richtig. Im Lockdown haben viele Menschen gemerkt, dass sie verlernt haben zu kochen. Und bei anderen Warengruppen – beispielsweise hochwertige Kosmetika, haben Kunden womöglich während der Pandemie festgestellt, dass sie auch darauf verzichten können.

Was bedeutet das für den Händler?

Es klingt vielleicht banal, aber die erste Frage muss lauten: Habe ich eigentlich noch das richtige Produkt zum richtigen Preis für diesen Markt? Gerade im Textil-Einzelhandel sind viele Produkte beliebig, weil ich die gleichen Kleidungsstücke an mehreren Stellen und dann auch noch im Netz einkaufen kann. Es gibt aber ein paar junge Marken, die sich dieser Verwechselbarkeit entziehen wie etwa ein schwedischer Fast-Fashion-Händler, die wachsen gegen den Trend stark.

Was macht diese Marke anders als andere?

Die haben mit Teens und Twens eine klar definierte Zielgruppe, bei der sie regelmäßig checken, auf welche Seiten sie scrollen, welche Farben gesucht werden, um dann fast im Wochenrhythmus das Sortiment anzupassen. Sie sind also nah am Kunden.

Das klingt fast so, als hätten die sich einen eigenen Markt geschaffen.

Oder zumindest eine Nische in einem Markt. Es ist möglich, eigene Märkte zu kreieren. Das haben zu wenige Unternehmen im Blick.

Apple hat das geschafft. Fallen Ihnen noch andere Beispiele ein?

Der E-Autohersteller Tesla bis zu einem gewissen Punkt. Aber auch vegane Ernährung könnte ein großer neuer Markt werden. Noch machen diese Produkte nur 2 Prozent am Lebensmittelhandel aus. Aber was ist, wenn die Massentierhaltung stark eingeschränkt wird, auch aus Gründen des notwendigen Klimaschutzes oder es jemand schafft, das Geschmackserlebnis dieser Produkte zu revolutionieren?

Der Handelsverband Deutschland warnt schon lange vor einem Sterben der Innenstadt und fordert die Politik auf, unter anderem mit Innenstadtfonds gegenzusteuern. Wie sehen Sie die Zukunft der City?

Die Innenstadt war schon immer mehr als Konsum. Sie ist ein sozialer Ort, ein Ort der Begegnung. Deshalb gibt es eine Renaissance der Märkte und der Markthallen als Treffpunkte, als Austauschorte. Wir müssen helfen, in diesem Sinne, die Innenstadt zurückzuerobern, sie vom Autoverkehr zu entlasten, die Parks zu beleben und Wohnraum zu schaffen, um ein neues Miteinander zu ermöglichen.




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Großbritanniens vernünftige Öffnungsstrategie

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Ein kollektiver Stoßseufzer der Erleichterung geht durch Großbritannien. Endlich gibt es eine Perspektive für den Ausstieg aus dem lähmenden Corona-Lockdown, der Fahrplan für stufenweise Lockerungen steht nun fest. „Das Ende ist in Sicht“ oder „Wir sind auf der Straße in Richtung Freiheit“, lauteten die Schlagzeilen, nachdem Premierminister Boris Johnson seine „Roadmap“ für den Abbau der Corona-Restriktionen in England vorgelegt hat (Wales, Schottland und Nordirland haben eigene Pläne).

Natürlich ist der Jubel nicht ungeteilt: Manchen geht es zu langsam, andere warnen vor zu schnellen Schritten. Aber immerhin bekommen die Menschen und die ums Überleben kämpfenden Unternehmen eine Planungsgrundlage, man sieht Licht am Ende des Tunnels. Die Schulen öffnen vom 8. März an. Am 12. April dürfen alle Geschäfte, die Friseure, Museen, Bibliotheken und Sportstudios wieder aufmachen; Restaurants und Pubs können Gäste an Tischen draußen bedienen. Von Mitte Mai an darf die Gastronomie komplett wieder öffnen. Am 21. Juni sollen sämtliche Restriktionen für das soziale Leben enden – sofern die Entwicklung der Viruszahlen nicht dagegen spricht. Die Wirtschaft kann Hoffnung schöpfen, dass das Schlimmste bald vorüber ist.

Atemberaubende Fortschritte

Die Grundlage dafür liegt im überaus erfolgreichen Impfprogramm seit Dezember. Bis dato hatte sich die Regierung nicht mit Ruhm bekleckert, ihre Corona-Politik war durch Zögerlichkeit, Kehrtwenden und Pannen gekennzeichnet. Die Insel hat eine der höchsten Todesraten in Europa zu beklagen. Relativ zur Bevölkerungszahl sind nur Belgien, Tschechien und Slowenien noch schlimmer betroffen. Premierminister Johnsons Popularitätswerte fielen zeitweilig in den Keller.

Inzwischen aber hat sich das Bild gewandelt. Das Impfprogramm macht atemberaubende Fortschritte. Schon fast 20 Millionen Bürger haben bislang ihre erste Dosis erhalten. 1500 Impfzentren mit mehr als 30.000 Kräften des Gesundheitsdienstes NHS und 100.000 freiwilligen Helfern arbeiten im Akkord. Während die EU-Länder mit einer stockenden Impfstoffversorgung, schlecht organisierter, bürokratischer Distribution und teils kafkaesken Terminvergabesystemen kämpfen, läuft es in Großbritannien wie am Schnürchen.

Impfstoff von Pfizer/Biontech und besonders von Astra-Zeneca ist ausreichend vorhanden, weil die Vakzine-Taskforce unter der Leitung der Wagniskapitalunternehmerin Kate Bingham frühzeitig und reichlich – insgesamt 350 Millionen Dosen – bestellt hat. London hat nicht an falscher Stelle gespart. Ein General einer Logistikbrigade hat die Impfzentren und Lieferketten mit militärischer Präzision geplant. Das Resultat darf sich die Regierung Johnson und der vor einem halben Jahr schon fast abgeschriebene Gesundheitsminister Matt Hancock als glänzenden Erfolg gutschreiben.

Jeder dritte Erwachsene hat schon die erste Impfung erhalten, darunter die meisten Bürger über 65 Jahre und aus Hochrisikogruppen sowie fast drei Millionen Ärzte, NHS-Krankenpflegekräfte und Altenheimmitarbeiter, die damit schon einen hohen Schutz gegen schwere Erkrankungen genießen. Bis Ende Juli wird allen erwachsenen Briten ihre Erstimpfung versprochen. Nur Israel ist noch erfolgreicher gewesen. Die Briten impfen fast fünfmal so schnell wie die EU, deren schleppende Impfkampagne Tausende Menschenleben kosten wird. Nach Schätzung von Ökonomen der Allianz-Versicherungsgruppe belaufen sich zudem die volkswirtschaftlichen Verluste durch eine fünfwöchige Verzögerung der EU-Impfkampagne auf mindestens 90 Milliarden Euro.

Wer schneller impft, kann früher öffnen. Es erscheint daher möglich, dass sich Großbritannien dieses Jahr besser und kräftiger von der Rezession erholt als andere Länder Europas. Nach rund 10 Prozent BIP-Verlust im Katastrophenjahr 2020 winkt in der zweiten Hälfte dieses Jahres ein relativ kräftiger Aufschwung. An diesem Mittwoch legt Finanzminister Rishi Sunak seinen neuen Haushaltsplan vor. Er stützt die Wirtschaft bisher mit Hunderten Milliarden und nahm dafür ein gewaltiges Budgetdefizit von fast 20 Prozent in Kauf, um das Land über den Corona-Abgrund zu heben. Dies hat Massenentlassungen vorerst im Zaum gehalten.

Bislang ist die offizielle Arbeitslosenquote nur knapp über 5 Prozent gestiegen. Sunak wird sich hüten, die Stützung der Wirtschaft jetzt abrupt zu beenden. Streit wird es geben über mögliche Steuererhöhungen. In den kommenden Jahren soll das Defizit in großen Schritten sinken. Der Erfolg des Impfprogramms und die Öffnungsstrategie sind dabei entscheidend für die Erholung der britischen Wirtschaft.



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