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Wirtschaft

Corona: Ex-Real-Chef Patrick Müller-Sarmiento zu den Fehlern der Einzelhändler in der Krise

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manager magazin: Herr Müller-Sarmiento, der Einzelhandel – mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte – ist der große Verlierer der Pandemie. Viele klagen auf Öffnung. Ist mit dem Ende des Shutdowns wirklich das Problem gelöst?

Patrick Müller-Sarmiento: Es gibt nicht nur Unternehmen, die unverschuldet in die Krise geraten sind. Viele Händler hatten bereits vor der Pandemie große Schwierigkeiten.

An welche Unternehmen denken Sie da insbesondere?

Ein großes Problem vieler Händler ist die fehlende Nähe zum Kunden…

…was in der Pandemie bei geschlossenen Läden gar nicht so einfach ist…

Das stimmt natürlich, das Smartphone ist der neue Einkaufswagen; der Internet- und Versandhandel ist in den vergangenen Monaten um fast 25 Prozent gewachsen, während zum Beispiel allein der Bekleidungshandel im Dezember 2020 mehr als 40 Prozent seines Geschäfts verloren hat.

Aber was verstehen Sie unter Nähe zum Kunden im anonymen Netz?

Erst einmal, dass ein Produkt schnell auffindbar ist und mir als ein Top-Ergebnis der Suche angezeigt wird. Es kommt also auf die richtigen Algorithmen an. Dafür muss der Verkäufer wissen, nach welchen Attributen der Kunde sucht, etwa „curved“ oder „HDMI“ bei einem Fernseher. Nicht mehr der Einkäufer, Vertriebler oder die Marketingexpertin entscheidet, wie ein Produkt beworben wird, sondern der Kunde. Das ist eine gute Entwicklung. Wer dieses System als Händler nicht beherrscht, muss Unsummen Geld an Google bezahlen, damit die Produkte bei der Suche oben erscheinen. In der Vergangenheit haben das viele Unternehmen schleifen lassen und auch den Datenschatz, den sie besitzen, nicht gehoben. Mich persönlich hat es beispielsweise gewundert, dass ich im Lockdown nur von einem einzigen Händler angerufen worden bin, bei dem ich sonst regelmäßig einkaufe.

Wer war die positive Ausnahme?

Ein kleiner Bekleidungshändler, der sich bei mir telefonisch gemeldet hat. Es gibt aber darüber hinaus zahlreiche weitere positive Beispiele von Firmen, auch in meinem unmittelbaren Umfeld, die Instagram und die Kundendatei gut nutzen. Das ist small data at it`s best. Jeder Händler, der von der Kundin, vom Kunden her denkt und handelt, wird eine Perspektive finden.

Werden die Menschen nach dem Lockdown so einkaufen wie vor der Pandemie?

Nein, denn die Menschen haben gelernt, wie praktisch und schnell erledigt der Einkauf im Netz sein kann, gerade auch bei den Lebensmitteln. Vor der Pandemie lag der Online-Anteil im Food-Bereich bei 1,5 bis 2 Prozent. Ich bin mir sicher, dass dieser Anteil dauerhaft und in kürzester Zeit stabil auf 5 bis 10 Prozent steigen wird. Und es wird auch einen Gegentrend geben…

Sie meinen Einkaufen um des Einkaufens willen?

Man darf nicht vergessen, in Deutschland, aber auch in Europa gibt es fast 45 Prozent Single-Haushalte. Nach der Pandemie wird es einen unglaublichen Drang geben, nach draußen zu gehen. Geschäfte etwa, die einen Markthallen-Charakter bieten, werden davon profitieren. Viele Kunden kommen allein deshalb dorthin, weil sie sich freuen, Bekannte zu treffen und ins Gespräch zu kommen. Und es gibt natürlich Trends bei den Warengruppen, die sich durch den Lockdown noch einmal verstärkt haben.

Welche sind das?

Gesunde, bewusste Ernährung hat noch mal einen höheren Stellenwert bekommen, weil zu Hause jetzt viel mehr frisch gekocht wird. Ein Trend wird sein, wieder mehr über Lebensmittel wissen zu wollen, wann wächst welches Gemüse, wie koche ich richtig. Im Lockdown haben viele Menschen gemerkt, dass sie verlernt haben zu kochen. Und bei anderen Warengruppen – beispielsweise hochwertige Kosmetika, haben Kunden womöglich während der Pandemie festgestellt, dass sie auch darauf verzichten können.

Was bedeutet das für den Händler?

Es klingt vielleicht banal, aber die erste Frage muss lauten: Habe ich eigentlich noch das richtige Produkt zum richtigen Preis für diesen Markt? Gerade im Textil-Einzelhandel sind viele Produkte beliebig, weil ich die gleichen Kleidungsstücke an mehreren Stellen und dann auch noch im Netz einkaufen kann. Es gibt aber ein paar junge Marken, die sich dieser Verwechselbarkeit entziehen wie etwa ein schwedischer Fast-Fashion-Händler, die wachsen gegen den Trend stark.

Was macht diese Marke anders als andere?

Die haben mit Teens und Twens eine klar definierte Zielgruppe, bei der sie regelmäßig checken, auf welche Seiten sie scrollen, welche Farben gesucht werden, um dann fast im Wochenrhythmus das Sortiment anzupassen. Sie sind also nah am Kunden.

Das klingt fast so, als hätten die sich einen eigenen Markt geschaffen.

Oder zumindest eine Nische in einem Markt. Es ist möglich, eigene Märkte zu kreieren. Das haben zu wenige Unternehmen im Blick.

Apple hat das geschafft. Fallen Ihnen noch andere Beispiele ein?

Der E-Autohersteller Tesla bis zu einem gewissen Punkt. Aber auch vegane Ernährung könnte ein großer neuer Markt werden. Noch machen diese Produkte nur 2 Prozent am Lebensmittelhandel aus. Aber was ist, wenn die Massentierhaltung stark eingeschränkt wird, auch aus Gründen des notwendigen Klimaschutzes oder es jemand schafft, das Geschmackserlebnis dieser Produkte zu revolutionieren?

Der Handelsverband Deutschland warnt schon lange vor einem Sterben der Innenstadt und fordert die Politik auf, unter anderem mit Innenstadtfonds gegenzusteuern. Wie sehen Sie die Zukunft der City?

Die Innenstadt war schon immer mehr als Konsum. Sie ist ein sozialer Ort, ein Ort der Begegnung. Deshalb gibt es eine Renaissance der Märkte und der Markthallen als Treffpunkte, als Austauschorte. Wir müssen helfen, in diesem Sinne, die Innenstadt zurückzuerobern, sie vom Autoverkehr zu entlasten, die Parks zu beleben und Wohnraum zu schaffen, um ein neues Miteinander zu ermöglichen.




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Wirtschaft

Ölpreise ziehen an: Wohin steuern die Rohstoffmärkte?

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Ölpreise ziehen an

Wohin steuern die Rohstoffmärkte?

Die Aktienkurse sind weltweit in Rekordlaune und blicken hoffnungsvoll in eine Zeit nach der Corona-Pandemie. Dieser Rückenwind erreicht auch die Rohstoffmärkte. Die Industrie läuft langsam wieder an und Metalle wie Silber, Kupfer und Nickel sind derzeit stark gefragt. Auch die Ölpreise haben zuletzt wieder merklich angezogen.

Wie können Anleger an diesem Aufschwung teilhaben? Investoren sollten auch im Hinterkopf behalten, dass mit dem Mai ein historisch gesehen eher schwacher Börsenmonat vor der Tür steht. Könnte das die Rohstoff-Rally ausbremsen? Wie könnte eine Absicherung aussehen?

Über verschiedene Anlagestrategien mithilfe von Zertifikaten oder ETCs diskutiert Anne-Kathrin Cyrus mit Kemal Bagci von der BNP Paribas und Andreas Männicke von East Stock Informationsdienste.



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Wo sich ein Kauf im Ausland lohnen könnte

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Finca auf Mallorca

Auf Mallorca wie auch den übrigen Baleareninseln kam im vierten Quartal 2020 jeder dritte Hauskäufer aus dem Ausland.


(Foto: E&V Mallorca Southwest/E&V Private Office)

Madrid, Paris, Athen Für viele Deutsche ist es der Traum: die eigenen vier Wände, aber mit Blick aufs Meer oder mit der Gewissheit, dass die Sonne scheint. Nie zuvor suchten so viele Menschen auf Google.de nach „Ferienhaus kaufen“ oder „Ferienwohnung kaufen“ wie im vergangenen Sommer. Doch wie sehen die europäischen Märkte aus? Was kosten Ferienhäuser und -wohnungen dort – und welche lokalen Besonderheiten gilt es zu beachten? In einer mehrteiligen Serie zu Ferienimmobilien beleuchten wir die gefragtesten Urlaubsregionen im europäischen Ausland – und beleuchten die Frage, wo sich noch Gelegenheiten bieten.

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Lage in Spanien, Frankreich und Griechenland. Demnächst folgt ein Überblick über die Situation des Ferienimmobilienmarkts unter anderem in Großbritannien, Österreich und Italien.

Ferienimmobilien in Spanien – Mallorca bleibt im Fokus

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Wirtschaft

Betreiber fordern Öffnung der Campingplätze

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Im Rhein-Lahn-Kreis haben am Samstag mehr als ein Dutzend Campingplatzbetreiber aus dem Norden von Rheinland-Pfalz für die sofortige Öffnung der Stell- und Zeltplätze demonstriert. „Es wäre gut, wenn interessierte Camper ihrem Hobby an der frischen Luft nachgehen könnten. Besser jedenfalls als dass sich Menschen heimlich und in größerer Zahl in Wohnungen treffen“, sagte der 51 Jahre alte Oliver Schupp, auf dessen Campingplatz in Fachbach an der Lahn sich die Demonstranten versammelt hatten.

Campingplätze sind wegen der Corona-Pandemie für Urlauber geschlossen. Lediglich Dauercamper sind in den meisten Bundesländern unter bestimmten Bedingungen zugelassen.

Nach Angaben von Schupp vertreten die Demonstranten in Fachbach die Ansicht, Campingausflüge könnten mit Hilfe der Hygienevorschriften in der aktuellen Situation für Entspannung sorgen. Nicht jeder habe einen Garten. Das Ausbleiben der Gäste sei zudem auch ein wirtschaftliches Problem, das manche Campingplatzbetreiber vor existenzielle Probleme stelle. Wie Schupp sagte, habe man bewusst den Samstag als Termin für die Demonstration gewählt. An diesem Tag demonstrierten Camping-Freunde mit Wohnmobilen und Wohnwagen in Berlin für eine Öffnung der Stell- und Campingplätze. Angemeldet waren etwa 700 Fahrzeuge.



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