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Bayern München: Thomas Müllers Traum vom Zehnerraum

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» Thomas Müller spielt immer.» Zehn Jahre ist es her, dass der damalige Trainer von Bayern München, Louis van Gaal, diese Aussage traf. Die Zeiten, in denen sie in München unumstößliches Gesetz war, sind längst vorbei.

Gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der möglichen Spielminuten absolvierte Müller in dieser Saison. Vor einigen Wochen von einem Reporter auf Müllers Dasein als Reservist angesprochen, wiegelte Trainer Niko Kovac ab: Müller würde wieder spielen, sollte mal «Not am Mann» sein. Ein Affront. Kovac entschuldigte sich für die Aussage. Der öffentliche Eindruck, Trainer und Spieler fänden nicht zueinander, ließ sich aber nicht mehr kitten.

Die Entlassung von Kovac markiert einen Neuanfang für Bayern München, ganz besonders jedoch für Müller. Dem langjährigen Nationalspieler bietet sich die Chance, unter Interimscoach Hansi Flick auf seiner liebsten Position zu spielen: der des Zehners in einem 4-2-3-1-System. Müllers größte Konkurrenten sind sein Mitspieler Philippe Coutinho — und der taktische Zeitgeist.

Müller erfand das «Raumdeuten»

Rückblick: Dass Müller über Jahre sowohl bei den Bayern als auch in der Nationalelf gesetzt war, lag an seiner innovativen Interpretation der Zehner-Rolle. Nachdem Mitte der Nuller Jahre die 4-2-3-1-Formation den Siegeszug im Weltfußball gefeiert hatte, veränderte sich das Spiel des Zehners: Seine Bewegungsfreiheit war plötzlich eingeschränkt. Die Gegner blockierten seinen Raum, indem sie ihre Viererketten immer enger stellten. Der Zehner als omnipräsenter Spielgestalter hinter den Spitzen? Das gehörte der Vergangenheit an.

Müller sah sich nie als Kreativspieler, sondern als Zuarbeiter: Er pendelte von Flügel zu Flügel, besetzte Räume, die seine Kollegen hinterließen, sorgte für Überzahlsituationen. Müller war da, wo er gebraucht wurde. Müller war nicht Fixpunkt des Spiels, sondern Verbinder: Er verband die beiden Flügel mit dem Sturmzentrum.

Müller taufte seine Interpretation der Zehner-Position in einem Interview «Raumdeuter»: Er sieht Lücken, die kaum ein anderer sieht, und sprintet hinein, wieder und wieder. Müllers Spielart setzte sich durch, der Begriff «Raumdeuter» wurde selbst in England in die Fußballsprache aufgenommen.

Der taktische Zeitgeist ändert sich

Solange die 4-2-3-1-Formation das Maß aller Dinge war, war dies auch Müller. Doch die Fußballwelt steht nie still. Von den zehn bestplatzierten Teams der Bundesliga spielen nur zwei es regelmäßig: Borussia Dortmund — und die Bayern.

Und Kovac stellte das 4-2-3-1 infrage. Als er im Sommer 2018 nach München kam, präferierte er ein 4-3-3-System. Müller musste auf der Außenstürmer-Position spielen, meist auf dem rechten Flügel. Diese beherrscht er zwar auch. Seine große Stärke — das Verbinden der Flügel als Zehner — kann er hier nicht einbringen. Viel eher zeigen sich hier seine Schwächen: Bälle verspringen ihm, seine Flanken landen gerne mal hinter dem Tor, seine Schussqualität schwankt.

Kovac strich Müller immer öfter aus der Mannschaft. Bundestrainer Joachim Löw beerdigte zur selben Zeit das 4-2-3-1-System endgültig, nachdem er schon die Jahre zuvor neue Formationen getestet hatte. Für Müller war kein Platz mehr.

Neue Saison, neue Probleme

In der vergangenen Rückrunde kehrte Kovac zum 4-2-3-1 zurück. Müller war wieder Stammspieler, in der Schlussphase der Saison knüpfte er an alte Leistungen an. Als Zehner deutete er wieder Räume, die niemand sonst sah.

In der neuen Spielzeit war Müller aber wieder nur zweite Wahl. Der Grund dafür ist Philippe Coutinho. Der aus Barcelona geliehene Brasilianer ist ein gänzlich anderer Spielertyp als Müller: ein Dribbler mit feinem Fuß und dem Auge für den richtigen Pass. Auch er fühlt sich auf der Zehn am wohlsten. Coutinho mag nicht so mannschaftsdienlich spielen wie Müller, seine Laufwege sind vorhersehbarer und weniger genial. Coutinho ist aber technisch eine, wenn nicht zwei Klassen stärker als Müller. Kovac schätzte dies an seinem neuen Superstar und zog ihn Müller vor.

Kovac’ Entlassung beschert Müller eine neue Chance. Interimstrainer Hansi Flick ging in seinem ersten Spiel den Weg des geringsten Widerstands: Beim 2:0-Sieg gegen Olympiakos Piräus stellte er seine Mannschaft im 4-2-3-1 auf. Die vier Verteidiger und Joshua Kimmich verblieben tief, die fünf vorderen Akteure durften sich austoben. Die Bayern spielten erstmals seit Ende September wieder zu null — und Müller agierte als Zehner in seiner liebsten Rolle.

Gut möglich, dass Müller diese Rolle auch im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund einnehmen darf (Samstag, 18.30 Uhr, live im SPIEGEL Ticker). Sein Glück: Auch Coutinho fremdelt mit dem Bayern-System. Ihm fehlen die Anspielstationen, wenn er in seinem geliebten linken Halbraum zum Dribbling ansetzt. Immer nur auf die Flügel passen, wie es die Bayern-Philosophie vorsieht, schränkt den kreativen Freigeist ein.

Müller ist das egal. Er blüht auf, wenn andere das Herzstück des Spiels sind. Solange Flick dem 4-2-3-1-System treu bleibt, steigen Müllers Chancen auf einen Stammplatz. Er kann indes nur hoffen, dass Flick oder ein etwaiger Nachfolger dem 4-2-3-1 treu bleiben oder zumindest auf ein System setzen, das Müller Platz im offensiven Mittelfeld bietet. Dann gilt vielleicht bald wieder: van Gaals Satz: «Thomas Müller spielt immer.»



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Donald Trump: Schlüsselzeuge bestätigt Hauptvorwurf in Ukraine-Affäre vor Kongress

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In einem Statement zu Beginn der Befragung im Geheimdienstausschuss hat der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, US-Präsident Donald Trump schwer belastet.

Demnach hatte Sondland gegenüber dem damaligen Sicherheitsberater John Bolton und ukrainischen Offiziellen «Ermittlungen zu einer Voraussetzung» für ein Treffen mit Trump im Weißen Haus gemacht. Das habe auf Anweisung von Donald Trump stattgefunden.

Sondland erklärte bereits vor Beginn der Anhörung schriftlich: «Ich habe die Anweisungen des Präsidenten befolgt.» Er bestätigte auch, dass Trump eine Militärhilfe für Kiew mutmaßlich von gewünschten Ermittlungen in der Ukraine gegen seine innenpolitischen Rivalen abhängig gemacht hatte.

Er sei «sein Leben lang Republikaner gewesen» und habe mehreren US-Regierungen gedient, angefangen mit der von Präsident George W. Bush. Zu Anfang der Arbeit als EU-Botschafter sei er nicht davon ausgegangen, dass er an fragwürdigen Handlungen teilnehme.

Er sei im Sommer zu dem Schluss gelangt, dass die Auszahlung der Militärhilfe nicht erfolgen würde, solange sich die Ukraine nicht in einem öffentlichen Statement zu Ermittlungen unter anderem gegen die Gasfirma Burisma verpflichte, erklärte Sondland vor dem US-Kongress. Für Burisma war früher der Sohn des Trump-Rivalen und US-Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden tätig.

Darum habe er sich entschlossen, mit dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses zusammenzuarbeiten — «entgegen des Verbots aus dem Weißen Haus und aus des Außenminsteriums» dies zu tun. Dem Weißen Haus und dem State Department warf Sondland vor, diese hätten ihn dabei aktiv behindert. Er habe weder auf seine Telefonaufzeichnungen noch auf seine Dienst-E-Mails zugreifen dürfen.



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German car parts giant Continental to cut 5,500 jobs

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Of the total, thousands of jobs are under threat in Germany.


The action comes amid a stuttering global car market and a weaker demand for combustion engines.


The jobs cull affecting Germany, Italy and the US would support Continental’s «urgently needed technological transition and thus the strengthening of our competitiveness and future viability», CEO Elmar Degenhart said in a statement.


Around 520 jobs will be axed when Continental shuts its site in Roding, Bavaria. That site, which makes hydraulic components for petrol and diesel engines, is set to close its doors in in 2024.


Meanwhile, in Limbach-Oberfrohna, Saxony, another 750 jobs are under threat after manufacturing of diesel injection components ends in 2028. And a further 2,200 jobs in Babenhausen in the central state of Hesse will also go.


In Pisa, Italy, 750 jobs are under threat because production of petrol engine components will cease by 2028, Continental said.


Elsewhere, the company said a further 720 jobs will be lost in the US city of Newport News, where production on hydraulic components for gasoline engines will end in 2024.


The latest round of job cuts come on top of a cull announced in September that will see Continental scrap 650 jobs in North Carolina and 270 in Malaysia.


Continental, with a global workforce of 240,000 people, stressed in its statement that some employees would be offered a chance to retrain «for other tasks» to find alternative roles in the group.


As The Local reported, Continental is undergoing a massive restructuring and by 2029, a total of 8,000 jobs will be affected in Germany.


However, not all of those jobs will disappear; some will be shifted between sites or reassigned to new activities, Continental said in a statement.


READ ALSO: Continental to cut thousands of jobs in Germany through massive restructuring


Trade wars, Brexit and technology


Germany’s massive car industry – with 800,000 jobs and almost five percent of national output – has suffered as trade wars have intensified and the threat of a no-deal Brexit has grown.


Meanwhile far-reaching transformations of the sector, including electrification and automated driving, require enormous investments in new technology.


READ ALSO: Germany boosts support for electric cars with cash bonuses and a million charging points





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US-Botschafter bei der EU sagt aus | ZEIT ONLINE

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Der US-Botschafter bei der Europäischen Union, Gordon Sondland, sagt heute vor dem Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses aus. Mit Spannung wird seine Befragung erwartet. Sondland
spielt in der Ukraine-Affäre eine zentrale Rolle
: Er soll in Trumps
Bemühungen einbezogen gewesen, die Ukraine zu Ermittlungen gegen Ex-Vizepräsident Joe Biden und dessen Sohn Hunter zu drängen.

Der Botschafter war bereits im Oktober hinter verschlossenen Türen im
Repräsentantenhaus befragt worden. Später ergänzte er seine Aussage und
räumte ein, dass die US-Regierung die Auszahlung einer Militärhilfe für
Kiew zeitweise von Ermittlungen gegen Biden und dessen Sohn abhängig
gemacht habe.

Am 13. November hatte der Geheimdienstausschuss mit der öffentlichen Befragung wichtiger Zeugen im Rahmen von Ermittlungen zu einem möglichen Impeachment-Verfahren gegen Präsident Donald Trump begonnen. Am Dienstag sagten der US-Offizier Alexander Vindman, ein Ukraine-Experte im Nationalen Sicherheitsrat sowie drei weitere Zeugen öffentlich aus. Bis dahin fanden alle Anhörungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Grund für die Untersuchungen sind Vorwürfe, dass Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Telefonat dazu gedrängt haben soll, Korruptionsermittlungen gegen den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden und seinen Sohn Hunter aufzunehmen. Bidens Sohn saß im Vorstand eines ukrainischen Energiekonzerns, gegen den wegen Korruption ermittelt wurde. Hunter Biden persönlich war von diesen Ermittlungen jedoch nicht betroffen.

Donald Trump — «Impeachment … deswegen?»
Die Ukraine-Affäre könnte den US-Präsidenten das Amt kosten. Oder? Wie es zu dem Skandal kam und wie das Amtsenthebungsverfahren ablaufen würde, erklärt Rieke Havertz im Video.



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