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Wirtschaft

Angst vor Corona-Einschränkungen bestimmt Märkte

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Frankfurt Nicht nur in Deutschland steigt die Zahl derer, die mit dem Coronavirus infiziert sind, rasant an – sondern weltweit. Die Sorge um die Ausbreitung der Pandemie macht sich auch an den Kapitalmärkten bemerkbar. Mit Abschluss der vergangenen Woche an der Börse sorgte dann eine besondere Nachricht für Optimismus: Die Hoffnung auf einen Impfstoff, der früher als erwartet zur Verfügung stehen könnte, schickte viele Anleger am vergangenen Freitag beschwingt ins Wochenende und könnte auch die kommende Woche prägen.

Doch der vorsichtige Optimismus dürfte nun durch die Angst vor einem erneuten Lockdown der Wirtschaft gebremst werden. Durch die rapide Ausbreitung des Virus‘ wird dieses Szenario verstärkt diskutiert. Doch auch die anstehende US-Präsidentschaftswahl und der Brexit drücken laut Analysten in der nächsten Woche noch auf die Stimmung.

Zudem wird die Berichtssaison der Unternehmen Fahrt aufnehmen, die über ihre Ergebnisse aus dem dritten Quartal des Jahres berichten. So wird die Wirtschaft erkennen lassen, wie gut sie die ökonomischen Folgen der Pandemie abfedern kann.

Hoffnung auf Corona-Impfstoff

Die vergangene Woche fiel für Anleger an den Kapitalmärkten durchwachsen aus, am Freitag schloss der Dax mit 12.908,99 Punkten. Damit beendete der Leitindex die Woche mit einem Plus von 1,6 Prozent oder 200 Punkten im Vergleich zum Vortag. Das lag auch an den guten Nachrichten, mit denen die Börse am Freitag die Anleger ins Wochenende entließ: Daimler schloss das dritte Quartal mit einem unerwartet hohen Gewinn ab, außerdem verkündeten die Kooperationspartner Pfizer und Biontech, dass sie gemeinsam einen Corona-Impfstoff im Eilverfahren auf den Markt bringen könnten.

Der US-Pharmakonzern und das Mainzer Biotechunternehmen kündigten an, bei positiven Studienergebnissen schon Ende November einen Notfall-Zulassungsantrag für ihren Corona-Impfstoffkandidaten einzureichen. Pfizer-Aktien gewannen 3,8 Prozent, Biontech-Papiere 6,2 Prozent. „Die Märkte handeln auf Hoffnung und Versprechen, und die Pfizer-Nachrichten tragen dazu bei“, ordnet Jake Dollarhide, Chef der Vermögensverwaltung Longbow Asset Management, die Entwicklung ein.

Auch in den USA stützte die Aussicht auf die baldige Verfügbarkeit eines Corona-Impfstoffes die Wall Street am Freitag. Außerdem wurden die Anleger dort von starken Daten zum Einzelhandelsumsatz im September ermutigt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte am Freitag 0,4 Prozent zu auf 28.606 Punkte.

Angst vor neuem Lockdown

Dennoch trüben einige Faktoren die Stimmung. Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, sieht eine Kombination aus mehreren Faktoren: „Ich erwarte, dass die Stimmung der Verbraucher und Unternehmen vorübergehend unter dem Covid-19-Trend und damit verbundenen weiteren Einschränkungen, der US-Wahl und dem Brexit leidet.“ Bis zum Jahresende dürfte die gesamte Volkswirtschaft darunter leiden, so Greil: „Mehrere Temposchwellen bremsen im Rest des Jahres die Konjunkturerholung.“

In den USA wirkt sich außerdem die Spannung vor der anstehenden US-Wahl im November auf die Börse aus, was sich wiederum auch an den europäischen Handelsplätzen bemerkbar macht. Der Ausgang des letzten TV-Duells zwischen den beiden US-Kandidaten Trump und Biden Ende nächster Woche wird mit Spannung erwartet und trägt auch jenseits der USA zur Anspannung an den Märkten bei.

Zudem stecken die Gespräche zwischen Republikanern und Demokraten über weitere Hilfen für die US-Wirtschaft fest. So herrscht weiterhin Unsicherheit über die nächsten Schritte der US-Wirtschaftspolitik, was Anleger vorsichtig agieren lässt.

Quincy Krosby, Chefstratege beim Finanzdienstleister Prudencial, erklärt, dass die Verbraucher in den USA dennoch insgesamt zur Stimmung an den Börsen beitragen: „Auch wenn die Daten immer noch darauf hinweisen, dass wir uns aus einem Abschwung herausarbeiten, bleiben die Ausgaben der US-Verbraucher stabil“. Wenn das Konjunkturpaket allerdings weder vor noch nach der Wahl kommt, sei mit einer Abkühlung der Konsumausgaben zu rechnen, befürchtet er.

Unternehmensberichte könnten Jahresende prägen

In Deutschland wächst indes die Sorge vor einem Kontrollverlust bei der Pandemie. Die Corona-Realität könnte den deutschen Aktienmarkt auch in der neuen Woche belasten, so Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: „Die Dynamik der zweiten Corona-Welle überrascht auch die Börsianer“. Er rechnet durch die stark steigenden Infektionszahlen auf beiden Seiten des Atlantiks mit wirtschaftlichen Rückschlägen im letzten Quartal des Jahres: „Ein Einbruch wie im Frühjahr ist zwar nicht zu befürchten, denn die Wirtschaft ist flexibler geworden. Aber erneute Rückgänge in der gesamtwirtschaftlichen Aktivität sind möglich.“ Insgesamt nähmen die Risiken zu, und in einer solchen Lage würden die Marktteilnehmer vorsichtiger.

Etwas optimistischer gibt sich Michael Bissinger, Analyst der DZ Bank. Seiner Einschätzung nach sollte die Berichtssaison zum dritten Quartal zeigen, dass die Unternehmen zwar weiterhin stark unter dem Coronavirus leiden, seit dem Tiefpunkt im zweiten Quartal allerdings deutliche Fortschritte erzielt haben. In den vergangenen Tagen hatten beispielsweise Konzerne wie Daimler, BASF, Evonik und Covestro mit ihren Eckdaten zum dritten Quartal durchaus positiv überrascht.

Geschäftszahlen von Unternehmen sind in der neuen Woche allerdings rar gesät. Am Dienstag berichtet der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, bevor am Mittwoch die Software AG ihre Resultate präsentiert. Im weiteren Wochenverlauf folgen vier im Nebenwerteindex SDax gelistete Unternehmen: der Telekomausrüster Adva Optical Networking und der Personaldienstleister Amadeus Fire am Donnerstag sowie der Elektronikhändler Ceconomy und der Saatguthersteller KWS Saat am Freitag.

Internationaler Einfluss

Interessant dürfte ein Blick auf die Konjunkturdaten in der neuen Woche sein. Die wichtigsten Meldungen werden aus China kommen: Am Montag veröffentlicht die Regierung die Wirtschaftswachstumszahlen für das dritte Quartal des Jahres sowie die aktuelle Datenlage zu Industrie und Einzelhandel. Japan veröffentlicht zudem am Montag seine Handelsbilanz für den September und am Mittwoch die Inflationszahlen für den Oktober.

Zudem publiziert Großbritannien am Mittwoch die Inflationszahlen, am Freitag die Zahlen zum Einzelhandel. In Kombination mit der Möglichkeit eines „No-Deal-Brexits“, also einem Zurückfall des Königreichs auf die Standard-Regeln der Welthandelsgesellschaft im Handel mit der EU, wird die politische Lage in Großbritannien deutsche Anleger weiterhin beschäftigen. Am Freitag werden dann die Zahlen der deutschen und europäischen Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht.

Merck-Finck Experte Greil gibt sich trotz der durchwachsenen vergangenen Woche und den Aussichten für die kommende Woche langfristig optimistisch: Das Wachstum im vierten Quartal verlangsame sich sicherlich – „bevor die zyklische Erholung nächstes Jahr wieder Fahrt aufnehmen dürfte.“

Mit Agenturmaterial.

Mehr: Musterdepot: Hohe Kursschwankungen bis in den November hinein



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Continental AG: Elmar Degenhart könnte ersetzt werden

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Die Führungskräftkonferenz am 30. September war so virtuell wie vieles dieser Tage; Conti-Chef Elmar Degenhart (61) und Personalvorständin Ariane Reinhart (50) stellten sich ihren Topleuten nur via Kamera. Die Fragen allerdings waren unangenehm real.

Degenhart und Reinhart präsentierten den im Aufsichtsrat zuvor beschlossenen Sanierungsplan. 30.000 Jobs stehen auf der Kippe bei dem Autozulieferer, 13.000 davon in Deutschland; ein Reifenwerk in Aachen und eine Elektronikproduktion in Karben werden komplett abgeschaltet.

Warum nicht mehr investiert werde, wollten die Manager wissen. Ob es wirklich notwendig sei, die Werke zu schließen. Und, es wurde schriftlich und anonym gefragt, warum im Vorstand keine Konsequenzen gezogen würden.

Es könnte sein, dass die letzte Frage bald überflüssig wird. Die Conti-Spitze dürfte umgebaut werden. Und nach einem möglichen Nachfolger für Degenhart wird bereits gesucht.

„Irgendwann geht dem Chef die Puste aus nach so vielen schweren Jahren“, sagt ein Aufsichtsrat. Die Arbeitnehmer hätten Chefkontrolleur Wolfgang Reitzle (71) ihre Kritik an Degenhart mitgeteilt, ergänzt ein anderer. Reitzle – im Aufsichtsrat zunehmend ungeduldig – mache sich „so seine Gedanken“. Auch interne Kandidaten würden sortiert; als Gradmesser für alle Externen gilt Autochef Nikolai Setzer (49).



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Börsengang von Compleo Charging Solutions im Fokus: Börse am Mittwoch

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WWF nennt Reform „Katastrophe“: EU-Länder erzielen umstrittenen Agrardeal

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Landwirtschaftsministerin Klöckner jubelt: Unter ihrem Vorsitz gelingt endlich eine Einigung, wie in den kommenden sieben Jahren 387 Milliarden Euro an die EU-Landwirte verteilt werden. Klöckner spricht von einem „Meilenstein“ für die Umwelt. WWF und Grrenpeace sind entsetzt.

Die EU-Staaten haben sich auf eine Reform der milliardenschweren Agrarpolitik verständigt. Nach fast zweitägigen Verhandlungen einigten sich die Agrarminister der Mitgliedstaaten in Luxemburg auf einen Kompromissvorschlag der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Da auch das Europaparlament in dieser Woche seine endgültige Linie festlegen will, können beide Seiten anschließend Verhandlungen miteinander aufnehmen. Die Umweltverbände WWF und Greenpeace kritisierten den Kompromiss der EU-Mitgliedstaaten scharf.

Weil Deutschland noch bis Ende des Jahres den Vorsitz der EU-Staaten innehat, leitete Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Verhandlungen. Nach stundenlangen Gesprächen in kleineren Formaten ging sie gegen Mitternacht mit einem neuen Kompromissvorschlag in das Plenum mit den anderen Ministern. Nach weiteren Nachbesserungen gelang am Morgen der Kompromiss. Die CDU-Politikerin sprach von einem „Meilenstein“ für einen „Systemwechsel“. Die Einigung sei wohl ausbalanciert zwischen Natur-, Umwelt- und Tierschutz und zu gewährleistender Ernährungssicherheit in Europa.

Strengere Auflagen, weniger Kontrollen

Kann zufrieden sein: Landwirtschaftsministerin Klöckner.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei der Agrarreform geht es um den größten Posten im EU-Budget. Die Agrarpolitik ist mit derzeit 387 Milliarden Euro über die nächsten sieben Jahre der größte Posten im EU-Haushalt. Deutschland stehen davon rund 42 Milliarden Euro zu. Viele Landwirte sind von den Direktzahlungen aus Brüssel abhängig, fürchten aber zugleich zu hohe Umweltauflagen. Die EU-Kommission hatte 2018 eine umfassende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die Jahre 2021 bis 2027 vorgeschlagen. Mittlerweile gilt für die nächsten zwei Jahre eine Übergangsphase, sodass neue Regeln erst ab 2023 in Kraft treten würden.

Nach dem Vorschlag der EU-Kommission sollen die Staaten unter anderem mehr Freiheiten bekommen, wie sie eine Reihe vorgegebener Ziele erreichen wollen – etwa die Erhaltung der Natur, den Klimaschutz und die Sicherung der Lebensmittelqualität. Dazu sollen sie jeweils nationale Pläne erstellen, die von der EU-Kommission genehmigt werden müssten.

Nach Angaben des Rates der Mitgliedstaaten sollen laut dem nun getroffenen Kompromiss künftig alle Landwirte an höhere Umweltstandards gebunden sein. Kleinbauern sollen demnach vereinfachten Kontrollen unterworfen werden, „wodurch der Verwaltungsaufwand verringert und gleichzeitig ihr Beitrag zu den Umwelt- und Klimazielen gesichert würde“.

Verbände widersprechen Klöckner

Dagegen erklärte der WWF, die Reform werde „zur Katastrophe für Natur- und Klimaschutz“. Die Landwirtschaftsminister der Union setzten die „zerstörerische Subventionspolitik zugunsten großer Agrarkonzerne fort“. Auch Greenpeace monierte, die Minister betrieben „klassische Klientelpolitik für Großbetriebe und Agrarwirtschaft zu Lasten bäuerlicher Familienbetriebe und der Umwelt“.

Klöckner unterstrich vor allem eine Einigung auf verpflichtende Öko-Regeln. Demnach soll jedes EU-Land einen Mindestanteil von 20 Prozent der Direktzahlungen an die Teilnahme der Landwirte an Umweltprogramme knüpfen. Damit die Mitgliedstaaten keine EU-Mittel verlieren, wenn nicht genügend Landwirte an diesen Umweltprogrammen teilnehmen, ist laut Klöckner eine zweijährige „Lernphase“ vorgesehen, während derer die für Umweltprogramme reservierten Mittel auch anders abgerufen werden können.

EU-Parlament will mehr

An beidem, der Quote und der Übergangsfrist, stören sich WWF und Greenpeace. Europas Natur befinde sich in einem miserablen Zustand und das Artensterben auf Europas Wiesen und Feldern schreite weiter voran, erklärte der WWF. „Um ausreichende Wirkung zu entfalten, müssten es eigentlich verbindliche 50 Prozent sein, als minimaler Einstieg wären gerade noch mindestens 30 Prozent akzeptabel“, erklärte WWF-Experte Christoph Heinrich. Auf diesen Wert hatte sich am späten Dienstagabend das Europaparlament verständigt.

Auch Greenpeace-Experte Lasse van Aken kritisierte, das Budget für die Öko-Regelungen sei mit 20 Prozent niedriger als vom EU-Parlament beschlossen. „Wie diese Regeln umgesetzt werden und ob sie überhaupt wirken, ist fraglich.“ 390 Milliarden Euro Agrarsubventionen dagegen sollten weiterhin weitgehend bedingungslos verteilt werden, statt damit gezielt Umwelt- und Klimaschutz in der Landwirtschaft zu fördern.

Das Thema ist unter den EU-Abgeordneten hoch umstritten. Wegen mehr als 2000 Änderungsanträge werden sie sich wohl erst gegen Ende der Woche auf eine gemeinsame Position verständigen. Danach könnten die Verhandlungen zwischen den beiden EU-Institutionen über einen finalen Text beginnen.



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