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Panorama

27 Migranten sterben bei Bootsunglück

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Frankreich/Grossbritannien

27 Menschen sterben im eisigen Meerwasser des Ärmelkanals: Hätte die Tragödie verhindert werden können?

Die Zahl der Gummiboot-Überfahrten an die britische Küste hat stark zugenommen. Sogar illegale Migranten selber bereichern sich inzwischen an dem tödlichen Schleppergeschäft.

27 Menschen kamen am Mittwoch im Ärmelkanal ums Leben, unter ihnen sieben Frauen und drei Kinder.

AP

Eine schlimme Flüchtlingstragödie im Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien hat am Mittwoch 27 Menschen das Leben gekostet. Nach dem Kentern des Gummibootes sind sie im eisigen Meerwasser vor Europas Küste ertrunken. Unter den Toten sind sieben Frauen und drei Kinder. Nur zwei Männer aus dem Irak und Somalia haben mit einem schweren Kälteschock überlebt.

Die Bestürzung beidseits des Ärmelkanals ist gross. Auf der gefährlichen, rund 30 Kilometer langen Fahrt nach England kommt es seit zwanzig Jahren vereinzelt zu Todesfällen – noch nie aber war fast die ganze Besatzung eines Bootes ums Leben gekommen. Bis vor wenigen Jahren versuchten kühne Migranten eher auf Sattelschleppern via Fährschiffe oder Tunnel-Eisenbahn ins Königreich überzusetzen. Diese Wege sind heute hermetisch abgeriegelt, weshalb es die Migranten mit pannenanfälligen Schlauchbooten versuchen.

Illegale Überfahrten nehmen exponentiell zu

Seit Jahresbeginn haben 26’000 Menschen die Überfahrt gewagt. 2020 waren es noch 8500. Allein am Mittwoch versuchten es laut französischen Polizeiangaben gut 900 Migranten. 255 schafften es bis an die englische Felsenküste, 671 wurden aufgefischt oder schon in Frankreich am Übersetzen gehindert. Rund um die Hafen- und Fährstadt Calais haben Freizeitsport-Anbieter kürzlich Kayak- und Gummiboote aus dem Sortiment genommen, um nicht unfreiwillig zu weiteren Tragödien beizutragen.

Französische Polizisten überwachen einen Strand im nordfranzösischen Wimereux.

Französische Polizisten überwachen einen Strand im nordfranzösischen Wimereux.

AP

Die französische Polizei fasste noch am Mittwoch vier Schlepper, die die Todesfahrt organisiert haben sollen. In der Nacht auf Donnerstag wurde ein Fünfter festgenommen. Sein Wagen trage deutsche Kennzeichen und auch das Schlauchboot stamme aus Deutschland, sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin.

Darmanin erklärte, er sei «voller Wut» auf die kriminellen Banden, die schwangere Frauen, Kinder und Babys beförderten.

«Für einige tausend Euro beutet man diese Menschen aus, indem man ihnen das Eldorado in England verspricht.»

Nötig sei eine grenzübergreifende Kooperation «wie gegen Terroristen», meinte der Minister mit Blick auf Belgien, Deutschland und Grossbritannien.

Migranten werden selbst zu Schleppern

Kenner der Verhältnisse in Calais fragen sich, wie es möglich war, das Gros der Schlepper nur Stunden nach der Tragödie zu verhaften. Die Vermutung liegt nahe, dass sie unter geheimdienstlicher Überwachung stehen. Darmanin betonte, die französische Polizei unternehme alles, um diesen kriminellen Geschäftemachern das Handwerk zu legen. Seit dem 1. Januar habe sie 1500 Schlepper festgenommen. Diese seien «wie die Mafia» organisiert und verfügten über chiffrierte Handys. In Calais stellen Ermittler fest, dass auch Migranten in das Elends-Business übergewechselt haben, nachdem sie ihr Geld selber an Profischlepper verloren hatten und in den Dünen von Calais gestrandet waren.

Delphine Rouilleault vom Hilfswerk Terrre d’asile gab am Mittwoch zu bedenken, das jüngste Drama könne «nicht auf die Schlepperfrage reduziert» werden. «Schuld ist auch die Politik der Schliessung der Routen, was den Preis für das Übersetzen erhöht und die Schlepper bereichert», meinte sie.

«Die einzige Alternative besteht darin, einen legalen Asylweg zu öffnen.»

Der britische Premier Boris Johnson will die Asylgesuche allerdings nicht erst auf britischem Boden prüfen lassen. Das sollen die Franzosen tun. Man sei personell ausserstande und auch nicht willens, diese Aufgabe schon auf ihrem Staatsgebiet zu erledigen, heisst es auf französischer Seite. Wenige Tage vor dem Bootsdrama hatte die Regierung in Paris bekannt gegeben, sie verstärke die Kontrolle des 130 Kilometer langen Küstenstreifens bei Calais durch 100 geländegängige Fahrzeuge sowie Schiffe.

«Frankreich lässt nicht zu, dass der Ärmelkanal ein Friedhof wird», erklärte Präsident Emmanuel noch am Mittwochabend. Johnson bezeichnete sich seinerseits als «schockiert, aufgebracht und sehr traurig». Er versprach, mit Frankreich zusammen «mehr zu unternehmen», um die gefährlichen Überfahrten zu verhindern. Die beiden Politiker führten ein Telefongespräch, dessen Resultat vorerst nicht bekannt war. Macron forderte jetzt eine Notfallsitzung der EU-Minister.





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Bundestag, Steinmeier, Merkel: So läuft die Kanzlerwahl von Scholz

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Bundestag, Steinmeier, Merkel

So läuft die Kanzlerwahl von Scholz

Das erste Mal seit 2005 stellt die SPD wieder den Bundeskanzler: Am Vormittag wollen die Ampelparteien Olaf Scholz zum neuen Regierungschef wählen. Auch seine Ministerinnen und Minister übernehmen im Laufe des Tages ihre Ämter.

Deutschlands erste Ampel-Koalition im Bund geht an den Start: SPD, Grüne und FDP wollen den Sozialdemokraten Olaf Scholz am Vormittag im Bundestag zum neunten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wählen. Er muss bei der Abstimmung mindestens 369 Stimmen erhalten – die drei Ampel-Parteien kommen zusammen auf 416 Mandate. Nach Vorgabe des Grundgesetzes findet die Abstimmung ohne vorherige Debatte statt.

Der 63-Jährige wäre der vierte SPD-Kanzler nach Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder. Die CDU stellte bislang die vier Kanzler Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger und Helmut Kohl sowie in den vergangenen 16 Jahren Kanzlerin Angela Merkel.

Übergabe des Kanzleramtes am Nachmittag

Nach der Abstimmung im Bundestag wird Scholz gegen 10.15 Uhr von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ernennungsurkunde ausgehändigt. Damit geht die Regierungsgewalt auf den neuen Kanzler über. Um 12.00 Uhr wird Scholz im Bundestag von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas vereidigt. Auf Vorschlag von Scholz ernennt Steinmeier anschließend die Bundesminister und -ministerinnen.

Am Nachmittag übergibt schließlich die bisherige Bundeskanzlerin Angela Merkel das Bundeskanzleramt an ihren Nachfolger. Auch die meisten neuen Ministerinnen und Minister werden im Laufe des Nachmittags zur Amtsübergabe an ihren Dienstsitzen empfangen.

7x SPD, 5x Grün, 4x FDP

Die SPD hatte die Bundestagswahl am 26. September gewonnen und war nach einer Aufholjagd mit 25,7 Prozent stärkste Kraft vor der CDU/CSU (24,1 Prozent) geworden. Rein rechnerisch hätte die Union mit diesem Ergebnis auch ein Jamaika-Bündnis mit Grünen und FDP anführen können. Die zwei kleineren Parteien entschieden sich jedoch für Koalitionsverhandlungen mit der SPD.

In der neuen Regierung stellt die SPD sieben Ministerinnen und Minister: Wolfgang Schmidt (Kanzleramtschef), Karl Lauterbach (Gesundheit), Hubertus Heil (Arbeit und Soziales), Nancy Faeser (Innen), Christine Lambrecht (Verteidigung), Klara Geywitz (Bau) und Svenja Schulze (Entwicklung).

Für die Grünen ziehen Annalena Baerbock (Außen), Robert Habeck (Wirtschaft und Klimaschutz), Anne Spiegel (Familie), Steffi Lemke (Umwelt) und Cem Özdemir (Agrar) ins Kabinett ein. Habeck ist auch Vizekanzler. Die Kabinettsmitglieder der FDP sind Christian Lindner (Finanzen), Volker Wissing (Verkehr), Marco Buschmann (Justiz) und Bettina Stark-Watzinger (Bildung).



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Schaffner sollen Nachweis prüfen: Bahn verschärft ab heute 3G-Kontrollen

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Schaffner sollen Nachweis prüfen

Bahn verschärft ab heute 3G-Kontrollen

Seit zwei Wochen gelten im Nah- und Fernverkehr die 3G-Regeln. Fahrgäste müssen geimpft, genesen oder getestet sein, um mitfahren zu dürfen. Ab sofort sollen die Nachweise noch strenger kontrolliert werden, denn nun prüfen auch Schaffner die Angaben. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Ab diesem Mittwoch verschärft die Deutsche Bahn die sogenannten 3G-Kontrollen im Regionalverkehr. Fortan sollen auch die sogenannten Kundenbetreuer, also Schaffnerinnen und Schaffner, bei der Ticketkontrolle überprüfen, ob die Fahrgäste geimpft, genesen oder getestet (3G) sind. Bislang hatten das im Nahverkehr vor allem die Sicherheits-Mitarbeiter übernommen.

Allerdings bleibe es bei stichprobenhaften Überprüfungen, sagte die Bahn. Es werde nur dann nach dem 3G-Nachweis gefragt, wenn die Kontrolleure von Sicherheitspersonal begleitet werden. Es würden stets zwei Mitarbeitende bei der Kontrolle eingesetzt, um größtmögliche Sicherheit für die Kundenbetreuer im Nahverkehr zu gewährleisten, hieß es. Außerdem kann bei Fahrtausschlüssen die Bundespolizei zu Hilfe gerufen werden.

Bereits seit dem 24. November gilt die 3G-Pflicht im Regional- und im Fernverkehr. Wer keinen entsprechenden Nachweis vorweisen kann, wird dazu aufgefordert, den Zug an der nächsten Station zu verlassen. Es droht ein Bußgeld von bis zu 2500 Euro. Der Bahn zufolge war stets geplant, dass auch die Schaffnerinnen und Schaffner im Nahverkehr kontrollieren sollen.

Vor ihrem erweiterten Einsatz mussten sie demnach noch speziell geschult werden. “Nach ersten Erhebungen zeichnet sich auch im Regional- sowie im S-Bahnverkehr eine sehr hohe Akzeptanz der neuen Regeln bei unseren Fahrgästen ab”, teilte das Unternehmen mit. “Hier konnten rund drei Prozent der kontrollierten Reisenden keinen 3G-Nachweis vorzeigen.”



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Türeci forscht zu Krebstherapien: Biontech-Gründerin wird Professorin in Mainz

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Türeci forscht zu Krebstherapien

Biontech-Gründerin wird Professorin in Mainz

Mit ihrem Unternehmen Biontech entwickelte sie als eine der ersten einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Mit einer Professur an der Universität Mainz widmet Özlem Türeci künftig einem anderen Ihrer Forschungsschwerpunkte noch mehr Zeit. Ein Hoffnungsschimmer für Krebspatienten.

Die Biontech-Gründerin Özlem Türeci hat eine Professur für personalisierte Immuntherapie an der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität und dem Helmholtz-Institut für Translationale Onkologie in Mainz übernommen. Die 54-Jährige solle “die Entwicklung innovativer Immuntherapiekonzepte und deren präklinische Erforschung vorantreiben”, teilte das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) am Dienstag in Heidelberg mit.

Ihre Ernennungsurkunde wurde Türeci demnach am Montag überreicht. Sie wolle dazu beitragen, das Immunsystem des Patienten “mit personalisierten Ansätzen zu einer starken Waffe gegen den Krebs zu machen”, erklärte Türeci. “Ihre Expertise in der Entwicklung innovativer Krebsimmuntherapien sucht weltweit ihresgleichen”, teilte der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Michael Baumann mit. Universitätspräsident Georg Krausch erklärte, Türeci sei eine “exzellente Wissenschaftlerin für das Team der Johannes-Gutenberg-Universität” in Mainz.

Türeci hatte sich 2002 an der Universitätsmedizin Mainz habilitiert. Anschließend wurde sie Arbeitsgruppenleiterin in einem immunologischen Sonderforschungsbereich. An der Mainzer Universitätsmedizin war sie seit ihrer Habilitation als Privatdozentin im Bereich der Krebsimmuntherapie tätig.

2009 war Türeci an der Gründung des Pharmaunternehmens Biontech beteiligt, dessen medizinische Vorständin sie ist. Sie und ihr Ehemann Ugur Sahin wurden für die Entwicklung des Corona-Impfstoffs von Biontech zuletzt mit der Ehrendoktorwürde der Universität Köln sowie dem Paul-Ehrlich-Preis ausgezeichnet.



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